24.07.08: BAO-MAO-Aktuell

BAO-MAO-Aktuell; Nr. 33/08, vom 24. Juli 2008
Nachrichten für Ambulante Operateure und Anästhesisten

Gesetzliche Krankenversicherung

Koalition stellt Krankenkassen Ultimatum zu Hausarztverträgen
Die große Koalition möchte die Aufwertung des Hausarztes zum Lotsen im Gesundheitssystem entschiedener vorantreiben als bisher. Der "Süddeutschen Zeitung" vom Donnerstag zufolge wollen Union und SPD den Krankenkassen deshalb ein gesetzlich verankertes Ultimatum stellen. Demnach müssten alle 217 Versicherer bis zum 30. Juni 2009 entsprechende Verträge mit Vertretern der Hausärzte geschlossen haben.
- Spätestens zu diesem Zeitpunkt solle eine flächendeckende Versorgung für alle Versicherten sichergestellt sein, schrieb das Blatt. In der jüngsten Gesundheitsreform hatten SPD und Union die Kassen zwar verpflichtet, Hausarztverträge abzuschließen; allerdings hatten sie darauf verzichtet, ihnen einen Zeitrahmen vorzugeben.
Insbesondere die Sozialdemokraten seien nun darüber verärgert, dass bislang nur etwa 60 Hausärzteverträge abgeschlossen worden seien, obwohl die Pflicht bereits seit April 2007 bestehe, schrieb die Zeitung.
Quelle: ddp/aerzteblatt.de, 17. Juli 2008

Kassen schießen weiter gegen Hausarztverträge
Das geplante Ultimatum der großen Koalition zum Abschluss von Hausarztverträgen nach Paragraf 73b SGB V treibt Vertretern der gesetzlichen Krankenkassen die Zornesröte ins Gesicht.
"Ich halte das schon für seltsam, wenn man einen Wettbewerb staatlich verordnet", sagte der stellvertretende Vorsitzende des neuen GKV-Spitzenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg vor Journalisten in Berlin. Hintergrund sind Pläne der großen Koalition, die für die Kassen bereits heute verpflichtend anzubietenden Verträge mit einem Ultimatum bis zum Juli 2009 flächendeckend auszurollen.
Quelle: Ärzte Zeitung, 24.07.2008

"Keine Wahlgeschenke an Hausärzte!"
VdAK-Chef Thomas Ballast kritisiert Koalitionspläne, dem Hausarztverband ein Recht auf Abschluss von Hausarztverträgen zu geben.
Das Konzept der Selektivverträge werde dadurch ausgehöhlt, ein neues Monopol könne entstehen. "Die Förderung der hausärztlichen Versorgung darf nicht durch teure Wahlgeschenke an Hausärzte erfolgen."
Quelle: Ärzte Zeitung, 23.07.2008

Hausarztvertrag: Medi erwirkt Unterlassungserklärung der KV Nordrhein
Eine Unterlassungserklärung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein hat der Medi-Verbund gerichtlich erwirkt. Die KV darf danach künftig nicht mehr behaupten, dass am AOK-Hausarztvertrag in Baden-Württemberg nur knapp die Hälfte der baden-württembergischen Hausärzte teilnehmen können, dass der Vertrag von vorneherein nur für eine begrenzte Zahl an Teilnehmern ausgeschrieben worden sei und damit die hausärztlichen Leistungen rationiere.
Quelle: hil/aerzteblatt.de Freitag, 18. Juli 2008

Freie Ärzte planen Demo in Berlin
Die Freie Ärzteschaft beginnt mit den Vorbereitungen für die geplante Großdemonstration am 19. September in Berlin.
Der Verband stellt den Arztpraxen Materialien wie Flyer zur Patienten-Information zur Verfügung.
Unter dem Motto "Diese Politik macht krank" wollten Ärzte und Patienten auf die "gefährliche und menschenverachtende Entwicklung" in der deutschen Gesundheitspolitik aufmerksam machen, sagt der Präsident der Freien Ärzteschaft Martin Grauduszus. Die Demo soll von bundesweiten Praxisschließungen begleitet werden.
Quelle: Ärzte Zeitung, 22.07.2008

Medi sieht KV vor Schrumpfungsprozess
Der Medi-Verbund in Baden-Württemberg will ungeachtet des Hausarztvertrags mit der AOK am Korbmodell für den Ausstieg aus der Gesetzlichen Krankenversicherung festhalten.
- Seit dem Frühjahr hat Medi in mehreren Veranstaltungen Vertragsärzte dazu aufgerufen, ihre Zulassung in einen Korb zu geben und damit die Bereitschaft zu signalisieren, aus der GKV auszusteigen, wenn ausreichend viele Kollegen mitmachen. Bis Ende 2009 sollen die Körbe geöffnet bleiben.
- "Die Frage, ob wir nicht doch irgendwann aussteigen, ist noch nicht beantwortet", sagte Medi-Chef Dr. Werner Baumgärtner der "Ärzte Zeitung". Medi könne es sich nicht leisten, "nur auf ein Pferd zu setzen" - also auf eigene Verträge mit den Kassen im GKV-System.
Quelle: Ärzte Zeitung, 22.07.2008

Was dürfen drei Monate mehr Lebenszeit künftig noch kosten?
Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) stemmt sich gegen mögliche Einschränkungen der onkologischen Arzneitherapie durch die Hintertür mit der Einführung der Kosten-Nutzen-Bewertung (KNB).
In der Kritik dabei: die Fokussierung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf das Gesamtüberleben als Zielparameter. Das IQWiG hat hierzu den Entwurf eines Methodenpapiers erarbeitet.
- Die Onkologen befürchten, dass Therapien, die den Tod um wenige Monate hinauszögern, künftig nicht mehr bezahlt werden, weil das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Vergleich zu Therapien in anderen Bereichen zwangsläufig schlechter ausfällt.
Quelle: Ärzte Zeitung, 22.07.2008

297.000 Unterschriften gegen die E-Card
Das Bündnis "Stoppt-die-e-Card" hat nach eigenen Angaben seit Ende April 297.000 Unterschriften gegen die geplante bundesweite Einführung der elektronischen Gesundheitskarte gesammelt. Hauptkritikpunkt des Bündnisses "Stoppt-die-e-Card" ist die geplante Speicherung von Patientendaten auf zentralen Rechnern.
Info: http://www.stoppt-die-e-card.de
Quelle: Ärzte Zeitung 21.7.2008

Privatversicherung

Gebührenordnung: Bundesärztekammer warnt vor ruinösem Preiswettbewerb
Vor einer sogenannten Öffnungsklausel in der privatärztlichen Gebührenordnung hat die Bundesärztekammer (BÄK) gewarnt. Der Arbeitsentwurf zur Novellierung der Amtlichen Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) sehe eine solche unter dem neu gefassten Paragraphen 2a vor. "Wenn die Öffnungsklausel wie geplant kommt, ist ein ruinöser Preiswettbewerb zu Lasten der Patienten und der Ärzte vorprogrammiert", warnte der Vorsitzende des Ausschusses Gebührenordnung der BÄK, Franz Gadomski.
Die Regelung für die Zahnärzte sei ein Präjudiz für die anstehende Novellierung der Amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) und hätte zur Folge, dass private Krankenversicherungen oder Beihilfeträger in Zukunft Preisabsprachen mit einzelnen Ärzten oder Krankenhäusern losgelöst von der Amtlichen Gebührenordnung treffen könnten. Eine Preisuntergrenze für die von der Amtlichen Gebührenordnung abweichenden Honorarvereinbarungen sei dabei nicht vorgesehen.
Die BÄK sieht noch weitere Rechtsprobleme, die gegen die geplante Öffnungsklausel sprechen: Durch die Preisabsprachen zwischen Kostenträgern und Ärzten entziehe sich der Staat seiner Verantwortung, im Interesse der Allgemeinheit Sorge für die Ausgestaltung der Gebührenordnung zu tragen.
Quelle: hil/aerzteblatt.de Mittwoch, 23. Juli 2008

Verstoßen Direktverträge gegen Verfassung?
Eine Öffnungsklausel in der amtlichen Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ), die Direktverträge zwischen privaten Krankenversicherern und Gruppen von Zahnärzten erlaubt, wäre verfassungswidrig. Solche Direktverträge sind auch bei der Novellierung der GOÄ im Gespräch.
Zu diesem Ergebnis kommt der Konstanzer Rechtswissenschaftler Professor Winfried Boecken in einem Gutachten im Auftrag der Bundeszahnärztekammer und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung.
Nach Einschätzung des Juristen wäre eine solche Öffnungsklausel - wie die Versicherer sie auch für die GOÄ anstreben - nicht mit den gesetzlichen Grundlagen der GOZ vereinbar. Ziel der Gebührenordnung sei es, einen ruinösen Preiswettbewerb um die Patienten zu verhindern, einen Ausgleich zwischen den widerstreitenden Interessen von Patienten und Zahnärzten zu schaffen und die Transparenz der privatzahnärztlichen Liquidation zu stärken, so Boecken. Die Öffnungsklausel öffne dagegen der ungebremsten Kostenminimierung um jeden Preis Tür und Tor.
Quelle: Ärzte Zeitung, 22.07.2008

Rechtliches

Für nichtige Behandlungsverträge gibt es kein Honorar
Weil die Magnet-Resonanz-Tomografie zum Fachgebiet der Radiologie gehört und andere Ärzte sie nicht erstellen dürfen, hat ein Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie keinen Anspruch darauf, dass die von ihm durchgeführten Tomografien an Privatpatienten honoriert werden. Die privaten Behandlungsverträge mit Patienten sind nichtig, weil sie gegen das Heilberufekammergesetz verstoßen. Der Mediziner ist "fachgebietsfremd" tätig geworden. LG Mannheim, 1 S 227/05
Quelle: der niedergelassene arzt 7/2008, 6

Gericht ruft wegen Altersgrenze für Ärzte EuGH an
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) soll prüfen, ob die Höchstaltersgrenze von 68 Jahren für Vertragsärzte und -zahnärzte gegen das Verbot der Altersdiskriminierung verstößt.
- Einen entsprechenden Beschluss hat das Sozialgericht Dortmund (SG) gefasst.
- Mit der Anrufung solle angesichts des politischen Hin und Hers mit Blick auf die Altersgrenze für Klarheit gesorgt werden, sagt der Vizepräsident des SG Günter Wüllner. "Es kann nicht sein, dass die Bundesregierung nach Gutsherrenart mit diesem Thema umgeht", so Wüllner.
Nach dem Beschluss des SG sollen die EuGH-Richter vor allem klären, "ob das europäische Verbot der Altersdiskriminierung die Annahme einer auf allgemeine Lebenserfahrung gestützten Einschränkung der Leistungsfähigkeit als Rechtfertigung einer Höchstaltersgrenze ausschließt".
Beschluss des Sozialgerichts Dortmund, Az.: S 16 KA 117/07
Quelle: Ärzte Zeitung, 22.07.2008

Die Lebenslüge der Juristen — Warum Recht nicht gerecht ist
Recht hält selten, was es verspricht. Es hängt von Menschen ab, und die können irren. Wie sehr und wie oft, erfuhr Rolf Lamprecht als SPIEGEL-Beobachter bei den obersten Gerichtshöfen. Er erzählt von Willkür, von Unrecht — und von beherzten Klägern, die sich, von ihrem Rechtsempfinden getrieben, bis in die höchsten Instanzen kämpfen. Dieses Buch erklärt, weshalb Recht nur die Summe vieler Teilwahrheiten ist, wie es entsteht — und wieder vergeht. Und es verrät, was Richter zu leisten vermögen und wo sie scheitern müssen.
Rolf Lamprecht: Die Lebenslüge der Juristen — Warum Recht nicht gerecht ist. Ein SPIEGEL-Buch, DVA Sachbuch, München 2008
Quelle: Wirtschaftsmagazin für den Frauenarzt 6/2006, 4

Praxismanagement

Wo steht die jeweilige Arztpraxis wirtschaftlich?
Merkblatt "Praxisvergleich 2007"
Die Einnahmen- und Kostenstruktur folgender Fachgruppen liegen getrennt nach alten und neuen Bundesländern vor: Allgemeinmedizin (Einzelpraxis), Allgemeinmedizin (Gemeinschaftspraxis), Augenheilkunde, Chirurgie, Dermatologie, Gynäkologie, HNO, Innere Medizin, Kinderheilkunde, Orthopädie, Urologie und Zahnmedizin.
- Das Merkblatt kann unter Angabe der gewünschten Fachgruppe telefonisch oder auf folgenden Wegen bestellt werden: NAV-Virchow-Bund, Abteilung Service, Postfach 102661, 50466 Köln, Fon:(0221)9730 05-0, Fax: (02 21) 7 39 12 39, E-Mail: info@nav-virchowbund.de
Quelle: der niedergelassene Arzt 7/2008, 24

Neue Internetseite des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin
Auf seine neue Internetseite hat das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) hingewiesen. Durch die technische, funktionelle und inhaltliche neue Aufbereitung sei ein Informationsangebot für die Bedürfnisse der Fachöffentlichkeit entstanden.
Quelle: hil/aerzteblatt.de Donnerstag, 17. Juli 2008

Privatkliniken werben für freies Spiel des Marktes
Der Bundesverband Deutscher Privatkliniken (BDPK) fordert mehr Marktwirtschaft im Gesundheitswesen.
Der Antrieb, Gewinne zu erzielen, sorgt nach seiner Einschätzung für eine effiziente Gesundheitsversorgung. "Medizinische Entwicklungen und Entdeckungen kommen nicht aus Staaten mit einer Planwirtschaft, sondern werden in der Regel dort erfunden, wo man auch etwas damit verdienen kann", gab der BDPK auf seinem Bundeskongress in Kiel zu bedenken.
Als Beispiel führte der Verband die Entwicklung in den Krankenhäusern an: In vielen Regionen, so der BDPK, würden ohne Marktwirtschaft heute wahrscheinlich keine Kliniken mehr existieren. Private Unternehmen hätten in den vergangenen Jahren rund 400 Krankenhäuser aus meist kommunaler Trägerschaft übernommen und modernisiert.
"Die notwendigen Investitionen haben die Unternehmen nicht getätigt, weil es einen Regierungs-Masterplan gab, sondern weil sie sich einen Gewinn davon versprochen haben", hieß es.
Einen Widerspruch zwischen Ökonomie und Medizin sieht der Verband nicht - im Gegenteil. Nach Einschätzung des Verbands sorgt erst die Ökonomie dafür, dass Ressourcen sinnvoll und effizient zum Nutzen der Patienten eingesetzt werden.
Quelle: Ärzte Zeitung, 23.07.2008

Europa

Brüssel möchte eine Medizin ohne Grenzen
Der von der Europäischen Kommission vorgelegte Entwurf für eine Richtlinie zur grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung sorgt bei den EU-Regierungen und Interessenvertretern für rege Diskussionen.
Die EU-Länder haben den Vorschlag zwar grundsätzlich begrüßt, sagte Irene Wittmann-Stahl, Leiterin des Gesundheitsreferats der deutschen EU-Botschaft bei einer Veranstaltung in Brüssel. Allerdings sei noch unklar, wie die Staaten den Gesetzentwurf im Detail interpretieren werden. Wichtig sei aus ihrer Sicht, dass die Richtlinie nicht das Recht der Mitgliedstaaten einschränke, die gesundheitliche Versorgung zu steuern.
Die unabhängige irische Europaabgeordnete Kathy Sinnott fürchtet, dass der Regelungsvorschlag Länder mit einer unzureichenden medizinischen Versorgung benachteiligen könnte. Denn staatliche Mittel, die in die Erstattung von Auslandsleistungen fließen würden, stünden nicht mehr für Investitionen in das eigene Gesundheitssystem zur Verfügung.
Die KBV rechnet damit, dass sich viele Patienten aus Nachbarländern in Deutschland behandeln lassen werden. Dabei müsse es einen Wettbewerb um die beste und nicht um die billigste Versorgung geben, so KBV-Vorstand Carl-Heinz Müller.
Auch die deutschen Krankenhäuser sehen sich für den grenzüberschreitenden Wettbewerb gut gerüstet. Primär müsse die Richtlinie grenzüberschreitend Transparenz über Qualität, Leistung und Kosten für die Patienten herstellen. Eingriffe oder Einmischungen aus Brüssel in die Organisation des deutschen Klinikwesens lehnt die Deutsche Krankenhausgesellschaft dagegen ab.
Quelle: Ärzte Zeitung, 23.07.2008

Harmonisierung der europäischen Gesundheitssysteme nur bei Kapitaldeckung
Eine Verflechtung der Gesundheits- und Sozialsysteme in Europa ist nur umsetzbar, wenn alle Mitgliedsstaaten auf Kapitaldeckung mit übertragbaren, individuellen Altersrückstellungen setzen. Darauf hat Johann Eekhoff, Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität zu Köln, am Rande des Consiliums externer Wissenschaftler der Bundeszahnärztekammer am Freitag in Berlin hingewiesen.
- Eekhof, bis 1994 Staatsekretär im Bundeswirtschaftsministerium, begründete seine Aussage folgendermaßen: Derzeit sei das Niveau der Gesundheitssysteme der europäischen Mitgliedsstaaten sehr unterschiedlich. Nicht nur die Leistungskataloge fielen anders aus, auch die Finanzierung der Systeme fuße auf unterschiedlichen Grundlagen. Während einige über Steuern finanziert würden, setzten andere auf ein Mischsystem aus Steuern, Beiträgen und Prämien. Dies erschwere einen Wechsel von einem Land ins nächste.
- Eine Umverteilung, wie sie in Deutschland praktiziert werde, erfordere Zwangsabgaben und die Pflichtmitgliedschaft bei einer gesetzlichen Krankenkasse innerhalb einer Nation. Ohne die Umverteilungsaufgaben von den Krankenversicherungen auf das allgemeine Steuer- und Transfersystem zu verlagern, entstünden Belastungen und Anreize für Wanderungen von Risikopatienten, glaubt der Ökonom.
Solange im Gesundheitswesen grundsätzlich an Umlagesystemen festgehalten werde, bestehe wenig Aussicht, mit einer eigenen Dienstleistungsrichtlinie für den Gesundheitssektor einen europäischen Wettbewerb um Gesundheitsdienstleistungen zu organisieren.
Da eine Harmonisierung der Systeme auf lange Zeit nicht zu erwarten sei, ebenso wenig gleiche Sozialleistungen in allen Ländern Europas, "wird es bei einer Wanderung der Patienten ohne Schädigung der bestehenden Sozialsysteme bleiben", betonte Eekhof.
Quelle: MM/aerzteblatt.de Freitag, 18. Juli 2008

Chipkarte sichert bei Krankheit in der ganzen EU
Sozialversicherte, die bei einem vorübergehenden Aufenthalt im europäischen Ausland krank werden oder sich verletzen, können gegen Vorlage der Europäischen Krankenversichertenkarte (EKVK) medizinische Leistungen im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung in Anspruch nehmen.
Dies gilt sowohl für Urlaubsreisende als auch für Studenten, Arbeitssuchende, Freiberufler oder Arbeitnehmer, die für einige Zeit im Ausland arbeiten. Gegenwärtig besitzen rund 173 Millionen Versicherte eine EKVK. In Deutschland bildet die EKVK üblicherweise die Rückseite der gesetzlichen Krankenversichertenkarten.
Die im Juni 2004 eingeführte Karte ersetzt den europäischen Auslandskrankenschein und gilt in den 27 EU-Staaten sowie Norwegen, Liechtenstein, der Schweiz und Island.
Die Krankenkassen übernehmen die Behandlungskosten mitunter jedoch nur teilweise. Auch müssen die Versicherten damit rechnen, dass nicht alle Ärzte im Ausland die EKVK kennen. Dies kann zu Missverständnissen und einem gewissen bürokratischen Aufwand führen.
Weitere Informationen im Web unter http://ec.europa.eu/employment_social/healthcard/index_en.htm
Quelle: Ärzte Zeitung, 22.07.2008

Gehalt irischer Hausärzte steigt stetig
Irische Hausärzte haben im vergangenen Jahr durchschnittlich rund 160.000 Euro mit der Behandlung von Patienten des staatlichen Gesundheitsdienstes verdient. Damit sind die hausärztlichen Einkommen in der Republik erneut deutlich stärker gestiegen als die Einkommen anderer Akademiker. Das rief Kritiker auf den Plan.
- Wie aus den kürzlich vorgelegten Einkommensstatistiken für staatlich arbeitende Primärärzte hervor geht, verdienten zwölf irische Hausärzte im vergangenen Jahr 500.000 Euro. Ein Hausarzt in Dublin kam laut Health Service Executive (HSE) auf knapp 780.000 Euro Jahresverdienst.
- Große irische Tageszeitungen veröffentlichten die Namen und Praxisanschriften der Spitzenverdiener. Das wurde vom irischen Ärztebund (Irish Medical Organisation, IMO) kritisiert. Die IMO wies darauf hin, dass die vom HSE vorgelegten Zahlen "irreführend" seien, da weder steuerliche Abgaben noch Praxisnebenkosten berücksichtigt worden seien.
Quelle: KT/aerzteblatt.de Donnerstag, 17. Juli 2008

Allgemeines

2,5 Milliarden Menschen weltweit ohne Toiletten
Rund 2,5 Milliarden Menschen in der Welt leben noch immer ohne Toiletten oder adäquate sanitäre Anlagen. Dies ist das Ergebnis einer Studie des UN-Kinderhilfswerks UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die am Donnerstag in New York vorgestellt wurde. Fast die Hälfte der zweieinhalb Milliarden Menschen müsse ihre Notdurft im Freien verrichten, oft in öffentlich einsehbaren Orten.
- Die mangelhafte Versorgung mit sanitären Anlagen gefährdet dem Bericht zufolge vor allem das Leben von Kleinkindern. Eine mit Fäkalien kontaminierte Umwelt führe zu Durchfallerkrankungen. Diese sei eine der häufigsten Todesursachen von Kleinkindern weltweit.
- UNICEF und WHO verzeichneten im ersten Halbjahr 2008 jedoch Fortschritte bei der Versorgung mit Trinkwasser. Die Zahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser sei mit 884 Millionen Menschen erstmals unter die Marke von einer Milliarde gesunken. 328 Millionen davon leben dem Bericht zufolge im Süden Afrikas. 5,7 Milliarden Menschen und damit 87 Prozent der Weltbevölkerung verfügten über sauberes Trinkwasser. Halte dieser Trend an, könnten im Jahr 2015 rund 90 Prozent der Menschen weltweit mit sauberem Wasser versorgt sein.
Quelle: afp/aerzteblatt.de, 17. Juli 2008

Statistisches Bundesamt: Aktuell leben 80,9 Millionen Menschen in Deutschland
In Deutschland leben rund 1,3 Millionen Menschen weniger als bisher vermutet. Das sagte Dr. Sabine Bechtold vom Statistischen Bundesamt bei der Vorstellung neuer Daten zur Situation der Familien in der Bundesrepublik.
- Genaue amtliche Bevölkerungszahlen will das Statistische Bundesamt in drei Jahren mit dem Zensus 2011 ermitteln.
- Die Bundesstatistiker veröffentlichten in Berlin auch aktuelle Daten zur Lage der Familien in Deutschland: Danach gingen 2007 bei rund 51 Prozent der Ehepaare mit Kindern beide Partner arbeiten. Bei 36 Prozent der Paare war ausschließlich der Vater erwerbstätig, bei vier Prozent der Ehepaare nur die Mutter. Acht Prozent der Eltern übten keine Tätigkeit aus. Bei den Unverheirateten arbeiteten bei der Hälfte der Elternpaare beide. Allerdings war hier der Anteil der Paare, die keiner Beschäftigung nachgingen (14 Prozent) fast doppelt so hoch, ebenso der Anteil der Paare, bei denen ausschließlich die Mutter arbeiten ging (7 Prozent). Bei 30 Prozent der Paare war ausschließlich der Vater erwerbstätig.
Insgesamt haben seit 1996 alternative Familienformen wie Lebensgemeinschaften oder Alleinerziehende an Bedeutung gewonnen. Ihr Anteil an allen 8,6 Millionen Familien stieg von 19 auf 26 Prozent, sagte Karl Müller vom Statistischen Bundesamt. Etwa jede vierte Familie hatte einen Migrationshintergrund. Dort lebten häufiger drei und mehr Kinder als bei deutschen Familien.
Quelle: Ärzte Zeitung, 23.07.2008

800.000 Menschen in Deutschland leiden an Kaufsucht
800.000 Menschen in Deutschland kaufen regelmäßig aus Sucht. Diese Zahl veröffentlichte die Techniker Krankenkasse (TK) am Freitag in Hannover. "Die Tendenz hat in den vergangenen zehn Jahren spürbar zugenommen", sagte TK-Sprecherin Ulrike Fieback. Die Dunkelziffer der Kaufsüchtigen sei wesentlich höher.
Kaufsucht, auch Oniomanie genannt, sei eine psychische Erkrankung, die sich in zwanghaftem Kaufen unnützer Dinge äußere, erklärte der Ludwigshafener Psychologieprofessor Gerhard Raab. Das Kaufen von Produkten wirke als Ersatz für Anerkennung, für fehlende Liebe und innere Leere. Werde der Betroffene am Kaufen gehindert, verspüre er Entzugserscheinungen wie Herzrasen und Schweißausbrüche.
Raab zufolge zeigen Studien, dass immer mehr Menschen die Kontrolle über ihre Konsumausgaben und ihr Kaufverhalten verlieren. Dabei handele es sich um ein vor allem in den westlichen Industrienationen weitverbreitetes Phänomen. Raab merkte jedoch an, dass ein gelegentlicher Frustkauf noch nichts mit Kaufsucht zu tun habe.
Quelle: ddp/aerzteblatt.de Freitag, 18. Juli 2008

Gebildete Kinder sind seltener dick
Dem unter Kindern grassierenden Übergewicht lässt sich mit Bildung und Bewegung wirksam entgegensteuern. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Medizinern des Universitätsklinikums Ulm an 1.037 Zweitklässlern aus 34 Grundschulen.
Die teils übergewichtigen Schüler beschäftigten sich in Unterrichtseinheiten ein Jahr lang mit den Themen Ernährung, Medienkonsum und Bewegung. Zudem nahmen sie an kleinen Bewegungseinheiten teil. Eine anschließende Untersuchung zeigte positive Ergebnisse bei "Hautfaltendicke und im Bauchumfang", wie das Klinikum mitteilt.
- Die Beobachtungen zum Studienbeginn waren besorgniserregend. Die Eingangsuntersuchung vor Ende der ersten Klasse zeigte, dass 16,8 Prozent der Jungen und 17,4 Prozent der Mädchen nach Definition der sogenannten International Obesity Task Force übergewichtig waren.
Im Vergleich zu Ulmer Schulkindern vor 30 Jahren waren es viermal so viele Kinder mit einer erhöhten Körperfettmasse. Besonders anfällig für Übergewicht sind Kinder mit Migrationshintergrund, deren Eltern einen niedrigen Bildungsabschluss aufwiesen: Von ihnen hatten bei der Eingangsuntersuchung 27 Prozent zu viel Speck auf den Rippen.
Quelle: ddp/aerzteblatt.de Freitag, 18. Juli 2008

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Prof. Dr. Jost Brökelmann, Redakteur BAO-MAO-Aktuell
Bundesverband für Ambulantes Operieren e.V. – BAO
Präsident Dr. med. Jörg-A. Rüggeberg
Vereinsregister VR 6346
Managementgesellschaft Ambulantes Operieren – MAO
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Tel.: 0228-692423, Fax: 0228-631715
E-Mail: baobonn@t-online.de oder maobonn@t-online.de
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Chirurgen Magazin + BAO Depesche

Heft 112 | Ausgabe 2 – Mai 2024
Phlebologie: Alles im Fluss? Aktuelle Standards und neue Konzepte zur Therapie von Venenerkrankungen
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2021 OP-Netzwerk | Ein Service des BAO e. V. Auf OP-Netzwerk finden interessierte Ärztinnen und Ärzte umfangreiche Informationen, hilfreiche Tipps und wichtige Anlaufstellen rund um das Thema "Ambulantes Operieren". !
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Berufsverband der Phlebologen e.V.

Der Berufsverband der Phlebologen und Lymphologen e.V.
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Helmsauer Gruppe

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Partner PKG

Die Deutsche Praxisklinikgesellschaft (PKG) e.V. ist ein Zusammenschluss von Operationszentren, Tages- und Praxiskliniken und medizinischen Versorgungszentren, in denen ambulante und praxisklinische Operationen durchgeführt werden.
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Partner AND

Das AND e.V. als Zusammenschluss regionaler Anästhesie-Netze und –Genossenschaften vertritt auf Bundesebene Interessen der freiberuflich tätigen und niedergelassenen Anästhesisten.
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Partner DGH

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie
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BVASK

Der Berufsverband für Arthroskopie e. V.
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