29.10.08: BAO-MAO-Aktuell

BAO-MAO-Aktuell; Nr. 47/08, vom 29. Oktober 2008
Nachrichten für Ambulante Operateure und Anästhesisten

Gesetzliche Krankenversicherung

Hartmannbund fordert offene Auseinandersetzung mit Rationierung
"Der Grundgedanke von Rationierung - hinter welchen Begriffen er sich auch
immer versteckt - prägt seit Jahren den Konflikt zwischen Ärzteschaft und
Politik", sagte der HB-Vorsitzende Kuno Winn auf der Hauptversammlung seines
Verbandes am 25. Oktober in Potsdam.
- "Die Politik muss dazu stehen, dass nicht mehr alles, was medizinisch
möglich ist, in der GKV auch geht", forderte Winn. Sie dürfe nicht weiter so
tun, als sei alles machbar, während sie auf der anderen Seite dafür sorge,
dass nur noch Leistungen erbracht würden, die einer Kosten-Nutzen-Analyse
standhielten.
"Am Ende dieser Diskussion bleiben aus meiner Sicht nur zwei Möglichkeiten:
Entweder die Politik ist bereit, unser Gesundheitssystem künftig mit den
Mitteln auszustatten, die allen eine bestmögliche Versorgung gewährleisten
oder sie muss darüber entscheiden, welche Leistungen künftig nicht mehr
solidarisch finanziert werden können. Ein Entkommen aus dieser Verantwortung
wird es nicht mehr geben", sagte Winn.
Quelle: hil/aerzteblatt.de Montag, 27. Oktober 2008

Honorarreform: Mehr Geld für vier KVen
Für vier Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) sind die Nachverhandlungen am
23. Oktober im Erweiterten Bewertungsausschuss erfolgreich verlaufen: Sie
erhalten im Zuge der Honorarreform 2009 mehr Geld als ursprünglich
festgelegt.
Um rund 6,3 statt 3,9 Prozent werden die Honorare für die niedergelassenen
Ärzte und Psychotherapeuten Schleswig-Holsteins steigen. Im Bereich der KV
Nordrhein erhöhen sie sich um rund 6,5 statt 3,6 Prozent. Auch
Rheinland-Pfalz profitiert: Dort ist 2009 ein Honorarplus von 8,6 statt 5,7
Prozent möglich. Baden-Württemberg profitiert ebenfalls: Statt 1,5 Prozent
soll die Steigerung nun 2,5 Prozent betragen. Alle Erhöhungen beziehen sich
auf den Vergleich der Jahre 2009 mit 2007.
Quelle: hil/Rie/aerzteblatt.de Freitag, 24. Oktober 2008

Ärzte setzen keine Hoffnungen auf Ende des KV-Monopols
Vom Ende des Vertragsmonopols der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV)
erwarten 80 Prozent der Ärzte keine Verbesserung der medizinischen
Versorgung. Laut der Studie "Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2008" sind
nur sechs Prozent von ihnen der Überzeugung, die Maßnahmen der
Bundesregierung zur Steigerung des Wettbewerbs würden sich in dieser
Hinsicht positiv auswirken. Die Studie hat die Gesellschaft für
Gesundheitsmarktanalyse im Auftrag der Stiftung Gesundheit vorgenommen.
Mehr als zwei Drittel der Ärzte glauben, dass der Wettbewerb im
Gesundheitsmarkt weiter zunehmen wird. Der Berufsstand fürchtet die
negativen Folgen für sich und die Patienten: 88 Prozent sind davon
überzeugt, dass gute Medizin künftig noch mehr eine Frage des Geldes sein
wird.
Quelle: hil/aerzteblatt.de Mittwoch, 22. Oktober 2008

Umfrage: Ärzte erwarten von der E-Card Kosten und Mehrarbeit
Von der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) erwarten 84 Prozent der
niedergelassenen Ärzte einen erhöhten Verwaltungsaufwand für ihre Praxis. 89
Prozent der Ärzte rechnen mit zusätzlichen Anschaffungskosten für Hard- und
Software. Das ergab eine Online-Befragung des Meinungsforschungsinstitutes
TNS Healthcare im September 2008 bei 245 niedergelassenen Hausärzten und
hausärztlichen Internisten.
Quelle: hil/aerzteblatt.de, 22. Oktober 2008

Medizinischer Dienst begrüßt Zweitmeinung
Als "Schritt in die richtige Richtung" hat der Medizinische Dienst des
Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) das in der vergangenen Woche
vom Bundesausschuss beschlossene Zweitmeinungsverfahren begrüßt.
Das soll zunächst für die pulmonale arterielle Hypertonie und vier dabei
angewendete Arzneimittel gelten, also nur in einer seltenen Indikation
angewendet werden. Wichtig aus der Sicht des MDS ist, dass der
Bundesausschuss für ambulante und stationäre Versorgung nicht
unterschiedliche Kriterien anwendet. Nur im Ausnahmefall, so der MDS, haben
Kliniken zuverlässige Erkenntnisse über Innovationen.
Quelle: Ärzte Zeitung, 22.10.2008

In Baden-Württemberg boomt die Gesundheitsbranche
Pro Kopf und Jahr werden in Baden-Württemberg knapp 3.000 Euro für die
Gesundheit ausgegeben.
Dies geht aus Zahlen zur Entwicklung der Gesundheitswirtschaft in
Baden-Württemberg von 2000 bis 2006 hervor, die Sozialministerin Dr. Monika
Stolz (CDU) und die Präsidentin des Statistischen Landesamtes Dr. Carmina
Brenner in Stuttgart vorgestellt haben.
Im Jahr 2000 hat dieser Wert noch bei 2.588 Euro gelegen, heißt es in den
"Gesundheitsökonomischen Indikatoren für Baden-Württemberg". Das
Gesamtvolumen der Gesundheitsausgaben im Südwesten hat sich im Jahr 2006 auf
32 Milliarden Euro belaufen, fünf Milliarden Euro mehr als im Jahr 2000.
Größter Posten waren dabei die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung
mit etwa 18 Milliarden Euro (etwa 55 Prozent).
- "Die Gesundheitsbranche ist mehr als nur ein Kostenfaktor. Sie ist ein
Wirtschaftsfaktor ersten Ranges in Baden-Württemberg", sagte Stolz. Die
Zahlen zeigten, dass die Menschen im Südwesten zunehmend bereit seien,
verstärkt eigenverantwortlich in ihre Gesundheit zu investieren. So ist
zwischen 2000 und 2006 der Anteil der Ausgaben der privaten Haushalte um
fast zwei Prozentpunkte gestiegen.
Der Gesundheitssektor habe seine Position als beschäftigungsstärkste Branche
in Baden-Württemberg verteidigt. Im Jahr 2006 sind 609.000 Menschen im
Gesundheitswesen beschäftigt gewesen (2000: 577 000), das entspricht einem
Anteil von elf Prozent. Wachstumsbereiche seien die ambulante und die
stationäre Versorgung. Gesunken sei dagegen die Zahl der Beschäftigten in
der Verwaltung.
Der Bericht ist abrufbar unter http://www.statistik-bw.de
, Menüpunkt "Gesundheit"
Quelle: Ärzte Zeitung, 28.10.2008

CSU und FDP setzen auf wohnortnahe Versorgung
Die wohnortnahe ambulante Versorgung durch niedergelassene Haus-, Fach- und
Zahnärzte sowie durch inhabergeführte Apotheken soll ein zentraler Pfeiler
der Patientenversorgung in Bayern bleiben.
- Darauf haben sich CSU und FDP in ihrer Koalitionsvereinbarung verständigt.
Auch die stationäre wohnortnahe Versorgung durch Krankenhäuser solle
gewährleistet bleiben.
- Tragende Säulen der medizinischen Versorgung sind nach Auffassung der
neuen Bayerischen Staatsregierung die Freien Berufe, freie Arztwahl, der
Erhalt der privaten Krankenversicherung und der Länderkrankenkassen.
Einheitskassen und der Betrieb von medizinischen Versorgungszentren, die
nicht von Ärzten getragen werden, werden von der schwarz-gelben Koalition
abgelehnt.
- Eine Bürgerversicherung mit einer Einheitskasse und eine
Sozialversicherungspflicht auf alle Einkunftsarten werden von CSU und FDP
dabei strikt abgelehnt.
- Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte wird von der
schwarz-gelben Koalition in Bayern ausdrücklich begrüßt. Dabei müssten
jedoch der Datenschutz und die Akzeptanz bei den Leistungserbringern
gewährleistet sein, heißt es in der Koalitionsvereinbarung von CSU und FDP.
Quelle: Ärzte Zeitung, 28.10.2008

Privatversicherer

GOZ-Punktwert steigt um 0,458 Prozent
Ein schlechtes Signal für die ärztlichen Privathonorare: Bei der jetzt
novellierten zahnärztlichen Gebührenordnung (GOZ) will das
Bundesgesundheitsministerium den Punktwert um 0,458 Prozent anheben.
Das geht aus dem am vergangenen Freitag veröffentlichten Referentenentwurf
für eine neue GOZ hervor. Sie betrifft zwar nicht direkt die Ärzte, wird
aber für die anstehende Novelle der ärztlichen Gebührenordnung (GOÄ) als
Vorbild angesehen. Umstritten ist dabei vor allem die Möglichkeit für
PKV-Unternehmen, Direktverträge mit bestimmten Arztgruppen abzuschließen.
Quelle: Ärzte Zeitung, 28.10.2008

Telefonieren auf dem Pannenstreifen - auch das ist verboten
Nicht nur beim Autofahren oder beim Halt vor der roten Ampel ist das
Telefonieren mit dem Handy verboten, sondern auch auf dem Pannenstreifen.
Das Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigte die Verurteilung eines Mannes,
den das Amtsgericht zur Zahlung von 50 Euro Geldbuße verdonnert hatte.
Darüber berichtet die "Neue Juristische Wochenschrift". Der Autofahrer hatte
im September 2007 auf einem Seitenstreifen angehalten, um bei laufendem
Motor mit dem Mobiltelefon ein Gespräch zu führen.
Nach der Straßenverkehrsordnung ist es jedoch verboten, ein Handy zu
benutzen, wenn "der Fahrzeugführer hierfür das Mobiltelefon aufnimmt oder
hält". Das gilt so lange, wie das Auto in Bewegung ist oder der Motor läuft.
Das Düsseldorfer Gericht machte in seinem Beschluss deutlich, dass der
Autofahrer aber auch dann nicht straffrei davon gekommen wäre, wenn er auf
dem Pannenstreifen den Motor ausgestellt hätte. Der Grund: Das Halten auf
dem Seitenstreifen ist grundsätzlich verboten und nur bei einem Unglücksfall
oder einer Panne erlaubt oder dann, wenn die Polizei dies ausdrücklich
gestattet.
Die Benutzung des Pannenstreifens zu anderen Zwecken sei ordnungswidrig, das
Telefonieren mit dem Handy kein entschuldigender Grund. Das
Oberlandesgericht ergänzte deshalb den ursprünglichen Schuldspruch des
Amtsgerichts noch um das verbotswidrige Halten auf einer Kraftfahrstraße.
Beschluss des Oberlandesgerichts Düsseldorf, Az.: IV-2 Ss (OWi) 84/08 -
(OWi) 39/08 III
Quelle: Ärzte Zeitung, 27.10.2008

Praxismanagement

Zeitung trotz beruflicher Informationen nicht von Steuer absetzbar
Eine Tageszeitung kann auch dann nicht von der Steuer abgesetzt werden, wenn
sie aktuelle berufsbezogene Informationen enthält. Das entschied das
Hessische Finanzgericht in Kassel in einem Urteil.
Wegen des breiten Informationsspektrums einer Tageszeitung spielten
berufsbezogene Informationen regelmäßig nur eine untergeordnete Rolle. Daher
diene sie überwiegend privaten und nicht beruflichen Zwecken.
- Das Urteil gilt nicht für Abonnenten der "Ärzte Zeitung". Als Fachzeitung
kann dieses Abonnement als Werbekosten steuerlich geltend gemacht werden.
Az.: 13 K 3379/07
Quelle: Ärzte Zeitung online, 27.10.2008

Brandwunden: Honig verkürzt Wundheilung
Honig ist möglicherweise ein ideales Mittel zur Behandlung milder bis
moderater Brandwunden. Dies geht aus einer entsprechenden Cochranestudie
hervor. (DOI: 10.1002/14651858.CD005083.pub2). Danach verkürzt der Einsatz
von Honig die Wundheilungszeit im Vergleich zur Behandlung mit Verbänden.
Bereits im alten Ägypten kam Honig zur Behandlung von Wunden zum Einsatz. Es
ist bisher unklar, wie genau Honig zur Wundheilung beiträgt. Während das
Bienenprodukt scheinbar die Gewebeerneuerung begünstigt, interessieren sich
aktuelle Studien vor allem für die antibakteriellen Effekte.
Die Metaanalyse umfasste 19 Studien mit 2.554 Patienten mit verschiedenen
Wunden. Es zeigte sich, dass die Anwendung von Honig die Wundheilungsdauer
moderater Verbrennungen effektiver reduzieren konnte als Mullverbände. Bei
Schürf-, Schnitt-, Riss- und chirurgischen Wunden sowie Ulzera hingegen
konnten die Forscher keinen Vorteil von Honig im Vergleich zu herkömmlichen
Verbänden feststellen.
Quelle: hil/aerzteblatt.de Dienstag, 14. Oktober 2008

Jeder zweite OP-Pfleger ist unzufrieden mit seiner Arbeit
Nahezu die Hälfte der Pflegekräfte in deutschen Operationssälen ist massiv
unzufrieden. Die Frage, ob sie noch einmal diesen Beruf ergreifen würden,
verneinten bei einer Umfrage 47 Prozent, wie die Fachhochschule (FH)
Frankfurt am Main am Mittwoch berichtete.
Eine Forschungsgruppe der FH hatte mehr als 600 Pflegekräfte aus der
Operations- und Anästhesiepflege befragt. Die vollständigen Ergebnisse des
"OP-Barometers" sollen Ende November in Frankfurt veröffentlicht werden.
Quelle: BH/aerzteblatt.de Donnerstag, 23. Oktober 2008

Blutentnahme, Injektionen, Infusionen und Wundversorgung
Die Qualifikation der nicht-ärztlichen Mitarbeiter ist ausschlaggebend
* Blutentnahme: Kapilläre und venöse Blutabnahmen können, so die neue
Empfehlung von BÄK und KBV an entsprechend qualifizierte nichtärztliche
Mitarbeiter delegiert werden. Aber: Nicht in allen Ausbildungskatalogen ist
die venöse Blutabnahme enthalten. Deshalb müssen sich die Ärzte
vergewissern, dass beispielsweise ihre medizinischen Fachangestellten,
vormals Arzthelferinnen, die nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten haben.
Falls nicht, müssen sie ausführlich eingewiesen werden.
* Injektionen: Subkutane und intramuskuläre Injektionen können an
entsprechend qualifizierte nichtärztliche Mitarbeiter delegiert werden. Zu
diesen Injektionen gehören auch Impfungen. Persönlich erbracht werden muss
jedoch die Erhebung der Impfanamnese und die Aufklärung zur Impfung.
Allergietests (Pricktest, Subcutantest) können ebenfalls an entsprechend
qualifizierte nichtärztliche Mitarbeiter delegiert werden. Aber: Da das
Risiko eines allergischen Schocks besteht, muss ein Arzt in unmittelbarer
Nähe sein.
* Infusionen: Auch intravenöse Injektionen und Infusionen können an
nichtärztliche Mitarbeiter delegiert werden, wenn diese "entsprechend
qualifiziert" sind. Ärzte müssen sich deshalb davon überzeugen, dass die
Mitarbeiter über Qualifikationen in der Punktions- und Injektionstechnik
verfügen. Außerdem muss der Praxischef sich in unmittelbarer Nähe aufhalten.
Ob die Applikation von Medikamenten oder Infusionen über einen Port
delegiert werden kann, hängt ab von der applizierten Substanz und der
Qualifikation des damit betrauten nichtärztlichen Mitarbeiters. Nicht
delegierbar ist die intravenöse Erstapplikation von Medikamenten.
* Wundversorgung: Die Versorgung unkomplizierter Wunden ist delegierbar. Die
Versorgung komplizierter und sekundär heilender Wunden ist ebenfalls
delegierbar; sie müssen jedoch initial und anschließend in regelmäßigen
Intervallen ärztlich überwacht werden. Deshalb kann die Wundversorgung in
diesen Fällen erst delegiert werden, wenn ein Arzt ein patientenspezifisches
Vorgehen festgelegt hat.
Quelle: Ärzte Zeitung, 23.10.2008

Postoperative Komplikationen: Auch kurzzeitige Nikotinentwöhnung nützt
Raucher leiden nach Operationen häufiger an Wundheilungsstörungen. Sie
lassen sich durch rechtzeitigen Entzug reduzieren. Aber wie früh ist früh
genug?
Für orthopädische Eingriffe war bereits belegt, dass ein sechs bis acht
Wochen zuvor begonnenes Raucher-Entwöhnungsprogramm die Zahl der
postoperativen Komplikationen reduzieren kann. Dr. David Lindström, Chirurg
am South General Hospital in Stockholm, untersuchte nun, ob dies für andere
Operationen ebenfalls gilt und ob sich auch ein kurzfristigerer
Rauchverzicht positiv auf Wundheilungsstörungen auswirkt. Zudem
interessierte den Mediziner, wie sich das Rauchverhalten der entwöhnten
Patienten langfristig entwickelt.
In einer randomisierten, kontrollierten Studie mit 117 Patienten verglich er
die Auswirkungen eines vier Wochen vor der Operation begonnenen
Raucher-Entwöhnungsprogramms mit dem Standardvorgehen. Die Beurteilung der
postoperativen Komplikationen erfolgte verblindet.
Erwartungsgemäß wiesen Raucher ein erhöhtes Komplikationsrisiko auf (Odds
ratio 1,34 für Hernien-Operationen, 1,54 bei Resektion eines
nicht-perforierten, 1,29 bei Resektion eines perforierten Blinddarms). In
der Interventionsgruppe betrug die Rate der in der Frühphase aufgetretenen
Komplikationen 21 % gegenüber 41 % in der Rauchergruppe. Das relative Risiko
für irgendeine postoperative Komplikation konnte durch die Intervention um
49 % gesenkt werden. Die Number Needed to Treat (NNT) für das
Raucher-Entwöhungsprogramm betrug 5. 58 % der Interventionsgruppe hatten es
in der Woche vor der Operation geschafft, auf Zigaretten, Tabak etc. zu
verzichten, in der Kontrollgruppe waren es 2 %.
- Aber nicht nur die Rate der erfolgreichen Entwöhnung war hoch, sondern
auch der Langzeiteffekt. Nach einem Jahr waren 33 % weiterhin Nichtraucher.
In der Kontrollgruppe hatten zwischenzeitlich 15 % mit dem Rauchen
aufgehört. Eine Operation ist demnach ein guter Motivationsfaktor für
Personen, die schon zuvor gern mit dem Rauchen aufgehört hätten, mutmaßt
Lindström.
Quelle: http://diss.kib.ki.se/2008/978-91-7409-071-0/
Quelle: Newsletter Chirurgie, Ausgabe 22.10.2008

Europa

Spitzenplatz bei Krankenhausbetten
Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergab, dass in Deutschland
auf 10.000 Einwohner 83 Krankenhausbetten kommen. Von den Staaten der
Europäischen Union lag lediglich Tschechien mit 84 Klinikbetten pro 10.000
Einwohner noch vor der Bundesrepublik. Andere Nachbarländer (Frankreich: 73,
Niederlande: 50, Dänemark: 38) erreichten deutlich niedrigere Zahlen.
Schlusslicht ist Schweden mit 29 Betten pro 10.000 Einwohner.
Quelle: Newsletter Chirurgie, Ausgabe 22.10.2008

OECD-Studie: Relative Armut in Deutschland stark gestiegen
In Deutschland haben Einkommensunterschiede und relative Armut einer
aktuellen OECD-Studie zufolge zwischen den Jahren 2000 und 2005 stark
zugenommen. Unterhalb der Armutsschwelle lebten 10,5 bis 11 Prozent der
Gesamtbevölkerung.
"Deutschland liegt hier leicht über dem OECD-Durchschnitt", sagte Michael
Förster vom OECD-Direktorat für Beschäftigung, Arbeit und Soziales in
Berlin. Dänemark und Schweden erreichten nur einen Wert von 5 Prozent.
Deutschland gehöre mit Tschechien, Kanada und Neuseeland auch zu den
Ländern, in denen die Kinderarmut am stärksten gewachsen sei.
Quelle: Ärzte Zeitung online, 22.10.2008

Neue Internetseite zu Patientenrechten
Die Allianz der Liberalen und Demokraten des Europarlaments (EP) klärt auf
einer neuen Internet-Homepage Patienten über ihre Rechte in der Europäischen
Union auf.
Auf der Internetseite werden zum einen Urteile des Europäischen Gerichtshofs
zur Patientenmobilität dargestellt. Außerdem informiert das Angebot über
eine von Bürgerorganisationen entworfene Europäische Charta der
Patientenrechte. Mit der Seite nimmt die Allianz im EP auf den von der
Kommission vorgelegten Richtlinienvorschlag zur Stärkung von
Patientenrechten Bezug.
http://www.patients-rights.eu/
Quelle: Ärzte Zeitung, 21.10.2008

Allgemeines

Westlicher Ernährungsstil erklärt 30 Prozent aller Herzinfarkte
Salzig, fettig, Fleisch und viele Eier. Diese Kennzeichen eines westlichen
Ernährungsstils sind einer Fallkontrollstudie in Circulation (2008, doi:
10.1161/CIRCULATIONAHA.107.738716) zufolge für 30 Prozent aller Herzinfarkte
verantwortlich.
- Die westliche Ernährungsweise zeichnet sich durch die hohe Zufuhr von
frittierten Nahrungsmitteln, salzigen Snacks und einer reichlichen Aufnahme
von Eiern und Fleisch aus. Die orientalische Ernährung ist gekennzeichnet
durch eine hohe Zufuhr von Tofu, Soja und anderen Soßen. Die umsichtige
Ernährung befolgt die derzeitigen Empfehlungen der Kardiologen, nach welcher
der reichliche Verzehr von Obst und Gemüse in der Lage sein soll, die Folgen
der westlichen Ernährung zu vermeiden.
Nach den Berechnungen von Iqbal ist dies tatsächlich der Fall. Menschen, die
sich umsichtig ernähren, senken ihr Herzinfarktrisiko um 30 Prozent. Wer an
der westlichen Ernährung festhält, steigert dagegen das Herzinfarktrisiko um
35 Prozent, während die orientalische Ernährung einen neutralen Einfluss
hatte.
Quelle: rme/aerzteblatt.de Dienstag, 21. Oktober 2008

Studie: Schnelles Essen macht dick
Menschen, die ihre Mahlzeiten schnell herunterschlingen und bis zum Eintritt
des Sättigungsgefühl essen, sind einer Studie im Britischen Ärzteblatt
zufolge (BMJ 2008; 337: a2002) dreimal häufiger übergewichtig.
Die Ernährungsgewohnheiten haben sich in den letzten Jahrzehnten geändert.
Die Nahrungsmittel sind günstiger und energiedichter geworden. Die Portionen
sind größer und die Dauer der Mahlzeiten ist kürzer geworden. Die Esskultur
ist beim Besuch von Fast-Food-Ketten, aber auch zu Hause verloren gegangen.
Immer mehr Menschen schlingen die Nahrung in immer kürzerer Zeit hinunter
oder essen nebenbei beim Fernsehen oder vor dem Computer. Dies könnte, wie
die Studie von Hiroyasu Ito von der Universität Osaka zeigt, durchaus ein
wichtiger Motor für die derzeitige Adipositas-Epidemie sein.
Der Forscher analysierte die Daten einer Querschnittsstudie aus Japan, an
der sich 1.122 Männer und 2.165 Frauen beteiligt hatten. In einem Fragebogen
zu den Ernährungsgewohnheiten gab fast jeder zweite an, bis zum Eintritt
eines Sättigungsgefühl zu essen und mehr als jeder dritte hielt sich für
einen schnellen Esser. Beide Gewohnheiten waren mit einem Übergewicht
assoziiert.
Quelle: rme/aerzteblatt.de, 22. Oktober 2008

Hausarbeit, Gartenarbeit und Sport: Schutzengel bei Schlaganfall
Körperliche Aktivität beeinflusst den Schwere- und den Erholungsgrad eines
Schlaganfalls. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Wissenschaftlern des
Bispebjerg Krankenhauses der Universität in Kopenhagen. Sie publizieren sie
in der aktuellen Ausgabe von Neurology (2008;71: 1313-1318).
Für ihre Studie analysierten die Wissenschaftler die Krankengeschichten von
265 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 68 Jahren. Als
Auswahlkriterien galten unter anderem ein Schlaganfall in der Vorgeschichte
und die dennoch erhaltene Möglichkeit, zu gehen.
- "Das Ausmaß körperlicher Aktivität ist eines der möglichen Apoplexrisiken,
die kontrollierbar sind. Um fit zu bleiben bedarf es nicht unbedingt eines
strengen Programms", führt Studienautor Lars-Henrik Krarup an: "Für unsere
Studienteilnehmer wirkten sich zahlreiche Aktivitäten positiv aus. Hierzu
zählten leichte Arbeiten im Haushalt, Spaziergänge im Freien, Rasenmähen und
andere Gartenarbeiten oder Sport."
Quelle: hil/aerzteblatt.de Freitag, 24. Oktober 2008

Neurobionik: Affe bewegt paralysierte Hand mit Gedanken
US-Forscher ist ein neuer Fortschritt in der Neurobionik gelungen. Ihre
Neuroprothese wandelt Signale vom motorischen Cortex über ein Interface in
elektrische Stimuli um, mit denen dann - unter Umgehung des Rückenmarks -
einzelne Unterarmmuskeln bewegt werden. Nach einer Publikation in Nature
(2008; doi: 10.1038/nature07418) waren die Versuchstiere nach kurzer Zeit in
der Lage, eine gelähmte Hand zu benutzen.
Erst im Mai 2008 hatten Forscher der Universität Pittsburgh gezeigt, wie
Makaken mithilfe ihrer Gedanken eine Armprothese so zielgenau steuerten,
dass die Tiere nach Süßigkeiten greifen und diese ins Maul stecken konnten.
(Nature 2008; 453: 1098-1101). Möglich wurde dies durch ein
Brain-Machine-Interface.
Auf der einen Seite zeichnete das Gerät die Hinströme einzelner Neuronen des
motorischen Cortex auf. Die Signale wurden mit einem Computer analysiert und
in Steuerbefehle für Motoren eines Roboterarms umgesetzt, der dann die von
den Tieren intendierten Bewegungen umsetzte. Dass dies funktioniert, konnten
die Forscher anhand eines Videos zeigen.
Dieser anschauliche Beleg fehlt in der Arbeit von Chet Moritz vom National
Primate Research Center an der Universität von Washington in Seattle. Die
Arbeit erscheint dennoch glaubwürdig, zumal die Forscher den gleichen Ansatz
benutzten. Die Nervensignale steuerten in diesem Fall keine künstliche
Prothese, sondern die eigene gelähmte Hand der Versuchstiere.
In dem Experiment wurde den beiden Versuchstieren (Macaca nemestrina) im
ersten Schritt eine Anzahl von Elektroden auf den motorischen Cortex
implantiert. Jede Elektrode registrierte die Aktivität einer einzelnen
Nervenzelle, versichern die Autoren. Die Signale wurden an einen Computer
weitergeleitet, der sie in Bewegungen eines Cursors umwandelte. Die
Versuchstiere lernten schnell, den Cursor allein durch ihre Hirnaktivität zu
steuern. Die Tiere absolvierten dann (gegen Belohnung mit Apfelsaft) ein
einfaches Computerspiel.
Nachdem sie diese Aufgabe meisterten, wurden die Spielregeln geändert. Die
Tiere sollten den Cursor jetzt mit der Hand bewegen. Diese war zuvor durch
Injektion von Lidocain gelähmt worden. Bewegungen der Muskeln waren einzig
über das Brain-Machine-Interface möglich, das den motorischen Cortex mit
Elektroden an den Handmuskeln verband. Diese Technik, die ebenfalls bereits
in früheren Experimenten untersucht wurde, wird als funktionale elektrische
Stimulation (FES) bezeichnet.
Die Tiere brauchten weniger als eine Stunde Lernzeit, um das Videospiel mit
der FES-gesteuerten Hand fortzusetzen. Der "elektronische Bypass" des
Rückenmarks funktioniert nach Aussagen der Forscher auch dann, wenn in der
motorischen Rinde die "falschen" Signale abgeleitet werden, also etwa
solche, die normalerweise ganz andere Bewegungen steuern würden.
Dieser Umstand könnte die Umsetzung der Technik für die Behandlung von
paralysierten Menschen deutlich erleichtern. Eine aufwendige Suche nach den
richtigen Neuronen im motorischen Cortex wäre nicht notwendig. Wie beim
Biofeedback könnten die Patienten neue Bewegungen erlernen, schreiben die
Autoren.
Dennoch dürfte noch einige Entwicklungsarbeit notwendig sein, bis erstmals
Patienten mit derartigen Neuroprothesen versorgt werden können. Die Forscher
sprachen nur von einem "proof of concept", dem prinzipiellen Beweis, dass
zerstörte Rückenmarksnerven durch ein vielleicht nur
streichholzschachtelgroßes Gerät umgangen werden könnten.
Quelle: rme/aerzteblatt.de Donnerstag, 16. Oktober 2008

Archiv: Alle früheren Ausgaben des BAO-MAO-Aktuell können Sie unter
http://www.mao-bao.de/archiv.html - mit Suchfunktion - einsehen.

Prof. Dr. Jost Brökelmann, Redakteur BAO-MAO-Aktuell
Bundesverband für Ambulantes Operieren e.V. – BAO
Präsident Dr. med. Jörg-A. Rüggeberg
Vereinsregister VR 6346
Managementgesellschaft Ambulantes Operieren – MAO
Sterntorbrücke 1, D-53111 Bonn
Tel.: 0228-692423, Fax: 0228-631715
E-Mail: baobonn@t-online.de oder maobonn@t-online.de
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Chirurgen Magazin + BAO Depesche

Heft 104 | Ausgabe 2 – Mai 2022
Dermatochirurgie: Deutlich facettenreicher als nur ‚Muttermale spindeln‘…
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