05.09.06: BAO-MAO-Aktuell

BAO-MAO-Aktuell; Nr. 37/06, vom 5. September 2006
Nachrichten für Ambulante Operateure und Anästhesisten von Professor Brökelmann

Gesetzliche Krankenversicherung

Ärzteallianz treibt Keil in Koalition
"Freiheit statt Sozialismus" - so lautet das Motto, mit dem die Allianz deutscher Ärzteverbände wenigstens 30.000 Mediziner am 22. September zum Protestmarsch nach Berlin locken will.
"Wir müssen die Union zur Besinnung bringen", sagte der Sprecher der Allianz, NAV-Chef Dr. Maximilian Zollner der "Ärzte Zeitung". Unter einer CDU-Kanzlerin dürfe nicht der Weg in ein sozialistisch geprägtes Gesundheitswesen beschritten werden. Deshalb hätten die Ärzte denselben Protestslogan gewählt, den die Union Ende der 70er Jahre benutzt hatte, um ihre jetzigen Koalitionspartner, die SPD, zu stigmatisieren.
Für die Ärzteverbände würden die bisherigen Entwürfe zur Gesundheitsreform den Geist der Staatsmedizin atmen, sagte Zollner. Die Selbstverwaltung werde geschwächt, Kassenbeiträge würden staatlich festgelegt, und die PKV stehe vor der Abschaffung.
Ursprünglich sollte sich der Ärzteprotest gegen die Politik der KBV richten. Ihre Abkehr vom Ideal der Kostenerstattung hatte innerärztlich für heftige Kritik gesorgt. Die Vorlage des Reformentwurfs habe das Protestziel geändert. "Jetzt geht es darum, den Systemwechsel zu verhindern", sagte Zollner.
Quelle: Ärzte Zeitung 01.09.2006

Ärzte-Allianz will der SPD Paroli bieten
Die Allianz deutscher Ärzteverbände will die Union zwingen, den Reformkompromiss mit ihrem Koalitionspartner zu überdenken. Deshalb hat sie als Motto für ihre Demonstration gegen die Gesundheitsreform am 22. September in Berlin den alten Unionsslogan "Freiheit statt Sozialismus" gewählt.
Diese Parole hatten CDU und CSU benutzt, um im Wahlkampf 1976 ihre politischen Gegner, die SPD, zu stigmatisieren. "Wir wollen der CDU vor Augen führen, dass sie das, was sie damals bekämpft hat, jetzt selber macht", sagte der Sprecher der Ärzte-Allianz, NAV-Chef Dr. Maximilian Zollner der "Ärzte Zeitung".
Damit ändert sich nach Vorlage des ersten Arbeitsentwurfs zur Gesundheitsreform die Stoßrichtung des Ärzteprotests. Ursprünglich wollten sich die Ärzteverbände gegen die Kassenärztliche Bundesvereinigung positionieren, die sich vom Ideal eines Kostenerstattungssystems verabschiedet hatte. Jetzt spielt das Thema Honorarreform und Kostenerstattung dagegen nur noch eine untergeordnete Rolle.
Quelle: Hanno Kautz. Ärzte Zeitung 1.09.2006

Erstklassiger Sonderzug aus NRW am 22.9. nach Berlin
Nun konnten wir den legendären "Rheingold-Express" reservieren, der überwiegend mit Erste-Klasse-Wagen ausgestattet ist, die für bis zu 200 km/h zugelassen sind.
Der Rheingold-Express wird gegen 6.30 Uhr in Köln losfahren, hält in Düsseldorf, Duisburg, Essen, Bochum, Dortmund, Hamm, Gütersloh und Bielefeld. Die genauen Abfahrtszeiten werden ab 15.9. rechtzeitig hier bekanntgemacht. Eintreffen in Berlin gegen 11.30 Uhr geplant, der Zug wird im neuen Berliner Hauptbahnhof und im Ostbahnhof halten. Das ist früh genug, um rechtzeitig vor dem Beginn der Demo um 13 Uhr noch eine kleine Stärkung zu sich zu nehmen. Im Zug sollen Tickets für den Berliner Nahverkehrsverbund (S-Bahn, U-Bahn, Bus) verkauft werden (2 Euro). Die Rückfahrt soll gegen 17.30 Uhr starten, der Zug spätestens gegen 22.30 Uhr wieder in Köln sein.
http://www.freie-aerzteschaft.de/content/articles/1021/1022/index.html

"Den Ärzten geht es heute dramatisch schlechter"
Nach 30 Jahren Arbeit für die KBV, den Ersatzkassenverband und die Barmer zieht Dr. Eckart Fiedler ein Resümee
"Der Arzt als Hauptverantwortlicher in der Gesundheitsversorgung ist heute wirtschaftlich dramatisch schlechter gestellt als Ende der 70er Jahre." Hinter der Diagnose steht Kompetenz. Sie stammt von einem Mann, der wie kein anderer Karriere in Spitzenorganisationen der Ärzte und der Krankenkassen gemacht hat: Dr. med. Eckart Fiedler.
Dennoch, so Fiedler, sei das KV-System "ein Faustpfand für die Ärzte". Vor allem dann, wenn KBV und KVen die unterschiedlichen Fähigkeiten und besonderen Qualifikationen von niedergelassenen Ärzten nutzen und für sie Notarfunktion wahrnehmen, indem sie neue Versorgungsfelder besetzen. Diese Auffassung trifft sich mit der Strategie von KBV-Chef Köhler.
Quelle: Helmut Laschet. Ärzte Zeitung 01.09.2006

Schmidt attackiert Kassen
Im Streit um die Gesundheitsreform hat Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt Funktionäre, vor allem der Kassenverbände, massiv attackiert.
"Schlimm finde ich an der Debatte, dass die Menschen Angst bekommen", sagte sie dpa. Den Kassenfunktionären warf Schmidt vor, sie nutzten weder die Möglichkeit freierer Vertragsverhandlungen noch bereiteten sie sich auf den geplanten Wettbewerb vor.
Unterstützung bekommt Schmidt vom scheidenden Barmer-Chef Eckart Fiedler: Die 250 Einzelkassen seien für den Wettbewerb und ihre Versorgungsaufgaben nicht gut aufgestellt, so Fiedler zur "Ärzte Zeitung". Fusionen sieht er als unumgänglich an. Den "Brachial-Kurs" der AOK gegen die Reform hält Fiedler für unklug.
Quelle: Ärzte Zeitung 1.09.2006

FDP fordert Neubeginn für die Reform
Der Arbeitsentwurf zur Gesundheitsreform muss nach Auffassung der FDP-Bundestagsfraktion "umgehend eingestampft" werden.
Geschaffen werden müsse stattdessen ein Krankenversicherungssystem, das wettbewerblich organisiert sei, dem Einzelnen größtmögliche Entscheidungsspielräume für seinen Versicherungsschutz ermögliche, die Arbeitskosten nicht belaste und demographische Entwicklung sowie medizinischen Fortschritt in Zukunft noch finanzierbar mache.
Mit dem Entwurf aus dem Gesundheitsministerium habe sich die SPD "schonungslos geoutet", so der gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, Daniel Bahr, ein staatliches Gesundheitswesen schaffen zu wollen.
Die Handschrift der Union sei nicht zu erkennen. Das ganze Werk atme den Geist der Staatsregulierung und führe in die Einheitsmedizin bei sinkender Qualität.
Quelle: Ärzte Zeitung 30.08.2006

Reformstart bleibt der 1. Januar
Trotz des koalitionsinternen Streits um den ersten Arbeitsentwurf zur Gesundheitsreform hält die Bundesregierung am Zeitplan für das Gesetzesvorhaben fest.
"Wir wollen, dass die Gesundheitsreform zum 1. Januar in Kraft tritt", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einer außerordentlichen Kabinettssitzung gestern in Berlin.
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, der zuletzt aus Unionskreisen vorgeworfen wurde, mit nicht abgestimmten Reformplänen den Koalitionsfrieden zu belasten, stärkte Merkel den Rücken. "Die Bundesgesundheitsministerin hat bei der Umsetzung der Eckpunkte meine volle Unterstützung", so die Kanzlerin.
Quelle: Ärzte Zeitung 30.08.2006

Bürger gegen Kassenreform
Mehr als drei Viertel der Bundesbürger lehnen die geplante Gesundheitsreform ab.
In einer Repräsentativumfrage von Forsa für das Magazin "stern" erklärten 78 Prozent der Befragten, dass man die Reform in dieser Form nicht durchführen und die Grundzüge der Reform nochmals neu aushandeln sollte.
Quelle: Ärzte Zeitung 31.08.2006

Gesundheitsreform: Der Wolpertinger
Die Regierungskoalition ist bei dem Versuch gescheitert, zwei letztlich unvereinbare
Konzepte dennoch miteinander zu verschmelzen. Jetzt geht es nur noch um Gesichtswahrung.
Beide Seiten wollen für sich in Anspruch nehmen können, Teile ihres jeweiligen Regierungsprogramms durchgesetzt zu haben. Herausgekommen ist dabei ein gehörntes Kaninchen, ein Wolpertinger.
Dieses anschauliche Bild stammt von dem wissenschaftlichen Leiter des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft in Bonn, Meinhard Miegel. Er will die Zeit bis zur nächsten Reform nutzen, um zu klären, was wir eigentlich wollen. Dazu hat Miegel einige interessante Einsichten parat:

1. Geld, Gesundheit und Lebenserwartung sind lockerer miteinander verbunden als weithin angenommen. So liegen die Gesundheitsausgaben der Japaner, aber auch der Italiener oder Spanier pro Kopf der Bevölkerung bei nur etwa zwei Drittel bis drei Viertel dessen, was in Deutschland ausgegeben wird. Trotzdem erreichen sie bei besserer Gesundheit ein höheres Alter als wir. Umgekehrt wenden die US-Amerikaner annähernd doppelt so viel auf wie die Deutschen und haben dennoch eine geringere Lebenserwartung.

2. Effizienzsteigerungen im Gesundheitswesen sind möglich, aber vermutlich weniger ergiebig als viele meinen. Wie internationale Vergleiche zeigen, ist Ineffizienz kein hervorstechendes Merkmal des deutschen Gesundheitswesens. Vielmehr liegen wir in der Gruppe der Effizientesten. Was uns von anderen unterscheidet ist:

3. Ein Leistungskatalog, der mit den derzeitig verfügbaren Mitteln schlechterdings nicht finanziert werden kann. Medizinischer Fortschritt für alle, keine Wartezeiten, höchstwertige Medikamente, bestmögliche Pflege – und das alles bei einer altersbedingt immer morbideren Bevölkerung. Mit elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ist das nicht zu bezahlen. Und das heißt:

4. Wir müssen uns entscheiden: Wollen wir mehr Geld für den Gesundheitssektor ausgeben, (was, siehe 1. nicht gleichbedeutend ist mit mehr Gesundheit). Dann müssen wir uns mit kleineren Wohnungen bescheiden, beim Auto Abstriche hinnehmen und auf einige Urlaubstage verzichten. Oder wollen wir

5. in möglichst großer Gesundheit alt werden, ohne den Gesundheitssektor immer weiter aufzupumpen. Dann müssen wir uns zu einem anderen Lebensstil durchringen, sprich, den bei vielen zur Gewohnheit gewordenen Raubbau an der Gesundheit unterlassen. Das ist wahrscheinlich die mit Abstand kostendämpfenste Reformmaßnahme. Aber mit Sicherheit auch die schwierigste. Die Politik jedenfalls ist mit ihr überfordert. Das müssen wir Bürger schon selbst tun.
Quelle: Schütze-Brief • Gesundheitspolitischer Info-Dienst, 24. August 2006, Nr. 69/2006, 8-9

Viel zu kurz gesprungen
Das größte Problem ist, dass das Umlagesystem in der GKV beibehalten wird. Es erhöht die Belastung zukünftiger Generationen weiterhin und lässt damit die Frage unbeantwortet, wie Wachstumspotenziale künftig finanziert werden können.
Beim Versicherungsschutz bedarf es mit dem Übergang auf ein Wettbewerbsprinzip keiner staatlichen oder halbstaatlichen Organisationen mehr.
Quelle. Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Oberender. Arzt & Wirtschaft 08/2006, 8

Die Eckpunkte der Reform- Gesundheitsfonds: Die Kassen erhalten ihr Geld künftig aus dem Gesundheitsfonds, in den Arbeitgeber und –nehmer einzahlen. Dazu fließen Steuergelder in den Fonds. Die Kassen erhalten je Versicherten die gleiche Summe aus dem Fonds. Benötigen sie mehr Geld, können sie dazu von den Versicherten Zuschläge erheben.

- Kassenbeiträge: Die Beiträge steigen 2007 um 0,5 Prozent. Dies soll aber nur einmal geschehen, weil die Einsparungen nicht schnell genug wirken.

- Steuerfinanzierung: Die Krankenversicherung der Kinder soll künftig über Steuern bezahlt werden. 2008 sollen dafür zunächst 1,5 Milliarden Euro bereitstehen, 2009 drei Milliarden. Der Anteil soll in den Folgejahren bis auf rund 16 Milliarden Euro steigen. Auch die Kinder von Privatpatienten sind mit diesem Geld versichert.

- Private Krankenversicherung: Sie soll erhalten bleiben, muss aber in Zukunft jeden Versicherten aufnehmen (Kontrahierungszwang). Außerdem sollen Privatversicherte anders als bisher künftig wieder in die gesetzliche Krankenversicherung zurückkehren können.

- Leistungskatalog: Die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sollen nicht eingeschränkt werden. Lediglich Randthemen wie Entzündungen nach Tattoos und Piercing müssen die Versicherten künftig selbst zahlen.

- Honorarreform: Eine Honorierung mit festen Eurowerten soll künftig die Abrechnung nach Punkten ersetzen.

- Strukturmaßnahmen: Die Krankenkassen können künftig Preisverhandlungen mit Arzneiherstellern führen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen übernehmen weiterhin den Sicherstellungsauftrag und sollen stärker Dienstleister für ihre Mitglieder werden. Bei der Honorarverteilung übernimmt die Kassenärztliche Bundesvereinigung Aufgaben der lokalen KVen.
Quelle: Arzt & Wirtschaft 08/2006, 45

Bürger wollen mehr Eigenverantwortung
Die Reform stärkt nicht die Eigenverantwortung der Versicherten. Die Mehrheit der Bürger ist gegen steigende Beiträge. Sie würden lieber einen größeren Teil der Gesundheitsversorgung als Selbstzahler-Leistung übernehmen, weiß A&W-Autor Dr. Arne Hillienhof.
Statt auf Eigenverantwortung setzt die neue Reform auf Rundum-Versorgung. Zwar sollen gesundheitsschädigende Folgen von Piercing, Tätowierung und Schönheits-Operationen nicht mehr zu Lasten der Solidargemeinschaft geschehen, dies ist aber nicht mehr als der bekannte Tropfen auf den heißen Stein.
Die Axt ist an die GOÄ angelegt
Zwar bleibt die private Krankenversicherung vorerst erhalten und mit ihr die Amtliche Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), die auch die Grundlage für die Abrechnung von Selbstzahler-Leistungen ist. Zu Jubel ist aber laut Ärztepräsident Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe kein Anlass, denn "mit der neuen Euro-Gebührenordnung für Kassenleistungen wird dem Vertragsarzt nicht nur eine Leistungsvergütung in festen Preisen in Aussicht gestellt, diese Vertragsgebührenordnung soll offensichtlich auf die Amtliche Gebührenordnung für Ärzte ersetzen", so der Präsident der Bundesärztekammer. Selbst wenn Steigerungssätze innerhalb des privatärztlichen Gebührenrahmens vorerst noch möglich bleiben, so sei damit doch "die Axt an die Amtliche Gebührenordnung für Ärzte gelegt."
Quelle: Arzt & Wirtschaft 08/2006, 51

KBV-Chef Köhler sieht die Tage der Teilradiologen gezählt
Nicht nur mit scharfer Kritik am Arbeitspapier des Gesundheitsministeriums zur Umsetzung der Eckpunkte überraschte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Dr. Andreas Köhler die Ärzte in der Vertreterversammlung der Hauptstadt-KV. Auch die Ankündigung einer Laborreform und der Abschaffung der Teilradiologie sorgte für Staunen.
Die geplante Auflösung der Laborgemeinschaften diene seinen Worten nach der "Entkriminalisierung". Auch die Teilradiologie will der KBV-Chef abschaffen.
Für Unmut bei einigen betroffenen Ärzten sorgte Köhlers Ankündigung, die Teilradiologie abzuschaffen. Ein Urologe wandte ein, dass kein Radiologe in Berlin die Fachleistungen erbringen würde, die er selbst radiologisch vornehme. Auch der teilradiologisch tätige Orthopäde Dr. Helmut Mälzer protestierte.
Quelle: Angela Mißlbeck. Ärzte Zeitung 30.09.2006

Privatversicherer

Reformer eröffnen neue Konfliktfronten
Das Bundesgesundheitsministerium plant den Abbruch der Privatmedizin
Seit Wochen eskaliert der Streit um den geplanten Gesundheitsfonds zwischen gesetzlichen Krankenkassen und Bundesgesundheitsministerium. Das hat jetzt eine bereits befriedet geglaubte Front wieder aufgemacht: die zu den Privatkassen, die verpflichtet werden sollen, alle Kunden in einen Basistarif auf GKV-Standard zu zwingen. Parallel dazu sollen GOÄ und EBM weitgehend homogenisiert werden - und damit eröffnet das BMG die dritte Front: die zu den Ärzten. Ob die Aussicht auf einen Euro-EBM ab 2009 eine hinreichende Kompensation ist, bleibt ungewiss.
Über 470 Seiten stark ist das Arbeitspapier, das als erster in Paragraphen gegossener Entwurf für eine Gesundheitsreform derzeit kursiert.
Ob Kasse oder privat - das soll egal sein
Den ordnungspolitisch wohl massivsten Eingriff wollen die Ministeriumsbeamten im Markt der privaten Krankenversicherung vornehmen. Mit der Aufspaltung auch bestehender Versicherungsverträge in einen Basistarif - er ist vergleichbar mit der GKV-Leistung - und einer Zusatzversicherung sollen PKV und GKV gleichgeordnet werden. Das ist aus Holland abgeguckt, aber mit einem anderen Vorzeichen: im Unterschied zu den Nachbarn steht die Privatisierung der gesetzlichen Kassen nicht auf der Agenda.
Diese Gleichordnung bislang völlig verschiedener Versicherungstypen hätte gravierende Auswirkung auf die Medizin und die Arbeit der Ärzte sowie ihre Finanzierung: den bislang bekannten Privatpatienten würde es nach den BMG-Plänen bald nicht mehr geben.
Quelle: Helmut Laschet. Ärzte Zeitung 25.08.2006

Rechtliches

Sie dürfen Patienten auch ablehnen
Dem Recht des Patienten einen Arzt seiner Wahl in Anspruch zu nehmen, steht das Recht des Arztes gegenüber, in einem freien Vertragsverhältnis die Übernahme der Behandlung des Patienten abzulehnen. Die (Muster-)Berufsordnung regelt dies in Paragraf sieben Absatz zwei: "Der Arzt achtet das Recht seiner Patienten, den Arzt frei zu wählen oder zu wechseln. Andererseits ist – von Notfällen oder besonderen rechtlichen Verpflichtungen abgesehen – auch der Arzt frei, eine Behandlung abzulehnen."
Im Bundesmantelvertrag Ärzte wurde zusätzlich vereinbart: "Der Vertragsarzt darf die Behandlung eines Versicherten nur in begründeten Fällen ablehnen" (§ 13 Abs. 7 BMV-Ä).
Patienten werden häufig abgelehnt, weil die Praxis überlastet ist. Der Arzt ist nicht nur berechtigt, sondern im Hinblick auf seine Sorgfaltspflicht aus dem Behandlungsvertrag mit dem Patienten auch verpflichtet, seine Praxistätigkeit auf ein Maß zu beschränken, das ihm genügend Zeit für eine qualitätsgesicherte Behandlung seiner Patienten ermöglicht.
Nach einer Entscheidung des Bundessozialgerichtes vom 14. März 2001 "kann es keinem Zweifel unterliegen, dass finanzielle Aspekte wie die behauptete unzureichende Honorierung einer Einzelleistung einen Vertragsarzt nicht berechtigen, den Versicherten gesetzlich vorgesehene Leistungen nur außerhalb des Systems der vertragsärztlichen Versorgung zukommen zu lassen oder gänzlich zu verweigern."
Dem Zuschnitt der vertragsärztlichen Vergütung liegt insgesamt eine Mischkalkulation zugrunde (Az.: B 6 KA 54/00 R).
Der niedergelassene Arzt darf für vertragsärztliche Leistungen keine Zuzahlung fordern.
Quelle: Arzt & Wirtschaft 08/2006, 22-23

Aufklärung zu Risiken bei Schönheitsoperationen darf nicht erst am Vorabend erfolgen
Wird ein Patient erst am Vorabend einer Schönheitsoperation über Risiken aufgeklärt, kann dies einen Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadenersatz auch dann begründen, wenn die Operation sachgerecht ausgeführt wurde.
Das entschied das Oberlandesgericht Frankfurt am Main zu Gunsten einer Patientin, die nach Korrektur einer Bauchnarbe eigenen Angaben zufolge unter Sensibilitätsstörungen und Spannungsgefühl litt.
Begründung des Gerichtes: Der Operateur hat die Einwilligung erst am Vorabend eingeholt, als die Patientin bereits unter Beruhigungsmitteln stand. Eine Aufklärung am Vorabend ist jedoch allenfalls bei gewöhnlichen und medizinisch notwendigen Eingriffen mit einer gewissen Dringlichkeit zulässig. Für Schönheitsoperationen gelten besonders strenge Maßstäbe. Die Patienten müssen umfassend und schonungslos über sämtliche Risiken aufgeklärt werden. Die im Rahmen dieser OP aufgetretenen Probleme sind als gravierend einzustufen. Der Klägerin wurden Schmerzensgeld und Schadenersatz zugesprochen. Oberlandesgericht Frankfurt, Az: 8 U 47/04
Quelle: Gynäkologische Praxis

"Nicht erlaubt" ist nicht "verboten"
80 bis 100 Stunden im Jahr darf eine Helferin in der Praxis zu privaten Zwecken durchs Internet surfen – wenn dies der Niedergelassenen nicht eindeutig verboten hat. Das Landesarbeitsgericht Köln entschied: Die private Nutzung sei inzwischen so normal, dass Mitarbeiter davon ausgehen könnten, dass der Chef einverstanden ist. Damit lehnten die Richter die Klage eines Arbeitgebers ab. Der forderte Schadenersatz mit der Begründung, er habe das Surfen nicht ausdrücklich erlaubt. Doch das reichte den Richtern nicht (Az.: 4 Sa 1018/04).
Quelle Arzt & Wirtschaft 08/2006, 13

Praxismanagement

Streikbilanz: Uniklinik Köln erwartet Verlust von 8,5 Millionen Euro
Das Klinikum der Universität zu Köln sieht sich durch die Ärztestreiks auf dem Weg seiner Neustrukturierung um zwei Jahre zurückgeworfen. Das Klinikum geht für das Jahr 2006 von einem Verlust in Höhe von 8,5 Millionen Euro aus.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt Freitag, 1. September 2006

Europa

Medizin bald ohne Grenzen Das Bundeskabinett hat das deutsch-französische Rahmenabkommen über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich verabschiedet.
Für die Bürger in den Grenzregionen von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und des Saarlandes sowie in den französischen Nachbarprovinzen bedeutet dies eine flexiblere Gesundheitsversorgung, vor allem in Notfällen.
So können Rettungsdienste und Feuerwehren grenzüberschreitende Einsätze fahren. Bundestag und Bundesrat müssen dem entsprechenden Gesetz noch zustimmen.
Quelle: Ärzte Zeitung 31.08.2006

Allgemeines

Die meisten Auswanderer seit über 100 Jahren
Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik haben im vergangenen Jahr mehr Deutsche das Land verlassen als hierher zurückkehrten. ,,2004 gingen über 151.000 Deutsche offiziell ins Ausland, 2005 wanderten insgesamt 145.000 Deutsche aus", sagt die wissenschaftliche Direktorin des Deutschen Auswandererhauses Bremerhaven, Simone Eick. Das seien die höchsten Auswanderungszahlen seit über 100 Jahren. Grund ist häufig die hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland. 2005 meldeten sich nur 128.000 Deutsche in der Heimat zurück.
Quelle: Ärzte Zeitung 29.08.2006

Termine

Vierter Protesttag der niedergelassenen Ärzteschaft
Am 22. September 2006 mit zentraler Protestkundgebung
Berlin am Gendarmenmarkt, Beginn 13 Uhr
http://www.protesttag.de

Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Jost Brökelmann, Redakteur BAO-MAO-Aktuell
Bundesverband für Ambulantes Operieren e.V. – BAO
Präsident Dr. med. Jörg-A. Rüggeberg
Vereinsregister VR 6346
Managementgesellschaft Ambulantes Operieren – MAO
Sterntorbrücke 1, D-53111 Bonn
Tel.: 0228-692423, Fax: 0228-631715
E-Mail: baobonn@t-online.de oder maobonn@t-online.de
Internet: http://www.operieren.de oder http://www.mao-bao.de

Chirurgen Magazin + BAO Depesche

Heft 112 | Ausgabe 2 – Mai 2024
Phlebologie: Alles im Fluss? Aktuelle Standards und neue Konzepte zur Therapie von Venenerkrankungen
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OP-Netzwerk

2021 OP-Netzwerk | Ein Service des BAO e. V. Auf OP-Netzwerk finden interessierte Ärztinnen und Ärzte umfangreiche Informationen, hilfreiche Tipps und wichtige Anlaufstellen rund um das Thema "Ambulantes Operieren". !
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Berufsverband der Phlebologen e.V.

Der Berufsverband der Phlebologen und Lymphologen e.V.
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Helmsauer Gruppe

Persönlicher Kontakt, Vertrauen und Stabilität stehen bei uns an erster Stelle, wenn es um die Betreuung unserer Kunden geht...
+ Kompetenz aus jahrzehntelanger Erfahrung + Spezialisierung auf Ihre Bedürfnisse + Mehrwerte über exklusive Rahmenverträge
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Partner PKG

Die Deutsche Praxisklinikgesellschaft (PKG) e.V. ist ein Zusammenschluss von Operationszentren, Tages- und Praxiskliniken und medizinischen Versorgungszentren, in denen ambulante und praxisklinische Operationen durchgeführt werden.
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Partner AND

Das AND e.V. als Zusammenschluss regionaler Anästhesie-Netze und –Genossenschaften vertritt auf Bundesebene Interessen der freiberuflich tätigen und niedergelassenen Anästhesisten.
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Partner DGH

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie
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BVASK

Der Berufsverband für Arthroskopie e. V.
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