26.07.06: BAO-MAO-Aktuell 31/06

Wochennachrichten für Ambulante Operateure und Anästhesisten
von Professor Brökelmann

Gesetzliche Krankenversicherung

Neues Staatsziel: Schutz künftiger Generationen

36 jüngere Bundestagsabgeordnete haben einen Gesetzentwurf vorgelegt, um die Forderung nach Generationengerechtigkeit im Grundgesetz zu verankern. Die Parlamentarier von SPD, FDP, Union und Grünen wollen Artikel 20 des Grundgesetzes um den Passus ergänzen:
"Der Staat hat in seinem Handeln das Prinzip der Nachhaltigkeit zu beachten und die Interessen künftiger Generationen zu schützen", heißt es im Antrag.
So würden beispielsweise bei den Sozialversicherungen häufig die "Lasten heutiger Entscheidungen auf morgen verschoben". Dadurch würden die politischen Gestaltungsspielräume künftiger Generationen immer enger.
Kürzlich hatte erst der Freiburger Ökonom Bernd Raffelhüschen seine Einschätzung bekräftigt, in den Sozialkassen gebe es zu Lasten künftiger Generationen eine Finanzierungslücke von derzeit etwa sieben Billionen Euro. Das sei das Fünffache der Staatsverschuldung.
Diese "Nachhaltigkeitslücke" entstehe dadurch, dass der Staat "Versprechen macht", für deren Einhaltung er aber wegen fehlender Rücklagen nur "eine ungedeckte Hypothek" habe. Raffelhüschen sieht nur die Rentenversicherung auf gutem Weg: Sie sei "kein Sanierungsfall" mehr, sofern die Rente mit 67 wie geplant komme.
Quelle: Ärzte Zeitung 18.07.2006

GKV - wo Wünsche stets erfüllt werden

(...) Eckpunkte für eine Gesundheitsreform 2006: Danach soll der Leistungskatalog der GKV um folgende Leistungen erweitert werden:
Ÿ ambulante und stationäre Rehabilitation für die Geriatrie als Pflichtleistung,
Ÿ Verbesserung der Versorgung und Vergütung der Palliativversorgung,
Ÿ Erweiterung des Haushaltsbegriffs bei häuslicher Krankenpflege (Betreute Wohnformen),
Ÿ Anspruch auf Versorgung mit individuell benötigten Hilfsmitteln für Schwerstbetroffene,
Ÿ Impfungen als Pflichtleistung statt wie bisher als Kann-Leistung,
Ÿ Mutter-Vater-Kuren als Pflichtleistung statt wie bisher als Kann-Leistung (Satzungsleistung).
Insgesamt dürfte die Mehrbelastung der GKV bei hunderten Millionen Euro liegen.
Die Bevölkerung weiß längst, dass wir in der GKV über unsere Verhältnisse leben.
Dies ist die Methode, um bei begrenzten Mitteln die implizite, die verdeckte Rationierung in vielen Leistungsbereichen zu erzwingen.
Quelle: Fritz Beske. Ärzte Zeitung 19.07.2006

Arbeitslose benötigen die meisten Arzneien

Die mit Abstand meisten Medikamente bekommen in einem Branchenvergleich in Deutschland Arbeitslose. Nach einer Statistik der Techniker Krankenkasse (TK) erhielten Arbeitslose im vergangenen Jahr durchschnittlich 187 Tagesdosen.
Der Durchschnitt für die 2,5 Millionen TK-Versicherten liegt bei 152 Tagesdosen. Viele Medikamente benötigten auch die Angestellten in Ordnungs- und Sicherheitsberufen, die im Durchschnitt 165 Einheiten benötigten. Die TK führt den hohen Bedarf auf die in der Branche häufige Schichtarbeit und die damit verbundenen gesundheitlichen Belastungen zurück.
Zum Vergleich: Beschäftigte in Medien- und Geisteswissenschaften kamen mit 132 Tagesdosen aus. Am meisten verordnet wurden Arzneien gegen Herz-Kreislaufbeschwerden.
Quelle: Ärzte Zeitung 19.07.2006

E-Karte darf nicht mehr Aufwand bedeuten!

Die Entwicklung der elektronischen Gesundheitskarte soll stärker an den Bedürfnissen der Anwender orientiert werden. Das haben Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Krankenhausträger gefordert.
Details dazu haben sie in einem zehnseitigen Papier formuliert, das sie Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt überreichten.
Akzeptiert werde die Karte nur, wenn sie weder mehr Verwaltungsaufwand erzeuge noch als Überwachungs- und Kontrollinstrument missbraucht werde. Diese Grundsätze bedeuten übertragen auf die Praxis: Eine elektronische Verordnung darf nicht höheren Aufwand verursachen als das Ausstellen eines Papierrezeptes. Die Überprüfung von Versichertenstammdaten soll mit der E-Karte nicht häufiger erfolgen und darf nicht länger dauern als bisher.
Wichtig für die Anwender ist außerdem der Datenschutzaspekt. Es dürfe keinen zentralen Zugriff auf Patienten- und Arztdaten geben. Patienten müssen entscheiden können, was gespeichert wird. Und Ärzten muss es vorbehalten sein, wie sie die elektronischen Daten berücksichtigen.
Quelle: Ärzte Zeitung 20.07.2006

Marburger Bund weitet Streiks erheblich aus

Nach dem Abbruch der Tarifverhandlungen haben die Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern ihre Streiks erheblich ausgeweitet. Gestern legten nach Angaben des Marburger Bundes (MB) 14.500 Ärzte in 121 Städten die Arbeit nieder. Die Anzahl der bestreikten Kliniken lag damit um ein Drittel höher als in der vergangenen Woche.
Quelle: Ärzte Zeitung 20.07.2006

Klinikärzte streiken in fast 100 deutschen Städten

Sechs Tage nach dem Abbruch der Tarifgespräche haben die Ärzte an kommunalen Kliniken am Montag in zehn Bundesländern ihren Arbeitskampf ausgeweitet.
Nach Angaben des Marburger Bundes traten in der fünften Streikwoche mehrere tausend Mediziner in 98 Städten in den Ausstand. Erstmals seien auch Ärzte in Sachsen beteiligt. Die Mediziner in Schleswig-Holstein hätten den Arbeitskampf nach einer Streikpause wieder aufgenommen.
Quelle: Ärzte Zeitung 25.07.2006

Erste Demo gegen Reform

Verdi stellt sich hinter die Kritik der Krankenkassen
Der Protest gegen die Gesundheitsreform formiert sich. Heute will Verdi gegen die Regierungspläne auf die Straße gehen.
Die Dienstleistungsgewerkschaft warnt vor den Folgen des geplanten Gesundheitsfonds. Dadurch würden Arbeitsplätze gefährdet und das System ins Chaos gestürzt, lautet der Vorwurf.
Quelle: Ärzte Zeitung 26.07.2006

Der neue Streit um die Kostenerstattung

Das Bekenntnis sorgte für einen Aufschrei der Empörung. Als KBV-Chef Dr. Andreas Köhler Ende Juni im Interview mit der "Ärzte Zeitung" sein neues Honorarkonzept verteidigte, beerdigte er damit den Traum vieler Niedergelassenen zur Kostenerstattung. "Es gibt einen gesellschaftlichen Grundkonsens zum Sachleistungsprinzip", so Köhler damals. Seine Kritiker können ihm das nicht verzeihen.
Besonders die freien Ärzteverbände wollen vom Ziel, dass Ärzte auch mit GKV-Patienten direkt abrechnen, nicht abrücken. "Wer vor der Kostenerstattung als Komplettlösung warnt, der stellt sich in einer Kernfrage in diametralen Gegensatz zu dem, was wir Ärzte seit Jahren vehement fordern", sagte Hartmannbund-Chef Dr. Kuno Winn damals. "Verrat" werfen weniger diplomatischere Stimmen dem KBV-Chef vor.
Quelle: Hanno Kautz. Ärzte Zeitung 21.07.2006

Kassen und Politiker streiten weiter um Reform

Im Streit zwischen Bundesregierung und Krankenkassen wird der Ton schärfer. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) erneuerte in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" ihre Warnung vor einer Kampagne der Kassen gegen Eckpunkte der Gesundheitsreform.
Doris Pfeiffer, Vorstandvorsitzende des Verbands der Angestellten-Krankenkassen (VdAK):
Wenn das Ministerium damit argumentiere, dass die Kassen kein allgemeinpolitisches Mandat hätten, sei das richtig, sagte Vorstandschefin Pfeiffer: "Wir wollen nicht zum Kongo-Einsatz der Bundeswehr Stellung nehmen, sondern zur Gesundheitsreform."
Quelle: Ärzte Zeitung 21.07.2006

"Das Sachleistungsprinzip hat sich seit Jahrzehnten überlebt"

Es liegt im Wesen der freien Berufe begründet, dass diese eine staatliche Gebührenordnung haben. Mit der GOÄ gibt es auch eine Gebührenordnung für Ärzte. Die Ärzteschaft ist jedoch die einzige Gruppe innerhalb der freien Berufe, bei der diese Gebührenordnung im Bereich der kassenärztlichen Behandlung nicht zur Anwendung gelangt.
Daher ist die Forderung einer Kostenerstattung in Euro und Cent nicht mehr und nicht weniger als die Umsetzung der Inhalte der Freiberuflichkeit.
Klar ist: Das Sachleistungsprinzip in der GKV hat sich seit Jahrzehnten überlebt. Die niedergelassenen Ärzte erbringen seit Jahren kostenlos Leistungen in Milliardenhöhe für das GKV-System.
Deshalb muss es unser Ziel sein, das Sachleistungsprinzip in der GKV durch ein flächendeckendes Kostenerstattungsprinzip mit sozial verträglicher Selbstbeteiligung abzulösen.
Die Kostenerstattung ist darüber hinaus ein europafähiges Vergütungsmodell. Letztendlich (...) entspricht das Kostenerstattungssystem mit Selbstbeteiligung der freiberuflichen ärztlichen Tätigkeit. Nur so wird der Arzt nicht länger zum Erfüllungsgehilfen der GKV degradiert.
Quelle: Kuno Winn. Ärzte Zeitung 21.07.2006

Gesundheitsreform: Informationskampagne der GKV-Spitzenverbände

„Die Spitzenverbände wollen nach der Sommerpause in einer bundesweiten Informationskampagne Versicherte, Medien und Politiker mit den negativen Auswirkungen der Reform konfrontieren.“
Im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) wird diese geplante Informationskampagne kritisch gesehen. Diese Aktion erfolge auf Kosten der Beitragszahler, sagte der Sprecher von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, Klaus Vater. Er verwies darauf, dass die GKV-Kassen kein allgemeines politisches Mandat hätten. Sollten die GKV-Kassen ihr Informationsrecht zur Stimmungsmache missbrauchen, will das BMG einschreiten. Führende Kassenvertreter der GKV sollen deshalb Anfang August der Gesundheitsministerin über die Ziele ihrer Kampagne berichten, hat die „Ärztezeitung“ erfahren.
Quelle: Schütze-Brief • Gesundheitspolitischer Info-Dienst, 20. Juli 2006, Nr. 59/2006, 5
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Chirurgische Belegärzte: Ausstieg aus dem KV-System geplant

Die Chirurgischen Belegärzte wollen künftig mit den Krankenhausträgern direkt abrechnen und als Konsequenz daraus aus dem System der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) aussteigen.
Bei einem vom Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) organisierten Treffen (18.7.) sprachen sich die Chirurgen, die als Belegärzte tätig sind, dafür aus, ihre stationären Leistungen, wie an Hauptabteilungen eines Krankenhauses üblich, „über das dort verpflichtende DRG-System abzurechnen und nicht länger auf längst überfällige Anpassungen im vertragsärztlichen System der EBM-Abrechnung (Einheitlicher Bewertungsmaßstab) zu warten“.
Für den Vizepräsident des BDC, Dr. Jörg-Andreas Rüggeberg, werden die Belegärzte von der Politik zwar stets als Musterbeispiel für die Überwindung der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung angeführt, gleichzeitig würden sie aber sowohl in ihrer rechtlichen Stellung als auch beim Honorar „im Regen stehen gelassen". Die Klinik unterliege den rechtlichen Bedingungen der stationären Versorgung, die Belegärzte hingegen dem Sicherstellungsauftrag und dem Gesamtbudget der ambulant tätigen Vertragsärzte.
Die Verluste bei belegärztlichen Honoraren, die mit Einführung des EBM 2000plus entstanden seien, würden teilweise mehr als 50 % betragen.
Quelle: Schütze-Brief • Gesundheitspolitischer Info-Dienst, 20. Juli 2006, Nr. 59/2006, 11-12

Ministerium droht Kassen mit Aufsichtsrecht

Der Streit um die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung gewinnt an Schärfe. In einem Schreiben an die Spitzenverbände der Kassen warnt Gesundheitsstaatssekretär Klaus Theo Schröder vor Plänen, die Gesundheitsreform durch eine Informationskampagne verhindern zu wollen, und droht mit nicht näher beschriebenen aufsichtsrechtlichen Maßnahmen.
Die Kassen seien Körperschaften des öffentlichen Rechts und hätten kein politisches Mandat.
Der FDP-Gesundheitspolitiker Daniel Bahr wertete den Brief als Beleg dafür, dass Ministerin Ulla Schmidt „die Kassen zu Befehlsempfängern degradieren will und damit den Weg in ein staatliches Zwangssystem beschreitet".
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung 21. Juli 2006, Nr. 167, 11

Ambulantes Operieren - neuer Vertrag für Berlin

Integrationsprojekt mit 50 niedergelassenen Fachärzten
An dem Vertrag beteiligen sich außer der TK auch GEK, HEK und BKK Gesundheit. Partner auf der Versorgerseite sind eine Reha-Tagesklinik, ein Sanitätshaus und der chirurgisch-orthopädische Verbund Berlin, ein Zusammenschluss niedergelassener Fachärzte. Etwa 25 Indikationen werden angeboten. Oft leiden die Integrationspatienten unter einer Meniskusläsion.
Auch aus Sicht der beteiligten ambulanten Operateure ist der Vertrag ein Gewinn. "Die Finanzierung der Integrationsversorgung bietet uns immerhin in einem Teilbereich die Möglichkeit, gut und wirtschaftlich zu arbeiten", sagte der Chirurg Dr. Steffen Bunge.
Quelle: Ärzte Zeitung 24.07.2006

Privatversicherer

PVS: Mehr Transparenz durch Kostenerstattung

Die fehlende Steuerung in der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen über die Patienten in Form einer direkten Vertragsbeziehung zwischen Patient und Arzt ist nach Ansicht der Privatärztlichen VerrechnungsStelle Rhein-Ruhr/Berlin-Brandenburg (PVS) ein immanenter Fehler bei der Gesundheitsreform.
Nur so könne die Eigenverantwortung des Patienten gestärkt und eine sinnvolle Mittelverwendung gewährleistet werden. Eine für alle Beteiligten durchschaubare Abrechnung der erbrachten Leistungen in Form einer Einzelleistungsvergütung bringe für den Versicherten mehr Freiheit und Eigenverantwortung und mehr Leistung und Transparenz im Gesundheitswesen.
Quelle: Schütze-Brief • Gesundheitspolitischer Info-Dienst, 24. Juli 2006, Nr. 60/2006, 9-11

GKV-Leistung zahlt stets die Krankenkasse

Behandelt ein niedergelassener Arzt Patienten privatärztlich, obwohl die Leistungen von der Krankenkasse übernommen werden, darf der Disziplinarausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung eine Geldbuße verhängen.
Ein Orthopäde hatte bei gesetzlich versicherten Patienten Infusionen zur Behandlung von Rückenschmerzen und weitere Leistungen privat abgerechnet. Die Infusionen waren Teil der vertragsärztlichen Versorgung, lediglich die Zugabe von Vitamin C war nicht erstattungsfähig.
Urteil des Landessozialgerichts NRW, Az.: L 11 KA 114/04
Quelle: Ärzte Zeitung 24.07.2006

Praxismanagement

Der Katalysator des Strukturwandels

Der festgefahrene Tarifkonflikt der Ärzte an kommunalen Kliniken offenbart einmal mehr den Strukturwandel auf dem Krankenhausmarkt: einen fortschreitenden Konzentrations- und Privatisierungsprozess. Einige kommunale Kliniken kommen dabei unter die Räder.
Sie haben schlicht kein Geld mehr, um ihren Ärzten angemessene Gehälter zu zahlen. Und die Kliniken, die sich im Wettbewerb besser aufgestellt haben, versuchen tunlichst, aus der Tarifgemeinschaft auszubrechen und teure Streiks zu vermeiden.
Quelle: Hanno Kautz. Ärzte Zeitung 20.07.2006

Luftnummer im OP oder sinnvolle Erfindung?

Nicht jedes technische Detail, das heute in Kliniken verbaut ist, ist auch notwendig. Ein Beispiel sind die so genannten Zuluftdecken, die in etwa 80 Prozent der Operationssäle in Deutschland eingebaut sind. Sie sollen verhindern, dass der Patient sich während einer Operation mit Keimen aus der Luft infiziert. Fachleute sehen das skeptisch. "Wenn wir neu darüber nachdenken, kommen wir zu dem Ergebnis, dass wir die Decken nicht in jedem Operationssaal brauchen", sagt Professor Henning Rüden.
Teuer in der Anschaffung und gefräßig im Betrieb seien die High-Tech-Klimaanlagen, sagt der Chefhygieniker an der Berliner Charité. In Zeiten, in denen die Politiker die Kliniken in den Wettbewerb zwingen und ihnen den Geldhahn zudrehen, bedeutet das, dass eine solche Technik auf den Prüfstand kommt.
        Erfolg der Technik geht auf einen Irrtum zurück
Die Geschichte dieser Technik begann mit einem Irrtum: 1971 infizierten sich in einer gynäkologischen Abteilung in Hamburg mehrere Frauen mit Gasbrand. Als Verursacher waren alsbald Keime in der Luft ausgemacht. Seither hat die Medizintechnologie Lüftungssysteme entwickelt, die feinste Partikel aus der Luft filtern. Tatsächlich wurden die Infektionen aber von den Operateuren auf die Patientinnen übertragen worden.
Der Freispruch für die Luft ist erster Klasse: "Es gibt keine klinischen oder mikrobiologischen Studien, mit denen die Luft als relevantes Erregerreservoir für endemische postoperative Infektionen ohne Implantation großer Fremdkörper belegt werden könnte", heißt es in den krankenhaushygienischen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene.
Beim Gros der Operationen sind die Patienten aber keinem Risiko ausgesetzt, sich in einem deutschen Operationssaal ohne Zuluftdecke Keime aus der Luft einzufangen. Organe und Muskeln sind so gut durchblutet, dass die Selbstreinigungskraft des Körpers in der Regel ausreicht. Jedenfalls kommen Ärzte zu diesem Schluss.
Quelle: Anno Fricke. Ärzte Zeitung 21.07.2006

Wasser auf die Wundnaht erhöht nicht die Infektionsgefahr

"Bislang gilt für kleinere Wundnähte nach Hautexzisionen die Empfehlung, die Wunde mindestens zwei Tage lang bedeckt und trocken zu halten. Die Infektionsgefahr wird jedoch nicht erhöht, wenn die Naht offen bleibt und schon innerhalb der ersten 48 Stunden mit Wasser in Berührung kommt. Dies ergab eine Vergleichsstudie mit 857 Patienten in australischen Allgemeinpraxen, bei denen kleinere Hautexzisionen vorgenommen worden waren (Heal C et al. BMJ 2006; 332: 1053-6). Die Infektionsrate betrug 8,6 %, unabhängig da­von, ob die Wundnähte geschlossen und trocken gehalten wurden oder ob der Verband innerhalb der ersten zwölf Stunden entfernt und eine Befeuch­tung der Wunde erlaubt wurde.
Quelle: Ambulante Chirurgie, 3/2006,8

Cave: Keime am PC!

Es ist selbstverständlich, dass sich der Doktor die Hände wäscht, bevor er den nächsten Patienten untersucht. Aber dann werden eben mal ein paar Daten in den PC gehackt oder ein Befund aufgerufen und die ganze Wäsche war für die Katz. Denn PC-Tastaturen beherbergen gefährliche Keime, ergab eine Untersuchung von Tastaturen aus US-Kliniken (Infect Control Hosp Epidemiol 2006; 27: 372-7). Bei 100 % der Fälle fanden sich koagulasenegative Staphylokokken, bei 72 % Micrococcus sp., bei 64 % Bacillus sp. Computertastaturen, so das Fazit der Studie, sollten regelmäßig desinfiziert werden. Dafür eignen sich z.B. feuchte Tücher mit 70 % Isopropylalkohol. Die PC-Tastaturen nehmen diese Behandlung nicht krumm - auch das wurde untersucht.
Quelle: Ambulante Chirurgie 3/2006, 10

Praxisnahe Ausbildung für Ärzte - für die Privat-Uni Witten-Herdecke hat dieses Modell weiter Zukunft

Die Kooperation mit niedergelassenen Ärzten spielt auch künftig eine wichtige Rolle in der Medizinerausbildung an der privaten Universität Witten-Herdecke (UWH).
Zwar steht der Ausbau von Forschung und Lehre im Fokus der durch den Wissenschaftsrat erzwungenen Neuausrichtung der UWH (wir berichteten). Vom Konzept der praxisnahen Ausbildung will man dabei aber nicht abweichen. Die UWH kooperiert derzeit mit mehr als 20 Krankenhäusern, 100 Arztpraxen und Rehabilitationseinrichtungen. Die Studierenden sollen dort schon in den ersten Semestern den Umgang mit Patienten kennen lernen.
Quelle: Ilse Schlingensiepen. Ärzte Zeitung 24.07.2006

Medizinische Fachangestellte - starke Partner von Praxischefs
Am 1. August beginnt eine neue Zeitrechnung für Arzthelferinnen und Praxischefs. Nach 20 Jahren gibt es dann eine überarbeitete, praxisnähere Ausbildungsordnung. Arzthelferinnen bekommen auch einen neuen Namen: Sie heißen medizinische Fachangestellte.
Quelle: Ärzte Zeitung 26.07.2006

Europa

Fachärzte in Frankreich treten in Dauerstreik
Etwa 3.000 Chirurgen, 1.700 Anästhesisten und 1.000 Geburtshelfer, die in 700 Privatkliniken tätig sind, haben ab heute die Arbeit niedergelegt. Alle nicht dringenden Operationen wurden bis auf weiteres verschoben, Patienten wurden angewiesen, ins Krankenhaus zu gehen. Besonders betroffen sind schwangere Frauen, deren Entbindung in den kommenden Tagen bevorsteht, die sich nun an ein öffentliches Krankenhaus wenden müssen.
Von den 80.000 bis 90.000 Euro, die ein Geburtshelfer im Jahr (netto, nach Abzug aller Kosten) verdient, muss er bis zu 20.000 Euro für seine Berufshaftpflicht zahlen.
Quelle: Ärzte Zeitung 24.07.2006

Allgemeines

Geburtenzahl sinkt auf neuen Tiefststand

In Deutschland sind im vergangenen Jahr so wenige Kinder wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg auf die Welt gekommen. Das hat das Statistische Bundesamt gestern mitgeteilt.
Demzufolge wurden im vergangenen Jahr nur noch 685.784 Kinder in Deutschland geboren.
Den größten prozentualen Rückgang verbuchten Sachsen-Anhalt (minus 1,0 Prozent) und Thüringen (minus 0,9 Prozent). Im alten Bundesgebiet stagnierte die Bevölkerungszahl, wobei Hamburg, Bayern und Baden-Württemberg leicht zulegten. Auch in Berlin wurden im vergangenen Jahr mehr Einwohner registriert als Ende 2004.
Quelle: Ärzte Zeitung 20.07.2006

Zwei Drittel weniger Schlaganfälle durch gesunden Lebensstil
Bei Frauen mit gesundem Lebensstil kommen zwei Drittel weniger ischämische Schlaganfälle vor als bei solchen, die wenig auf ihre Gesundheit achten.
Für die große Kohortenstudie hat Dr. Tobias Kurth von der Harvard-Universität in Boston im US-Staat Massachusetts bei fast 40.000 Frauen über zehn Jahre Daten erhoben (Arch Intern Med 166, 2006, 1403).
Daraus wurde für den Lebensstil ein Score errechnet. Fünf für die Gesundheit relevante Faktoren wurden dabei berücksichtigt: Rauchen, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität, Körper-Massen-Index (BMI) und die Qualität der Ernährung. Für jeden dieser Parameter wurden null bis vier Punkte vergeben. Bei optimalem Gesundheitsverhalten waren im Score also 20 Punkte zu erreichen.
Quelle: Ärzte Zeitung 18.07.2006


Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Jost Brökelmann, Redakteur BAO-MAO-Aktuell
Bundesverband für Ambulantes Operieren e.V. – BAO
Präsident Dr. med. Jörg-A. Rüggeberg
Vereinsregister VR 6346
Managementgesellschaft Ambulantes Operieren – MAO
Sterntorbrücke 1, D-53111 Bonn
Tel.: 0228-692423, Fax: 0228-631715
E-Mail: baobonn@t-online.de oder maobonn@t-online.de
Internet: http://www.operieren.de oder http://www.mao-bao.de

Chirurgen Magazin + BAO Depesche

Heft 93, Ausgabe 3 – August 2019
Wundbehandlung: Erfolgreiche Therapie chronischer Wunden im interdisziplinären Netzwerk
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Bundeskongress Chirurgie 2020

Bundeskongress Chirurgie vom 07. – 08. Februar 2020 im NürnbergConvention Center. Anmeldung, Programm, Seminare/Kurse
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Persönlicher Kontakt, Vertrauen und Stabilität stehen bei uns an erster Stelle, wenn es um die Betreuung unserer Kunden geht...
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autsch! Wenn Politik weh tut Politik drängt ambulante OP-Praxen ins Abseits.
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Partner PKG

Die Deutsche Praxisklinikgesellschaft (PKG) e.V. ist ein Zusammenschluss von Operationszentren, Tages- und Praxiskliniken und medizinischen Versorgungszentren, in denen ambulante und praxisklinische Operationen durchgeführt werden.
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Partner AND

Das AND e.V. als Zusammenschluss regionaler Anästhesie-Netze und –Genossenschaften vertritt auf Bundesebene Interessen der freiberuflich tätigen und niedergelassenen Anästhesisten.
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BVASK

Der Berufsverband für Arthroskopie e. V.
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