20.09.07: BAO-MAO-Aktuell

BAO-MAO-Aktuell; Nr. 34/07, vom 20. September 2007
Nachrichten für Ambulante Operateure und Anästhesisten

Gesetzliche Krankenversicherung

Ambulante Operateure erhalten in Hamburg 4,87 Cent je Punkt
Die KV Hamburg und die Ersatzkassenverbände können sämtliche noch ausstehenden Vertragsstreitigkeiten zu den Akten legen. Beide Seiten einigten sich ohne Schiedsamt.
Wichtigstes Ergebnis für die Hamburger Ärzte: Für das ambulante Operieren und für belegärztliche Leistungen wurde eine nicht budgetierte Einzelleistungsvergütung von 4,87 Cent je Punkt vereinbart. Der Punktwert gilt auch für alle Begleitleistungen wie etwa Anästhesie oder Nachsorge.
Quelle: Ärzte Zeitung 19.09.2007

"Freiheit statt Angst" - Ärzte demonstrieren gegen die E-Card
Protestaktionam Samstag in Berlin
Nach den Demonstrationen gegen die elektronische Gesundheitskarte beim Deutschen Ärztetag im Mai in Münster gehen Ärzte nun erneut auf die Straße. Sie wenden sich vor allem gegen den "Gläsernen Arzt" und "Gläsernen Patienten".
Ärztliche Organisationen wie Medi, NAV-Virchow-Bund, die Freie Ärzteschaft und der Marburger Bund rufen ihre Mitglieder dazu auf, an der Demonstration "Freiheit statt Angst - stoppt den Überwachungswahn" an diesem Samstag in Berlin teilzunehmen. Die vom "Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung" veranstaltete Kundgebung richtet sich unter anderem gegen die E-Card und Online-Durchsuchungen von Computern.
Treffpunkt für die Demonstranten ist der Pariser Platz (Brandenburger Tor) um 14.30 Uhr. "Wir hoffen, dass sich die Ärzte zu einem geschlossenen weißen Block zusammentun, um ein Zeichen der Ärzteschaft gegen die Vorhaben der Regierung zu setzen", heißt es beim NAV-Virchow-Bund.
Obwohl die E-Card ab April 2008 eingeführt werden soll, ist noch unklar, welche Ausgaben dadurch auf Ärzte zukommen. Anhaltspunkte bieten die Kosten, die Ärzte in den Testregionen zu tragen haben. Derzeit sind All-Inclusive-Pakete für knapp 3.000 Euro auf dem Markt. Zwar wollen die Praxis-EDV-Anbieter ab April in der Regel die Software bei den Updates kostenlos zur Verfügung stellen. Doch wie teuer Konnektoren oder Kartenleser die Ärzte zu stehen kommen, steht noch nicht fest.
Quelle: Ärzte Zeitung 20.09.2007

Geplantes MVZ im Fokus der EU-Kommission
Die EU-Wettbewerbskommission hat ein Prüfverfahren gegen das im südhessischen Reinheim geplante Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) eingeleitet.
Wie der Landesverband Ambulantes Operieren Hessen (LAOH) mitteilt, soll geklärt werden, ob der Landkreis Darmstadt-Dieburg mit dem Projekt gegen europäisches Wettbewerbs- und Subventionsrecht verstößt. Der Verband wendet sich gegen das Vorhaben, weil dabei mit öffentlichen Geldern der Ruin niedergelassener Fachärzte betrieben werde.
Mit dem MVZ werde der Plan verfolgt, "Patienten in ein nicht ausgelastetes Krankenhaus zu schaffen", dessen Träger ebenfalls der Landkreis ist. Zudem sei die Region bei ambulanten chirurgischen Leistungen überversorgt. Der LAOH beabsichtige nicht, die öffentliche Finanzierung oder die öffentlich-rechtliche Trägerschaft in Frage zu stellen, erklärte Verbandschef Dr. Thomas Wiederspahn-Wilz. Die Beschwerde richte sich nur gegen die vom Landkreis geplante Beihilfe für das MVZ.
Quelle: Ärzte Zeitung 20.09.2007

Vertragsärzte sollen für mangelnde Klinik-Auslastung bluten
In Hessen wehren sich niedergelassene Fachärzte gegen Pläne des Landkreises Darmstadt-Dieburg, ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) zu gründen. Es soll, wie es im Beschlussvorschlag des Kreises heißt, dem unter sinkenden Fallzahlen leidenden Krankenhaus in Groß-Umstadt neue Patienten zuführen.
Die Tür für Patienten ist weit geöffnet: Fachärzte in Hessen sind gegen die Finanzierung eines MVZ mit öffentlichen Geldern.
Der Kreis will einen seit Jahren zum Verkauf stehenden Chirurgie-Vertragsarztsitz und einen Anästhesisten-Sitz erwerben. Dafür soll der Eigenbetrieb Kreiskrankenhäuser 360.000 Euro vom Landkreis als Darlehen erhalten. Träger des MVZ soll eine eigenständige GmbH sein. Bis zu deren Gründung soll der Eigenbetrieb Kreiskrankenhäuser den neuen Betriebszweig führen.
In der Beschlussvorlage für den Kreistag heißt es: "Durch die Gründung eines solchen MVZ mit angestellten Ärzten scheint es möglich, Einweisungen in das Krankenhaus Groß-Umstadt zu steuern." Unter der Annahme, dass ein Drittel der Patienten stationäre Behandlung bräuchten, könnte "eine Anzahl von rund 1.200 Fällen gewonnen werden". Der Rückgang der Fallzahlen in Groß-Umstadt wird darauf zurückgeführt, dass viele Fachärzte in der Region die Patienten in andere Kliniken überweisen, in denen sie teilweise selbst als Belegärzte tätig sind.
Nach Auffassung des Landesverbandes Ambulantes Operieren Hessen (LAOH) stellt das Projekt einen Frontalangriff auf die niedergelassenen Fachärzte dar. Der Wert des Chirurgen-Vertragsarztsitzes sei zwar in einem KV-Gutachten mit 240.000 Euro beziffert worden, diese Summe sei aber gar nicht finanzierbar, sagte LAOH-Vorsitzender Dr. Thomas Wiederspahn-Wilz der "Ärzte Zeitung". Deshalb habe auch kein Facharzt den Chirurgen-Sitz erworben. Der Preis für den Anästhesisten-Sitz sei mit 120.000 Euro ebenfalls weit überhöht. "Absurd falsch" sei zudem die Annahme, ein Drittel der ambulanten Patienten bedürften einer stationären Behandlung - erfahrungsgemäß seien es fünf bis zehn Prozent.
Der Verband sieht in dem Vorhaben mehrere Rechtsverstöße: einen Verstoß gegen EU-Wettbewerbsrecht durch illegale Subventionierung eines MVZ mit öffentlichen Geldern, einen Verstoß gegen hessisches Kommunalrecht und einen Verstoß gegen die freie ärztliche Berufsausübung gemäß der Ärztezulassungsverordnung. Die Einrichtung sei nicht zulassungsfähig, wenn der Träger nicht gewährleiste, dass er Steuerungsversuche gegenüber den Ärzten im MVZ unterlasse, sagte der Frankfurter Anwalt Harald Nickel, der die LAOH berät und einen betroffenen niedergelassenen Chirurgen vertritt. Konkret versucht der Verband, das Vorhaben mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde beim Regierungspräsidenten und einer Beschwerde bei der EU-Kommission zu Fall zu bringen.
Nach Angaben des Ersten Kreisbeigeordneten von Darmstadt-Dieburg, Klaus-Peter Schellhaas, hält die KV die Gründung eines MVZ innerhalb eines kommunalen Eigenbetriebs rechtlich für nicht zulässig. Das Bundesgesundheitsministerium habe dieser Einschätzung widersprochen. Die freie Berufsausübung der Ärzte werde durch Regelungen in den Verträgen abgesichert. Eine illegale Quersubventionierung des MVZ durch das Kreiskrankenhaus werde es nicht geben.
Quelle: Monika Peichl. Ärzte Zeitung 13.09.2007

Gegenwind für Fachärzte
Niedergelassene Fachärzte müssen sich - zumindest regional - warm anziehen. Im Wettbewerb mit Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) von Krankenhäusern haben sie keine guten Karten. Wenn Klinikbetreiber ein MVZ möchten, dann können sie es gründen. Anders als Fachärzte müssen sie die Wirtschaftlichkeit ihres Projekts nicht den Banken auf Euro und Cent darlegen, um es finanziert zu bekommen. Ist politische Rückendeckung da, dann wird das Geld locker gemacht, so wie beim MVZ-Vorhaben des Landkreises Darmstadt-Dieburg, gegen das niedergelassene Fachärzte protestieren.
Eine rechtlich tragfähige Konstruktion für die Finanzierung, etwa in Form eines Darlehens aus öffentlichen Kassen für die neue MVZ-GmbH, lässt sich immer finden, damit man dem Vorwurf der unzulässigen Subventionierung entgeht. Die Wettbewerbsverzerrung, die sich aus ungleichen Voraussetzungen ergibt, ist nicht justiziabel.
MVZ haben ihre Berechtigung, und für viele Ärzte ist es attraktiv, ihren Beruf ohne das finanzielle Risiko der Praxisgründung ausüben zu können. Es ist aber ebenso klar, dass MVZ für manche Praxen eine ruinöse Konkurrenz bedeuten, vor allem in fachärztlich gut versorgten Regionen. Doch das ist wohl politisch so gewollt. Wenn nicht, hätte man von Anfang an Institutionen, die auf ganz andere Geldtöpfe zugreifen können als die Niedergelassenen, von der MVZ-Gründung ausschließen müssen.
Quelle: Monika Peichl. Ärzte Zeitung 13.09.2007

Operateure sehen ihre Berufsgruppe akut bedroht
Der Berufsverband Niedergelassener Chirurgen appelliert an KBV und Krankenkassen, für das ambulante Operieren künftig eine angemessene Vergütung zu vereinbaren.
BNC-Präsident Dr. Dieter Haack hält weitere Einschnitte für die ambulanten Operateure für Existenz gefährdend. "Sollten sich die Kassen mit ihren Forderungen durchsetzen, wäre dies desaströs für alle Vertragsärzte, die einen hohen technischen Anteil erbringen. Hierzu zählt insbesondere das ambulante und belegärztliche Operieren", sagte Haack.
Nach seien Angaben können die ambulanten Operateure schon mit den aktuellen Punktwerten "kaum Gewinn bringend arbeiten". Er fürchtet, dass die Kassen weitere Senkungen durchsetzen und die Honorare damit nicht einmal mehr die Kosten decken werden. Die Folge wäre aus seiner Sicht das Aus für ambulante und belegärztliche Operationen, obwohl diese von Patienten stark nachgefragt werden und sie kostengünstiger als vollstationäre Eingriffe sind.
Quelle: Ärzte Zeitung 20.09.2007

NRW-Regierung kontrolliert künftig Kassen direkt
In Nordrhein-Westfalen wird künftig das Landesgesundheitsministerium direkt die Aufsicht über die landesunmittelbaren Krankenkassen wie die AOKen haben.
Grund ist der Beschluss der Landesregierung, das Landesversicherungsamt zum 1. Januar 2008 aufzulösen und seine Aufgaben in das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales einzugliedern.
Damit müssen sich die Kassen, für die bislang das Landesversicherungsamt in Essen zuständig war, beispielsweise neue Tarife vom Ministerium genehmigen lassen.
Quelle: Ärzte Zeitung 4.09.2007

Trotz Pauschalierung - Ärzte müssen Leistung dokumentieren
KBV befürchtet "bürokratischen Super-GAU"
Wenn der neue EBM kommt und Hausärzte ganz überwiegend nur noch Pauschalen abrechnen, könnte viel Bürokratie entfallen. Aber: Jetzt fordern die Kassen Leistungstransparenz und deshalb eine Parallel-Abrechnung nach altem EBM. "Ein bürokratischer Super-GAU", so KBV-Chef Andreas Köhler gestern in Berlin.
War es bislang stets die Sorge der Kassen, dass Ärzte zu viele Leistungen erbringen und abrechnen, so fürchten sie sich nun vor den Pauschalen: dass Ärzte weniger leisten, vor allem aber, dass die Leistung nicht mehr transparent ist. Deshalb wollen die Kassenverbände den bisherigen EBM als Grundlage für die Rechnungslegung durch die Ärzte parallel beibehalten. Ein wesentlicher Teil der EBM-Reform - Entbürokratisierung - wäre perdu.
Allerdings: Es ist künftig in hohem Interesse für die Ärzte, ihre Leistung transparent zu machen - nicht nur, weil das Gesetz dies fordert. In künftigen Honorarverhandlungen werden die Ärzte nämlich nachweisen müssen, wie sich die Morbidität entwickelt und in welchem Ausmaß Leistungen von der Klinik zu Vertragsärzten verlagert werden. Die Mehrleistung soll dann auch zu festen Preisen vergütet werden. "Die Messung von Morbidität und Leistung ist deshalb notwendig", so KBV-Chef Köhler.
Er verweist deshalb auf einen Beschluss der Vertreterversammlung, dass alle Vertragsärzte ab 2009 eine EDV-gestützte Dokumentation haben müssen. Durch einfaches Anklicken von Einzelleistungen könnte deren Transparenz erzielt werden. Aber: Rund ein Fünftel der Ärzte arbeite noch ohne EDV.
Quelle: Ärzte Zeitung 30.08.2007

EBM: HNO-Ärzte lehnen Pauschalvergütung ab
Die Abbildung der fachärztlichen Leistungen in der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ist nach Ansicht des Bundesvorsitzenden des Deutschen Berufsverbandes der HNO-Ärzte, Dr. Michael Jaumann, für eine angemessene Vergütung unabdingbar. Pauschalvergütungen seien dazu ungeeignet.
Angesichts der Tatsache, dass die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) ein eigenes EBM-Konzept vorlegen würden, fühle man sich an der Nase herumgeführt. In dem GKV-Entwurf sollen die Bewertungen nicht nur drastisch reduziert, sondern auch fachärztliche Leistungen sollten in einem nie gekannten Ausmaß pauschaliert werden. Und all dies geschehe vor dem Hintergrund, dass bereits seit Jahren die Bezahlung von rund einem Drittel der fachärztlichen Leistungen verweigert werde.
Quelle: Schütze-Brief • Gesundheitspolitischer Info-Dienst, 13.09.2007, Nr. 70/2007, 6-7

Kammer ist gegen Discount-Op
Mit einer Informationsbroschüre zum Thema "Plastische und Ästhetische Chirurgie in Westfalen-Lippe" will die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) zur Patientensicherheit in diesem Bereich beitragen.
"Schönheitskorrekturen beim Discounter sind gefährlich", sagt ÄKWL-Präsident Dr. Theodor Windhorst. Er warnt zudem vor einem Schönheitstourismus in Billig-Op-Länder. Da nach Einschätzung der ÄKWL die medizinischen Qualitätsstandards in der plastischen und ästhetischen Chirurgie oft weit unterlaufen werden, will die Kammer Patienten eine Orientierungshilfe geben.
Die Broschüre gibt es gratis im Internet: http://www.aekwl.de/, dann "Presse/Aktuelles" und "Informationen und Broschüren" anklicken.
Quelle: Ärzte Zeitung 12.09.2007

Drei Ärzte übernehmen Klinik in Hamburg
Drei niedergelassene Gynäkologen haben zusammen mit einem Kaufmann das Krankenhaus Jerusalem in Hamburg gekauft. Die Ärzte wollen damit die Traditionsklinik sichern und zugleich das ambulante Angebot ausbauen.
Das Mammazentrum Hamburg befindet sich seit elf Jahren in der 94 Jahre alten Klinik, deren Zukunft in den vergangenen Jahren unter Trägerschaft des Diakoniezentrums unsicher war. Mit rund 1.100 Op an der Brust ist das Mammazentrum Hamburg nach eigenen Angaben das zweitgrößte deutsche Brustzentrum.
Mit dem Trägerwechsel verbunden ist eine stärkere Konzentration auf Brustkrebs und Orthopädie. Hinzu kommen die Fachgebiete Kinder-HNO und Proktologie.
Quelle: Ärzte Zeitung 5.09.2007

Zu viele Klinik-Ops im Nordosten?
Patienten in Mecklenburg-Vorpommern werden nach Ansicht der Techniker Krankenkasse (TK) zu oft stationär aufgenommen. Die Krankenhausgesellschaft des Landes (KGMV) weist die Vorwürfe zurück - in keinem anderen Bundesland prüfe der MDK so streng wie im Nordosten.
"Rund acht Prozent aller Operationen im Krankenhaus hätten auch ambulant gemacht werden können", sagte Dr. Volker Möws aus der Schweriner TK-Landesvertretung. Als Beispiele nannte er 3.841 Arthroskopien und 3.286 Patienten mit Leistenbrüchen, die im vergangenen Jahr stationär behandelt wurden.
Und: Mit insgesamt 122.000 Krankenhausoperationen werden im Nordosten durchschnittlich 86 Operationen im Jahr je 10.000 Einwohner vorgenommen - mehr als im Bundesdurchschnitt. Folge: Die Krankenkassen im Lande geben nach eigener Einschätzung zu viel Geld für die stationäre Behandlung aus, etwa 1,1 Milliarden Euro im Jahr.
Quelle: Ärzte Zeitung 6.09.2007

Unzufriedenheit über E-Card in Hamburg wächst
Die Unzufriedenheit in der KV-Vertreterversammlung Hamburg über die elektronische Gesundheitskarte wächst. KV-Chef Dieter Bollmann erneuerte die Forderung nach einer "mindestens kostenneutralen" Umsetzung. Dr. Michael Späth erwartet ein "Riesengeschäft" für die Industrie, für das Ärzte und Patienten "die Zeche zahlen sollen".
Der Vorsitzende der KV-Vertreterversammlung rief die Ärzte dazu auf, ihre Bedenken den Patienten deutlich zu machen, um den Druck auf die Politik zur Wahrung ärztlicher Interessen zu erhöhen.
Außer der ungeklärten Kostenfrage kritisierte die KV-Spitze auch, dass die Ärzte in eine Technik investieren sollen, für die nach ihrer Ansicht kein Nutzen in der Praxis erkennbar ist. So verwies Bollmann auf die laufende Erprobung in den Testregionen, bei der noch keine Zusatzfunktionen im Praxisbetrieb getestet werden.
Quelle: Ärzte Zeitung 18.09.2007

Rechtliches

Punktwert sinkt - KV muss nicht gleich reagieren
Beim Einschreiten gegen einen Punktwertverfall können sich die Kassenärztlichen Vereinigungen mehr Zeit lassen, wenn die betroffenen Leistungen nur einen geringen Anteil des Gesamthonorars einer Arztgruppe ausmachen. Das hat das Bundessozialgericht im Fall der Anästhesisten in Niedersachsen entschieden.
(...) der Schwerpunkt der Anästhesisten liege beim ambulanten Operieren; der Punktwertverfall habe daher im konkreten Fall lediglich 20 Prozent der Gesamtleistungen betroffen. Zudem sei durch den Mindestpunktwert das Honorarkontingent der Anästhesisten faktisch angehoben worden, urteilten die Kasseler Richter.
Urteil des Bundessozialgerichts, Az: B 6 KA 43 R
Quelle: Ärzte Zeitung 13.09.2007

Beweislastumkehr bei Hygienemängeln bestätigt
Spritzenabszess kann ein "voll beherrschbares Risiko" sein
Der BGH hat das Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Koblenz vom 22. Juli 2006 (5 U1 711/05), mit dem die beklagten Ärzte einer orthopädischen Gemeinschaftspraxis zum Ersatz materieller wie immaterieller Schäden wegen eines bei der klagenden Patientin nach Injektion in den Nackenbereich entstandenen Spritzenabszesses verurteilt worden waren, im Ergebnis bestätigt - jedoch mit anderer rechtlicher Begründung (BGH vom 20.3.2007 (VersR 2007, 847).
Das OLG hatte - wie berichtet - die Beweislast für die Unvermeidbarkeit eines Spritzenabszesses den Ärzten auferlegt, weil ihnen ein nachweislich unzulängliches Hygienemanagement im Sinne einer Fahrlässigkeit zuzurechnen sei. In einem solchen Falle komme es, so das OLG, nicht darauf an, ob die Hygienemängel die Schädigung tatsächlich ausgelöst oder begünstigt haben; vielmehr reiche aus, dass dies nicht ausgeschlossen sei.
Demgegenüber hat der BGH - in Anknüpfung an sein zu einer ähnlich gelagerten Frage ergangenes Urteil vom 8.1.1991 (VersR 1991, 467) - seine Entscheidung, der Behandlungsseite die Beweislast dafür aufzuerlegen, dass der Spritzenabszess auch bei Fehlen der Hygienemängel eingetreten wäre, auf die zur Haftung für so genannte voll beherrschbare Risiken entwickelten Grundsätze gestützt.
Zur Begründung wird in dem Urteil ausgeführt, es stehe im Streitfall fest, dass die Schädigung der Patientin nicht aus Risiken der Unberechenbarkeit des menschlichen Organismus herrührt, die von ihr zu tragen wären. Die Schädigung beruhe auch nicht auf Risiken aus dem Kernbereich ärztlichen Handelns, in dem grundsätzlich der Patient die Darlegungs- und Beweislast für von ihm behauptete Behandlungsfehler und hierauf beruhende Gesundheitsschäden trage.
Das Risiko der Entstehung eines Spritzenabszesses stamme im vorliegenden Falle vielmehr aus einem Bereich, dessen Gefahren ärztlicherseits voll ausgeschlossen werden könnten und müssten.
Erkennbare Gefahr
In dem Streitfall hatte an der Injektion eine Arzthelferin mitgewirkt, die im Zeitpunkt der Behandlung aufgrund einer akuten Heuschnupfenerkrankung mit dem Bakterium Staphylokokkus aureus infiziert war. Auch der bei der Patientin eingetretene Spritzenabszess beruhte auf einer Infektion mit diesem Hautkeim.
Es sei davon auszugehen, dass die Erkrankung der Arzthelferin von den beklagten Ärzten nicht unbemerkt geblieben, mithin die aus der Arztpraxis stammende objektiv gegebene Gefahr für die Behandlungsseite erkennbar gewesen sei.
Das Urteil dürfte für die Organisation des ärztlichen wie des nichtärztlichen Dienstes erhebliche praktische Folgen haben. Es fordert letztlich von den Verantwortlichen, Personal in Kliniken und Arztpraxen bei erkennbaren akuten Infekterkrankungen, die eine Gefahr für die Ansteckung von Patienten mit sich bringen, von Behandlungs- oder Assistenzmaßnahmen, bei denen eine Keimübertragung möglich ist, konsequent auszuschließen. Nur so kann nämlich eine Haftung nach den Grundsätzen des voll beherrschbaren Risikos für durch Infektion hervorgerufene Gesundheitsschäden des Patienten zuverlässig vermieden werden.
Quelle: Ulrich Smentkowski, Rheinisches Ärzteblatt 9/2007,14

Praxismanagement

Maßnahmen für mehr Patientensicherheit in der Chirurgie
Eine bundesweite Informationskampagne zur Vermeidung von Seiten- und Eingriffsverwechslungen bei operativen Eingriffen gestartet hat das vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Aktionsbündnis Patientensicherheit. Dazu hat es eine Handlungsempfehlung für Operationsteams, ein OP-Plakat sowie weitere Informationsmaterialien für Ärzte und Patienten erarbeitet.
"Eingriffs- und Seitenverwechslungen sind ein ernst zu nehmendes Problem jedes Gesundheitssystems", sagte Staatssekretär Klaus Theo Schröder. Dies sei auch der Grund dafür, warum das Bundesgesundheitsministerium die Anstrengungen des 2005 gegründeten Aktionsbündnisses Patientensicherheit mit 400.000 Euro über drei Jahre unterstütze.
Pro Jahr finden in Deutschland über 12,6 Millionen Operationen statt. In 100 bis 200 Fällen kommt es dabei nach Angaben des Aktionsbündnisses zu einer Rechts-Links-Verwechslung oder zu einer Vertauschung der notwendigen Eingriffe.
Quelle: Newsletter Deutsches Aerzteblatt 18. September 2007

Jeder zweite Klinikarzt will seinen Job an den Nagel hängen
Jeder zweite Klinikarzt denkt angesichts überlanger Arbeitszeiten, unbezahlter Überstunden und zeitraubender Verwaltungstätigkeiten daran, seinen Klinikjob an den Nagel zu hängen. Das geht jetzt aus einer Umfrage des Marburger Bundes (MB) hervor.
Quelle: Ärzte Zeitung 19.09.2007

Europa

"Ärzte in Polen - ohne Rechte, ohne Einfluss"
Nach Berichten der polnischen Ärztekammer will jeder dritte junge Arzt unter 35 Jahren auswandern - insgesamt sind es über 10.000 Mediziner.
Vor "erschreckende Parallelen" zwischen dem deutschen und dem polnischen Gesundheitssystem hat der Orthopäde Winfried von Loga gewarnt.
"Der Arzt in Polen hat keine Rechte, er hat keinen Einfluss weder auf die Höhe der Vergütung noch auf die Erstellung des Leistungskataloges, den er zu erfüllen hat", berichtete von Loga aus einem Gespräch mit seinem polnischen Kollegen Dr. Mirek K., der als Gynäkologe in der Nähe von Stettin arbeitet.
Viele polnischen Ärzte seien aufgrund von engen Klinikbudgets gezwungen, bei niedrigen Löhnen bis zu 100 Stunden in der Woche für ihre Patienten da zu sein. Bei rund 1.550 Zloty (etwa 450 Euro) liegt derzeit der durchschnittliche Lohn eines angestellten Klinikarztes in Polen. Von 1.500 Zloty kann jedoch auch in Polen kaum eine allein stehende Person, geschweige denn eine drei- oder vierköpfige Familie leben. Die schlecht bezahlten Überstunden seien bei den meisten Krankenhausbeschäftigten verhasst.
Quelle: Marion Lisson. Ärzte Zeitung 29.09.2007

EU: Vertrauen der Deutschen in ihr Gesundheitssystem sinkt
Das Vertrauen der Bürger in ihr nationales Gesundheitssystem hat zwischen 1996 und 2002 in fast allen alten EU-Ländern deutlich abgenommen, in Deutschland sogar überdurchschnittlich.
Das geht aus einer Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Sozialforschung hervor, die kürzlich in der Monatszeitschrift des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung veröffentlicht wurde.
Datenbasis für Projektleiter Dr. Claus Wendt war der Eurobarometer Survey, eine repräsentative Bevölkerungsumfrage von jeweils etwa 1.000 Bürgern pro Land.
Ursächlich für den Vertrauensschwund ist nach Ansicht Wendts, dass die Bürger eine umfassende Verantwortung des Staates in der Gesundheitsversorgung fordern, durch Gesundheitsreformen in vielen Ländern aber eher die Eigenverantwortung betont wurde.
Quelle: Ärzte Zeitung 14.09.2007

Hohe britische Arztgehälter führen zu Entlassungen
Im staatlichen britischen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) sind in den vergangenen zwei Jahren mehr als 22.000Ärzte, Krankenschwestern sowie andere Beschäftigte entlassen worden.
Das Problem für viele staatliche Kliniken und Gesundheitsverwaltungen ist die Tatsache, dass die Regierung in den vergangenen Jahren die ärztlichen Honorare sowie die Bezahlung anderer NHS-Beschäftigter deutlich erhöht hat. Ex-Premierminister Tony Blair machte sich zum persönlichen Fürsprecher der ärztlichen Interessen.
Derartig positive Äußerungen freuten zwar zunächst die ärztlichen Berufsverbände. Als sich allerdings heraus stellte, dass ein Großteil des für bessere Bezahlung ausgegebenen Geldes in anderen Bereichen des Gesundheitswesens wieder eingespart werden muss, um die Etats auszugleichen, reagierten viele Ärzte enttäuscht.
Quelle: Ärzte Zeitung 6.09.2007

Klinikinfektionen: Briten schaffen traditionellen Arztkittel ab
Britische Patienten werden in Zukunft in der Klinik keine weißen Arztkittel mehr zu sehen bekommen. Zumindest im Bereich der Krankenversorgung soll die traditionelle Berufskleidung verschwinden. Dies sehen die neuen Hygienemaßnahmen zur Vermeidung von Klinikinfektionen vor, die das Gesundheitsministerium beschlossen hat und Anfang nächsten Jahres in Kraft treten sollen.
Das Gesundheitsministerium veröffentlichte jetzt ein Dokument, wonach Ärzte in Zukunft auch auf langärmelige Hemden, Armbanduhren und Schmuck verzichten sollen. Die weiten Ärmel des Arztkittels würden schnell mit Bakterien kontaminiert, heißt es dort, und könnten dann auf den Patienten übertragen werden. Lange Ärmel würden auch das Waschen der Hände behindern.
Die Ärzte werden aufgefordert, ihre Berufsuniform nur am Arbeitsplatz zu tragen oder diese auf dem Weg zur Arbeit vollständig zu bedecken, was weniger dem Infektionsschutz dient als eine Maßnahme zur Verbesserung des Ansehens in der Öffentlichkeit betrachtet wird. Zum adretten Aussehen des Personals gehören nach Ansicht des Gesundheitsministeriums auch das Zusammenbinden der Haare sowie kurz geschnittene Fingernägel.
Quelle: Newsletter aerzteblatt.de Montag, 17. September 2007

Allgemeines

WHO warnt vor Krankheiten durch falschen Lebensstil
Bis zum Jahr 2015 könnte sich die Zahl der Menschen, die jährlich an den Folgen eines falschen Lebensstils sterben, mehr als verdoppeln. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitag mitteilte, kommen jedes Jahr 17 Millionen Menschen weltweit durch meist vermeidbare chronische Krankheiten ums Leben, die vor allem auf ungesunde Ernährung, mangelnde körperliche Betätigung und Tabakkonsum zurückzuführen sind.
Krankheiten wie Herz- und Gefäßleiden, Krebs, chronische Atemwegserkrankungen, Diabetes und Übergewicht sind nach Angaben der WHO die häufigsten Todesursachen weltweit.
Quelle: aerzteblatt.de Newsletter vom 14. September 2007

Prof. Dr. Jost Brökelmann, Redakteur BAO-MAO-Aktuell
Bundesverband für Ambulantes Operieren e.V. – BAO
Präsident Dr. med. Jörg-A. Rüggeberg
Vereinsregister VR 6346
Managementgesellschaft Ambulantes Operieren – MAO
Sterntorbrücke 1, D-53111 Bonn
Tel.: 0228-692423, Fax: 0228-631715
E-Mail: baobonn@t-online.de oder maobonn@t-online.de
Internet: http://www.operieren.de oder http://www.mao-bao.de

Chirurgen Magazin + BAO Depesche

Heft 104 | Ausgabe 2 – Mai 2022
Dermatochirurgie: Deutlich facettenreicher als nur ‚Muttermale spindeln‘…
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Partner PKG

Die Deutsche Praxisklinikgesellschaft (PKG) e.V. ist ein Zusammenschluss von Operationszentren, Tages- und Praxiskliniken und medizinischen Versorgungszentren, in denen ambulante und praxisklinische Operationen durchgeführt werden.
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Das AND e.V. als Zusammenschluss regionaler Anästhesie-Netze und –Genossenschaften vertritt auf Bundesebene Interessen der freiberuflich tätigen und niedergelassenen Anästhesisten.
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Partner DGH

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie
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BVASK

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