Analabszess und Analfistel

Wichtiger Hinweis:
Die Beschreibung der Eingriffe wurde mit größter Sorgfalt zusammengestellt. Es kann sich jedoch nur um einen Überblick handeln, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Zur weitergehenden Information dienen die Webseiten der Leistungserbringer und das persönliche Arzt-Gespräch bzw. die OP – Aufklärung in der jeweiligen operierenden Einrichtung.
Die Verantwortlichen für die Inhalte dieser Website übernehmen keine Gewährleistung für die Vollständigkeit und Korrektheit der Angaben, da ständige Veränderungen, Weiterentwicklungen und Konkretisierungen infolge wissenschaftlicher Forschung oder Anpassung der Leitlinien durch die medizinischen Fachgesellschaften erfolgen.

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Allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber und Schmerzen im Bereich von Mastdarm und After können auf einen Analabszess oder eine Analfistel hindeuten.
Ausgangspunkt des Analabszesses ist meist eine Entzündung der sogenannten Proktodealdrüsen. Diese kleinen „Duftdrüsen“ sind bei Säugetieren weit verbreitet. Beim Menschen findet man sie als Relikt vergangener Zeiten nur noch in sehr geringer Zahl. Sie liegen zwischen dem inneren und äußeren Anteil des Schließmuskels und haben einen Ausführungsgang in den inneren Endarm (After).
Wird durch die entzündliche Schwellung der Ausführungsgang der Drüse verstopft, kann es zu einer Eiteransammlung (Abszess) in der Drüse kommen. Wird der Druck durch den Eiter zu groß, sucht sich der Eiter einen Weg zwischen den verschiedenen Schließmuskelanteilen nach außen. Dabei kann ein schmaler röhrenförmiger Gang (Fistel) entstehen, der eine Verbindung zwischen der Drüse und der äußeren Haut des Afters darstellt. Durch den künstlichen Gang treten Eiter und Sekrete der Proktodealdrüsen aus. Die Fistelöffnung kann aber auch verborgen im Inneren des Afters liegen.
Als Patient empfindet man Anafisteln als hartnäckig schmerzhaften „Pickel“, der sich in der Analregion bemerkbar macht, der wiederholt anschwillt und Eiter absondert.
Im akuten Stadium des Analabszesses kann zusätzlich zu den Schmerzen Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl auftreten. Ist die akute Entzündung nach Entleerung des Eiters über die Fistel abgeklungen, wird unter Umständen nur noch Sekret abgesondert. In diesem Stadium können Juckreiz und Hautirritationen im Bereich des Afters im Vordergrund stehen.
Da sich eine Fistel praktisch nie von selbst wieder verschließt und immer die Gefahr der Ausdehnung der Entzündung besteht, kann nur ein operativer Eingriff helfen. In vielen Fällen kann dieser Eingriff auch ambulant erfolgen.

Was geschieht bei diesem Eingriff?

Die Abszesshöhle wird mit dem Skalpell gespalten und der Eiter über eine großzügige Öffnung abgelassen. Anschließend sucht der Operateur nach möglichen Verbindungen der Eiterhöhle zum After. Lassen sich solche Fisteln nachweisen, wird meist zuerst ein Faden durch diesen künstlichen Kanal gezogen. Durch diese „Fadendrainage“ wird dafür gesorgt, dass bis zum Abklingen der akuten eitrigen Entzündung eine Verbindung nach außen zum Ablaufen des Sekrets aufrechterhalten wird. Eine erneute Abszessbildung wird auf diese Weise verhindert.
Nach einigen Wochen wird in einem zweiten Eingriff die Fistel entfernt. Bei oberflächlichem Verlauf der Fistel wird diese einfach mit dem Skalpell gespalten, d.h. aus der Röhre wird eine Rinne gemacht. Die Wunde wird ohne Naht offen gelassen und heilt dann im weiteren Verlauf von innen nach außen zu. Die dabei entstehende oberflächliche Verletzung von Schließmuskelanteilen führt in der Regel nicht zu einer Beeinträchtigung der Schließmuskelfunktion.
Bei sehr tiefen und ausgeprägten Fisteln oder auch bei schon vorgeschädigtem Schließmuskel kann auch ein größerer Eingriff notwendig sein, der dann in der Regel nicht mehr ambulant vorgenommen wird. Hierbei wird der den Schließmuskel durchtrennende Gang unter Schonung der Muskulatur zusammen mit den Proktodealdrüsen herausgeschält. Der Wundkanal wird anschließend vernäht und unter Umständen zusätzlich mit einem Schleimhautverschiebelappen abgedichtet. Die sich neben dem After befindende Hautwunde wird dann zu Drainage offen gelassen.

Wann rät Ihnen der Arzt zu diesem Eingriff?

Da immer die Gefahr der Ausdehnung der eitrigen Entzündung besteht, sollten Analabszess und Analfistel baldmöglichst operiert werden. Dies gilt auch, wenn die Beschwerden möglicherweise gar nicht so ausgeprägt sind oder sich spontan gebessert haben. Andere Therapien wie Antibiotika, Sitzbäder, Zugsalben oder Hämorrhoidalsalben sind bei Analabszessen und –fisteln nicht Erfolg versprechend und die Erkrankung wird dadurch möglicherweise sogar verschleppt.

Welche Betäubungsmethode wird in der Regel angewandt?

In der Regel wird der Eingriff in einer kurzen Vollnarkose (Verweis Vollnarkose) oder rückenmarksnaher Betäubung (Verweis Spinalanästhesie) durchgeführt.

Wie lange dauert der Eingriff durchschnittlich?

Die Dauer des Eingriffs hängt von der Ausdehnung und Lage der Fisteln und der Art des Eingriffs ab.

Wer ist eventuell nicht für diesen Eingriff geeignet?

Bei manchen Patienten liegt den Analfisteln ein anderes Grundleiden zugrunde. Dies kann z.B. ein Morbus Crohn sein, der zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) gehört. In diesen Fällen kann die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund stehen.
Bei schweren Grunderkrankungen, wie z.B. ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus, muss der Eingriff möglicherweise verschoben werden, bis eine Besserung der Stoffwechselverhältnisse erreicht wird.

Wie ist das Risiko einzuschätzen?

Die operative Versorgung von Analabszessen ist in der Hand des erfahrenen Operateurs in der Regel ein risikoarmer Eingriff. Trotzdem lassen sich wie bei jedem operativen Eingriff Komplikationen nicht hundertprozentig ausschließen. Über die Art und Häufigkeit der Komplikationen wie Blutungen oder Wundinfektionen wird Ihr Arzt Sie vor dem Eingriff umfassend aufklären.
Eine Schließmuskelschwäche nach dem Eingriff tritt in sehr seltenen Fällen und meist nur vorübergehend auf. Hierbei muss immer bedacht werden, dass auch die chronische Entzündung im Bereich des Schließmuskels über kurz oder lang zu einer Schädigung in diesem Bereich führen würde.

Was müssen Sie vor dem Eingriff beachten?

Nehmen Sie wegen anderer Erkrankungen regelmäßig Medikamente, sollten Sie den Arzt rechtzeitig vorher darüber informieren, da einige Medikamente wie z.B. blutverdünnende Substanzen eventuell einige Tage vor dem Eingriff abgesetzt werden sollten.
Wird der Eingriff in Vollnarkose durchgeführt, sollten Sie am Tag des Eingriffes 6 Stunden vor der Anästhesie nichts mehr essen und keine trüben Flüssigkeiten mehr trinken! 2 Stunden vor der Anästhesie sollten auch keine klaren Flüssigkeiten mehr getrunken werden. (Ausnahme: Vorbereitungstablette(n) mit etwas Wasser) Am Anästhesietag soll nicht mehr geraucht werden. Wenn Sie morgens Medikamente einnehmen, besprechen Sie bitte mit Ihren Anästhesisten, welche Medikamente Sie vor der Anästhesie noch einnehmen können.

Was geschieht nach dem Eingriff und was ist zu beachten?

Auch bei der ambulanten Operation bleiben Sie nach dem Eingriff noch für einige Stunden unter Beobachtung – so lange bis Sie sich fit für den Heimweg fühlen. Die Narkose wird relativ schnell nachlassen, so dass sie bald wieder ansprechbar sind. Bis Sie wieder völlig klar im Kopf sind, kann es aber noch etwas länger dauern. Sie dürfen daher am Tag des Eingriffs nicht selbst Auto fahren und sollten sich auch nicht alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg machen. Lassen Sie sich von Angehörigen oder Freunden abholen oder nehmen Sie ein Taxi nach Hause. Noch mehrere Stunden nach dem Eingriff können sie erschöpft und schläfrig sein. Legen Sie sich also ruhig ins Bett und ruhen sich aus. Einige Schritte sollten Sie aber noch am Operationstag laufen, um den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen.
Nach einer Vollnarkose muss in den ersten 24 Stunden immer eine Betreuungsperson anwesend sein.
Treten nach der Operation Schmerzen auf, können Sie ruhig ein Schmerzmittel einnehmen, das der Arzt Ihnen in der Regel mitgeben wird.

Eine Besonderheit bei der operativen Versorgung von Analfisteln ist, dass die Wunde offen bleibt. Zur Nachbehandlung gehören daher auch tägliche Sitzbäder und eine gründliche Reinigung mit einem warmen Wasserstrahl nach jedem Stuhlgang. Um in der ersten Zeit für einen möglichst weichen Stuhl zu sorgen, sollte Ihre Ernährung besonders ballaststoffreich sein. Abführmittel sind nach dem Eingriff nicht geeignet und sollten schon gar nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Das Sitzen kann in der ersten Zeit etwas unangenehm sein. Ein lasch aufgeblasener Kinderschwimmreifen kann hier Linderung bringen.

In der ersten Zeit nach dem Eingriff kann der Schließmuskel noch etwas schwach sein, so dass es möglicherweise zu Stuhlschmieren kommt. Um die Wäsche zu schonen, empfiehlt sich in dieser Zeit das Tragen von entsprechenden Slipeinlagen oder Vorlagen.

Wann findet in der Regel der nächste Arzttermin statt?

Noch am Tag des Eingriffs wird Ihr Arzt Ihnen mitteilen, wann Sie zur nächsten Kontrolluntersuchung wiederkommen sollen. In Ihrem eigenen Interesse sollten Sie diesen Termin unbedingt einhalten.
Bekommen Sie zu Hause stärkere Blutungen, Fieber oder starke Schmerzen, sollten Sie umgehend mit dem Arzt Kontakt aufnehmen. Auch wenn Sie unsicher sind und noch Fragen zum normalen Heilungsverlauf haben, wird Ihnen in der Praxis niemand böse sein, wenn Sie sich telefonisch Rat holen.

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