Bandnähte an großen und kleinen Gelenken

Wichtiger Hinweis:
Die Beschreibung der Eingriffe wurde mit größter Sorgfalt zusammengestellt. Es kann sich jedoch nur um einen Überblick handeln, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Zur weitergehenden Information dienen die Webseiten der Leistungserbringer und das persönliche Arzt-Gespräch bzw. die OP – Aufklärung in der jeweiligen operierenden Einrichtung.
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Die Stabilität unserer Gelenke wird durch straffe Bänder gesichert, die verhindern, dass das Gelenk zur einen oder anderen Seite „wegklappt“. Wird die normale Bewegungsgrenze eines Gelenkes durch plötzliche Dreh- oder Dehnungsbelastungen – z.B. durch seitliches Umknicken des Fußes – überschritten, kann es zu einem Riss der Bänder kommen. Am häufigsten sind das obere Sprunggelenk, das Kniegelenk und das Daumengelenk (sogenannter „Skidaumen“) von Bandverletzungen betroffen. Werden Bandverletzungen nicht rechtzeitig adäquat behandelt, kann es in der Folge zu einer Schädigung des Gelenkes kommen, da die Gelenkflächen unter Umständen nicht mehr genau aufeinander passen. In vielen Fällen reicht eine längere Ruhigstellung aus, um dem Band Zeit für die Heilung zu lassen, manchmal muss aber auch operiert werden. Häufig können solche Operationen heute mittels einer Gelenkspiegelung (arthroskopisch) und in vielen Fällen ambulant erfolgen.

Was geschieht bei diesem Eingriff?

Der Bänderriss beim sogenannten „Skidaumen“ entsteht bei einem Sturz auf den abgespreizten Daumen oder besonders häufig durch das Hängenbleiben des Daumens in der Schlaufe des Skistockes beim Sturz. Im Bereich des verletzten Bandes wird ein circa 4-5 cm langer, leicht geschwungener Schnitt angelegt. Das zerrissene Band wird freigelegt und falls möglich die Enden mit direkter Naht wieder zusammengenäht. Häufig ist das Band jedoch am Knochen ausgerissen, so dass eine spezielle Drahtnaht oder ein Verankerungssystem verwendet werden muß. Die Drahtnaht wird nach circa sechs Wochen wieder entfernt, der Anker kann im Knochen verbleiben. Ist ein Knochenstück mit ausgerissen, muss es eventuell mit einer kleinen Schraube oder einem Drahtstift wieder befestigt werden.

Das Sprunggelenk wird am Außenknöchel durch drei Bänder stabilisiert, die das seitliche Verdrehen des Fußes verhindern. Beim Umknicken des Fußes können diese Bandstrukturen zerreißen. In den meisten Fällen wird heute bei Bandverletzungen im Sprunggelenk nicht operiert, sondern der Fuß nur ruhiggestellt. Eine Ausnahme stellt z.B. ein Riss der sogenannten Syndesmose dar, eine bandartige Struktur, die das Wadenbein mit dem Schienbein verbindet. Hier wird das Band nach einem Hautschnitt freigelegt und vernäht. Zusätzlich wird eine Stellschraube zwischen Waden- und Schienbein angebracht, die dafür sorgt, dass Waden- und Schienbein bis zur vollständigen Abheilung in der richtigen Stellung zueinander verbleiben. In seltenen Fällt und bei chronischer Instabilität im Fußgelenk empfiehlt sich auch bei Außenbandrupturen eine operative Versorgung. Diese kann in Form einer direkten Bandnaht mit anschließender Ruhigstellung erfolgen. In manchen Fällen ist auch eine sogenannte Bandplastik erforderlich, bei der das gerissene Band durch entbehrliche aus der Fuß- oder Unterschenkelregion entnommene Sehnen ersetzt wird.

Am Kniegelenk befinden sich das innere und äußere Seitenband, die verhindern, dass sich das Kniegelenk seitlich zu weit aufklappen lässt. In der Mitte des Kniegelenks verhindern zusätzlich zwei gekreuzte Bänder (vorderes und hinteres Kreuzband), dass sich das Kniegelenk nach vorne oder hinten verschiebt. Isolierte Seitenbandrisse werden meist nicht operiert, sondern durch Ruhigstellung und anschließende Krankengymnastik behandelt. Bei ausgeprägten komplizierten Verletzungen des Kniegelenks erfolgt manchmal auch eine direkte Bandnaht.
Etwas komplizierter ist die Situation bei einem Kreuzbandriss, wobei meistens das vordere Kreuzband betroffen ist. Zuerst wird hier eine Gelenkspiegelung vorgenommen, der Bluterguss abgesaugt und teilweise die Reste des gerissenen Kreuzbandes entfernt. Der Versuch das gerissene Kreuzband sofort zu nähen, hat sich als nicht sehr erfolgreich erwiesen. Daher wartet man heute mit der eigentlichen Operation – der sogenannten Kreuzbandplastik – 6-8 Wochen ab, bis die akute Schwellung abgeklungen ist. In dieser Zeit sollte der Patient unter krankengymnastischer Anleitung die Oberschenkelmuskulatur trainieren, die dem Knie Stabilität verleiht.
Die Kreuzbandplastik wird arthroskopisch, d.h. nach Einführung eines optischen Gerätes in das Kniegelenk durchgeführt. Meist ist es nicht möglich, das alte Kreuzband zu nähen, sodass es vollständig ersetzt werden muss. Am häufigsten wird als Kreuzbandersatz die Kniegelenkssehne oder eine Beugesehne benutzt. Dazu wird über einen kleinen Hautschnitt das notwendige Sehnengewebe entnommen. Noch vorhandene Reste des alten Kreuzbandes werden vernäht oder entfernt. Anschließend werden zwei Löcher in das Kniegelenk gebohrt, die Ersatzsehne eingezogen und das Ganze befestigt.

Wann rät Ihnen der Arzt zu diesem Eingriff?

Der sogenannte Skidaumen mit einem Bänderriss im Daumengelenk sollte möglichst immer operativ versorgt werden, da bei konservativer Versorgung mit Gipsverband nicht garantiert werden kann, dass das Band komplett in der richtigen Position wieder zusammenwächst. Eine unzureichende Behandlung des Bänderrisses kann dazu führen, dass das Daumengelenk instabil wird und der Daumen seine wichtige Haltefunktion beim Greifen nicht mehr erfüllen kann. Auch wenn die Verletzung schon längere Zeit zurückliegt und vielleicht übersehen oder nicht so ernst genommen wurde, lohnt sich noch eine Operation.

Bei Bänderrissen im Sprunggelenk lässt eine Ruhigstellung des Fußes im Gips oder mit speziellen Schuhen (Orthodesen) die Bänder in der Regel wieder zusammenwachsen, so dass meist auf die Operation verzichtet werden kann. Eine Ausnahmen stellt ein Einriss der sogenannten Syndesmose dar, einer bindegewebigen Struktur zwischen Schien- und Wadenbein.
Circa 10 bis 20% der Patienten entwickeln nach einem Bänderriss im Sprunggelenk eine dauerhafte Instabilität, d.h. sie fühlen eine Unsicherheit in dem Gelenk und knicken immer wieder um. Bleibt hier ein Versuch mit speziellen Kräftigungs- und Koordinationsübungen erfolglos und sind Sie – z.B. als Leistungssportler – auf ein stabiles Sprunggelenk angewiesen – wird in der Regel eine operative Wiederherstellung des Bandes empfohlen.

Ob man beim Kreuzbandriss eine Operation empfiehlt, hängt von den jeweiligen sportlichen Ambitionen, der körperlichen Belastung im Beruf und dem Alter ab. Eine Operation empfiehlt sich meist dann, wenn ein Instabilitätsgefühl im Knie empfunden wird (englisch: Giving way – das Knie gibt nach). Eine solche Instabilität kann langfristig zu einer Schädigung von Knorpel und Meniskus und damit zu einer frühzeitigen Gelenkabnutzung führen.

Welche Betäubungsmethode wird in der Regel angewandt?

Der Skidaumen wird meist in einer Plexusanästhesie operiert (Verweis: Plexusanästhesie). Bänderrisse im Bereich von Knie oder Sprunggelenk werden in der Regel in Vollnarkose (Verweis: Vollnarkose) oder in Spinalanästhesie (Verweis: Spinalanästhesie) vorgenommen.

Wie lange dauert der Eingriff durchschnittlich?

Die Dauer der operativen Versorgung eines Bänderrisses hängt immer vom Ausmaß der Verletzung, den Begleitverletzungen und den jeweiligen Gegebenheiten ab. Eine Kreuzbandplastik dauert z.B. je nach Begleitverletzungen ein bis zwei Stunden.

Wer ist eventuell nicht für diesen Eingriff geeignet?

Grundsätzlich hängt bei einem Bänderriss im Knie- oder Sprunggelenk die Entscheidung für oder gegen eine Operation von vielen verschiedenen Faktoren ab. In vielen Fällen – insbesondere bei Menschen, die sich keine sportlichen Höchstleistungen abverlangen – kann eine konservative Therapie mit Ruhigstellung und anschließender Krankengymnastik völlig ausreichen.
Bei über 50-jährigen Patienten wird in der Regel von einer Kreuzbandplastik abgeraten. Auch wenn bereits eine starke Gelenkabnutzung (Arthrose) vorliegt, wird man abraten, da der Schaden, den man verhindern will, ja schon eingetreten ist.

Bei schlechtem gesundheitlichen Allgemeinzustand oder schweren Grunderkrankungen wird meist auf die operative Versorgung von Bänderrissen verzichtet und konservativ mit Ruhigstellung (Gipsverband) behandelt.

Wie ist das Risiko einzuschätzen?

Operationen bei Bänderrissen gehören zu den risikoarmen Eingriffen. Wie bei jeder Operation lassen sich natürlich Komplikationen nicht hundertprozentig ausschließen. Über seltene Komplikationen wie Gelenkinfektionen oder -ergüsse und Knorpelschäden wird Ihr Arzt Sie vor dem Eingriff umfassend aufklären.

Bei Bänderrissen im Bereich von Knie- oder Fußgelenk besteht wegen der längeren Ruhigstellung des Beines während und nach der Operation immer ein erhöhtes Thromboserisiko. Daher bekommen Sie für einige Zeit eine Thromboseprophylaxe in Form von Spritzen verordnet, die Sie unbedingt nach Vorschrift anwenden müssen.

Damit die Operation ein Erfolg wird, ist nach dem Eingriff an Fuß und Knie immer ein muskuläres Aufbautraining unter krankengymnastischer Anleitung erforderlich. Auch beim Bänderriss am Daumen wird manchmal nach der Phase der Ruhigstellung Krankengymnastik verordnet, damit das Daumengelenk wieder voll funktionsfähig wird.

Was müssen Sie vor dem Eingriff beachten?

Wird der Eingriff in Vollnarkose oder Spinalanästhesie durchgeführt, sollten Sie 6 Stunden vor der Anästhesie nichts mehr essen und keine trüben Flüssigkeiten mehr trinken! 2 Stunden vor der Anästhesie sollten auch keine klaren Flüssigkeiten mehr getrunken werden. (Ausnahme: Vorbereitungstablette(n) mit etwas Wasser) Am Anästhesietag soll nicht mehr geraucht werden. Wenn Sie morgens Medikamente einnehmen, besprechen Sie bitte mit Ihren Anästhesisten, welche Medikamente Sie vor der Anästhesie noch einnehmen können.

Vor dem Eingriff in Vollnarkose wird der Narkosearzt immer Ihre Narkosefähigkeit prüfen. Würde die Narkose ein zu großes Risiko darstellen, muss eventuell von dem Eingriff abgesehen oder auf ein alternatives Betäubungsverfahren ausgewichen werden.

Da Sie durch die erforderliche Ruhigstellung bei den häuslichen Tätigkeiten doch etwas eingeschränkt sind, empfiehlt es sich schon vor der Operation die entsprechende Versorgung zu Hause sicherzustellen.

Was geschieht nach dem Eingriff und was ist zu beachten?

Auch bei der ambulanten Operation von Bänderrissen bleiben Sie nach dem Eingriff noch für einige Zeit unter Beobachtung – so lange bis Sie aufstehen können und sich fitt für den Heimweg fühlen. Die Narkose wird relativ schnell nachlassen, so dass sie bald wieder ansprechbar sind. Bis Sie wieder völlig klar im Kopf sind, kann es aber noch etwas länger dauern. Sie sollten am Tag des Eingriffs nicht selbst Auto fahren und sich auch nicht alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg machen. Lassen Sie sich von Angehörigen oder Freunden abholen oder nehmen Sie ein Taxi nach Hause.

Auch nach der operativen Versorgung eines Bänderrissen, muss das Gelenk immer für einige Zeit ruhiggestellt werden. Hier sollten Sie sich genau nach den Anweisungen des Arztes richten.
Beim Daumen wird die Ruhigstellung in der Regel durch einen Gipsverband gesichert, der nach der Operation für circa 5 Wochen angelegt wird.
Nach einer Kreuzbandplastik oder einer Operation am Sprunggelenk sollten Sie zur Abschwellung des Gelenkes das Bein in den ersten 3-5 Tagen konsequent hochlagern und mit Eisbeuteln oder Kühlelementen kühlen.
Nach einer Kreuzbandplastik muss die ersten zwei Wochen eine Knieschiene getragen und es müssen Gehstützen benutzt werden. Möglichst bald sollte mit der Krankengymnastik begonnen werden. Wann Sie das Bein wieder voll belasten oder sportliche Aktivitäten aufnehmen können, hängt immer von den jeweiligen Umständen ab. Hier sollten Sie sich ganz nach den Anweisungen Ihres Arztes richten. Ein bisschen Geduld mit Ihrem verletzten Knie müssen Sie aufbringen: nach einer Kreuzbandplastik dauert es etwa ein Jahr bis eine sportliche Tätigkeit wieder im vollen Umfang aufgenommen werden kann. Dies gilt insbesondere für Kontaktsportarten wie Fußball. Bedenken Sie immer, dass das neue Kreuzband erst nach 12-16 Monaten seine volle Stabilität erreicht hat. Wer zu früh oder zu lange belastet, riskiert unter Umständen eine erneute Verletzung.

Ähnliches gilt auch für den Bänderriss am Sprunggelenk. In der Regel wird das Sprunggelenk nach dem Eingriff für etwa 6 Wochen in einem Unterschenkel-Gipsverband ruhiggestellt. Auch hier wird der Arzt Ihnen mitteilen, wann Sie den Fuß wieder belasten können. Ebenso wie beim Kreuzbandriss ist eine frühzeitige Krankengymnastik wichtig für den Heilungserfolg.

Wann findet in der Regel der nächste Arzttermin statt?

Noch am Tag des Eingriffs wird Ihr Arzt Ihnen mitteilen, wann Sie zur nächsten Kontrolluntersuchung wiederkommen sollen. In Ihrem eigenen Interesse sollten Sie diesen Termin unbedingt einhalten.
Bekommen Sie zu Hause Schwellungen, starke Schmerzen oder Fieber, sollten Sie umgehend mit dem Arzt Kontakt aufnehmen. Auch wenn Sie unsicher sind und noch Fragen zum normalen Heilungsverlauf haben, wird Ihnen in der Praxis niemand böse sein, wenn Sie sich telefonisch Rat holen.

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