Operationen am Mittelohr (Parazentese)

Wichtiger Hinweis:
Die Beschreibung der Eingriffe wurde mit größter Sorgfalt zusammengestellt. Es kann sich jedoch nur um einen Überblick handeln, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Zur weitergehenden Information dienen die Webseiten der Leistungserbringer und das persönliche Arzt-Gespräch bzw. die OP – Aufklärung in der jeweiligen operierenden Einrichtung.
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Heilt eine Mittelohrentzündung nicht richtig aus oder tritt sie immer wieder auf, kann sich Flüssigkeit im Mittelohr ansammeln. Durch diesen Erguss in der Paukenhöhle wird die Hörleistung unter Umständen gemindert. Bleibt bei kleinen Kindern die Hörminderung über einen längeren Zeitraum bestehen, kann sich das negativ auf den Spracherwerb auswirken. Rezidivierende Ergüsse führen oft zu chronischen Mittelohrentzündungen im Erwachsenenalter. Durch einen kleinen Schnitt im Trommelfell kann die Ergussflüssigkeit abgesaugt werden und das Mittelohr wird wieder besser belüftet.

Was geschieht bei diesem Eingriff?

Zuerst wird mit einem Operationsmikroskop das Trommelfell eingestellt. Mit einem feinen Messer wird ein kleiner Schnitt (Paracentese) im vorderen unteren Quadrant durchgeführt. Durch diese kleine Öffnung wird mit einem feinen Sauger die Flüssigkeit aus der Paukenhöhle abgesaugt. Das Trommelfell heilt nach wenigen Tagen von alleine wieder zu.

Bei sehr zähflüssigem Sekret oder schlechter Belüftung muß das Trommelfell zur Abheilung des Mittelohres länger geöffnet bleiben. Zu diesem Zweck wird ein sogenanntes Paukenröhrchen aus Gold oder Kunststoff in die Öffnung eingesetzt. Das nur etwa 2 mm große Röhrchen wird meist nach etwa 6 - 9 Monaten von selbst abgestoßen und das Trommelfell heilt dann zu.

Bei Kindern ist die schlechte Belüftung des Mittelohrs häufig auf eine vergrößerte Rachenmandel zurückzuführen. Ist dies der Fall, wird in der selben Narkose meist auch die Entfernung der Rachenmandel durchgeführt.

Wann rät Ihnen der Arzt zu diesem Eingriff?

Der Eingriff wird immer dann empfohlen, wenn die schallleitende Funktion des Trommelfells und der angrenzenden Gehörknöchelchen durch eine Flüssigkeitsansammlung in der Paukenhöhle beeinträchtigt ist. Solch einen Erguss findet man z.B. bei immer wieder auftretenden Entzündungen der Nase und Nasennebenhöhlen und bei einer gestörten Mittelohrbelüftung durch eine vergrößerte Rachenmandel. In selteneren Fällen und vor allem bei Erwachsenen können Flüssigkeitsansammlungen auch durch einen Tumor im Nasenrachenraum, durch Vernarbungen in diesem Bereich oder nach einer Bestrahlung im Kopfbereich entstehen.
Manchmal rät der Arzt auch bei einer akuten Mittelohrentzündung zu einem Einschnitt im Trommelfell. Dies ist z.B. der Fall, wenn es zu einer erheblichen Vorwölbung des Trommelfells kommt, der Patient über heftigste Schmerzen und eine plötzliche Schwerhörigkeit klagt und die Gabe von Antibiotika nach 48 Stunden noch keine Besserung gebracht hat. Der kleine Eingriff führt hier meist zu einer sofortigen Schmerzlinderung und Verbesserung des Hörvermögens.
Ob der Einschnitt alleine ausreicht oder ein Paukenröhrchen eingesetzt werden muss, kann der Arzt oft erst während der Operation entscheiden.

Welche Betäubungsmethode wird in der Regel angewandt?

Bei Kinder unter 12 Jahren wird der Eingriff in der Regel in einer kurzen Vollnarkose durchgeführt. Bei älteren Kindern und Erwachsenen reicht eine örtliche Betäubung des Trommelfells und äußeren Gehörgangs meist aus.

Wie lange dauert der Eingriff durchschnittlich?

Die Dauer des Eingriffs hängt davon ab, wie viel Sekret abgesaugt werden muss. Meist dauert er aber nicht länger als fünf Minuten. Wird gleichzeitig die Rachenmandel entfernt, dauert er Eingriff etwa eine halbe Stunde.

Wer ist eventuell nicht für diesen Eingriff geeignet?

Der Trommelfellschnitt kann im Prinzip bei jedem durchgeführt werden. Bei Kindern wird der Narkosearzt vorher die Narkosefähigkeit prüfen. Wäre eine Narkose mit einem zu großen Risiko verbunden, müßte eventuell auf den Eingriff verzichtet oder auf eine örtliche Betäubung ausgewichen werden. Bei einer akuten Entzündung im Bereich der Atemwege wird der Eingriff eventuell verschoben.

Auch bei starker Vorschädigung des Trommelfells durch frühere Entzündungen oder Eingriffe rät der Arzt möglicherweise von dem Trommelfellschnitt oder dem Einlegen der Paukenröhrchen ab.

Wie ist das Risiko einzuschätzen?

Der kleine Einschnitt im Trommelfell ist ein sehr risikoarmer Eingriff. Über sehr seltene Komplikationen wie Verletzungen der Gehörknöchelchenkette oder Infektionen wird der Arzt Sie vor der Operation umfassend aufklären.
Direkt nach dem Trommelohreinschnitt kann noch etwas Blut oder Flüssigkeit aus dem Ohr laufen, was Sie nicht weiter beunruhigen muss.

Das Trommelfell heilt in der Regelrasch wieder zu. Bleibt das Loch in sehr seltenen Fällen einmal bestehen, muss es eventuell in einem zweiten Eingriff verschlossen werden. Manchmal fällt das Drainageröhrchen auch nicht von alleine heraus und wird dann in einem kleinen Eingriff vom Arzt mit einem Ohrzängelchen entfernt.

Was müssen Sie vor dem Eingriff beachten?

Wird der Eingriff in Vollnarkose vorgenommen, sollten Sie (bzw. Ihr Kind) in Absprache mit dem Narkosearzt vor dem Eingriff nüchtern bleiben, d.h. nichts essen oder trinken, nicht rauchen und auch keinen Kaugummi kauen. Nehmen Sie wegen anderer Erkrankungen regelmäßig Medikamente, sollten Sie den Arzt bzw. Anästhesisten rechtzeitig vorher darüber informieren, da einige Medikamente wie z.B. blutverdünnende Substanzen einige Tage vor dem Eingriff abgesetzt werden sollten.

Was geschieht nach dem Eingriff und was ist zu beachten?

Auch bei der ambulanten Mittelohroperation bleiben Sie nach dem Eingriff noch für einige Zeit unter Beobachtung – so lange bis Sie sich fitt für den Heimweg fühlen. Sie sollten am Tag des Eingriffs nicht selbst Auto fahren und sollten sich auch nicht alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg machen. Lassen Sie sich von Angehörigen oder Freunden abholen oder nehmen Sie ein Taxi nach Hause. Nach einer Vollnarkose sollte über einen Zeitraum von 24 Stunden immer jemand anwesend sein. Der Operateur sollte für Sie 24 Stunden erreichbar sein.

Wird das Trommelfell vorübergehend durch ein Paukenröhrchen offen gehalten, können beim Tauchen mit dem Wasser Keime in die Paukenhöhle gelangen. Auf Tauchen muss daher über die gesamte Liegedauer der Röhrchen und nach einem einfachen Trommelfellschnitt für etwa zwei Wochen verzichtet werden. Baden und vorsichtiges Haare Wasche stellen meist kein Problem dar, da lediglich Wasserspritzer in den äußeren Gehörgang kommen.
Zur Sicherheit empfiehlt der Arzt bei Wasserkontakt den Verschluß des Gehörganges (z.B. durch Einlage von Vaseline-getränkter Watte in den Gehörgang).

Wann findet in der Regel der nächste Arzttermin statt?

Noch am Tag des Eingriffs, wird Ihr Arzt Ihnen mitteilen, wann Sie zur nächsten Kontrolluntersuchung wiederkommen sollen. In Ihrem eigenen Interesse sollten Sie diesen Termin unbedingt einhalten. Bei der Nachuntersuchung wird das Ohr noch einmal mit dem Mikroskop untersucht und eventuell das Hörvermögen kontrolliert
Bei Fieber, Blutungen aus dem Ohr oder starken Schmerzen sollten Sie umgehend mit dem Arzt Kontakt aufnehmen. Auch wenn Sie unsicher sind und noch Fragen zum normalen Heilungsverlauf haben, wird Ihnen in der Praxis niemand böse sein, wenn Sie sich telefonisch Rat holen.

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