Stellungnahme des BAO e.V zur Einladung von BMG zusammen gegen Corona 06.01.21

Dr. med. Axel Neumann Präsident BAO e.V.

Sehr geehrter Herr Minister,
Sehr geehrte Damen und Herrn Abgeordnete, Mitglieder des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages,
Sehr geehrte Damen und Herren,
die ambulanten Operateure der verschiedenen Facharztrichtungen in Deutschland begrüßen den erfolgten Impfstart und verfolgen die Geschehnisse mit außerordentlicher Sorgfalt.
Wir unterstützen die Gesundheitsämter in den einzelnen Bundesländern ausdrücklich in Ihrem Bemühen, in der Phase 1 besonders die von Todesfolgen einer Covidinfektion bedrohte Gruppe in der Bevölkerung zu impfen.
Unseres Wissens ist erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine Priorisierung von medizinischen Behandlungsmaßnahmen durch eine Verfügung des Bundesgesundheitsministeriums erfolgt – mit den weiteren Details zur Ordnung der Abfolge von Impfungen in bestimmten Bevölkerungsgruppen können wir aus ärztlicher Sicht jedoch nicht vollständig einverstanden sein.
Wir verweisen dazu auf das epidemiologische Bulletin 2/2021 des RKI: STIKO – Empfehlung zur COVID-19-Impfung und die wissenschaftlichen Begründungen – besonders auf den sog. Expertenkonsens bei fehlender Evidenz der Studien.
Es ist dringend notwendig, Ärzte/-innen und dem sonstigen medizinischen Personal in Krankenhäusern bevorzugt eine Impfung anzubieten, sofern sie auf Intensivstationen arbeiten, in Nothilfen tätig sind oder sonstigen häufigen Kontakt zu potenziell infizierten Patienten/-innen haben.
Wir müssen leider weiterhin feststellen, dass die Bewertung des Expositionsrisikos (moderat) der niedergelassenen Ärzte/-innen, sowie des in der Ambulanten Versorgung tätigen Personals nicht dem Versorgungalltag entsprechend - also realitätsfern - erfolgt ist.
103831 Fachärzte mit 582000 Mitarbeitern versorgen aktuell die Bevölkerung von Kopf bis Fuß ambulant!
Gerade in dieser aktuellen Situation der Pandemie ist es die Aufgabe der Ambulanten Operateure aller Fachrichtungen zusammen mit ihren Mitarbeiter/-innen in Arztpraxen und Ambulanten Operationszentren die umfangreiche ambulante operative / interventionelle Versorgung aufrecht zu erhalten – auch außerhalb sog. gesichtsnaher Tätigkeiten -. Und dabei ist auch noch die Frequenz der Behandlungen zur Entlastung der Krankenhäuser möglichst zu erhöhen.
Der Infektionsschutz dieser Tätigen in der Ambulanten Versorgung darf nicht vernachlässigt werden!
Die Bewertung in Gruppe 3 gemeinsam etwa mit dem Reinigungspersonal, IT-Mitarbeitern und dem Personal des ÖGD ohne jeden Patientenkontakt (Tab. 12) ist eine krasse Fehleinschätzung der ambulanten Versorgungsrealität.
Die Geschäftsführer von stationären Einrichtungen lassen sich hingegen aktuell schon in der Phase 1 (Impfstoffmangel) bei ihrer Impfung für Zeitungen ablichten.
Es ist Aufgabe der Ambulanten Operateure aller Fachrichtungen, Notfälle jeglicher Art und dringliche Behandlungen operativ und ggf. konservativ durchzuführen. Ambulante Operationen (4-5 Mio./ Jahr) erfordern dieselben Infektionsschutzmaßnahmen für Patient/-innen und medizinisches Personal wie operative Maßnahmen im Krankenhaus – das schließt auch ausdrücklich Infektionsschutzmaßnahmen durch Impfungen in dieser Pandemie-Situation ein! Die Anästhesisten und Anästhesistinnen in den Ambulanten Operationszentren unterliegen potenziell einem vergleichbar hohen Infektionsrisiko.
Die unfallchirurgische Behandlung von Verletzungen des Körpers, einschließlich der ambulanten Versorgung von Arbeitsunfällen, ist unsere gesetzliche und ethische Pflicht und kann nicht aufgeschoben werden. Die Kontaktzeiten mit Patienten/-innen in den entsprechenden ambulanten Einrichtungen für die Versorgung von Verletzungen, Blutungen, akuten Bauchschmerzen etc. sind dabei mindestens so lange wie bei einer Durchführung einer Maßnahme in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Die tägliche Zahl an Patientenkontakten in den entsprechenden ambulanten Einrichtungen ist höher als die in den Nothilfen der Krankenhäuser.
In der aktuellen Situation der Pandemie muss jeder ambulante Patient potenziell als Virusträger betrachtet und behandelt werden. Entsprechende Infektionsschutzkonzepte werden in Ambulanten Einrichtungen bereits konsequent durchgeführt – allein der Impfschutz von Ärzten und Ärztinnen und ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen fehlt.
Sehr geehrter Herr Minister,
Sie haben uns am 4.1.21 öffentlich aufgefordert, unsere Impfbereitschaft zu erklären: ja gerne!
Wir dürfen Sie daher dringlich auffordern, uns ebenfalls vorrangig eine adäquate Anzahl von Impfdosen zur Verfügung zu stellen. Bei einer Abwicklung über die Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder sollte der bürokratische Aufwand gering sein – denn die ambulanten Einrichtungen der niedergelassenen Ärzte können die Impfung selbst durchführen.
Wir dürfen Sie dringlich bitten, unser Anliegen zu berücksichtigen und auch im Zusammenhang mit der Aktion: Zusammen gegen Corona.de\live öffentlich zu diskutieren.

Mit besorgten, freundlichen Grüßen

Dr. med. Axel Neumann Präsident BAO e.V.



Zu Ihrer Information:
Der Bundesverband für Ambulantes Operieren e.V. vertritt mit den assoziierten Verbänden der Zukunftsgruppe Ambulantes Operieren 2022 circa 3000 Fachärzte aus folgenden Bereichen:

Verbände / Leistungserbringer

AND e.V.
Anästhesie Netz Deutschland
Bundesweit niedergelassene Anästhesist*innen

AAOZ e.V.
Anästhesistengeführte Ambulante Operationszentren

BAO e.V.
Bundesverband für Ambulantes Operieren e.V.,
Ambulant operierende niedergelassene Ärzte aller Fachrichtungen in inhabergeführten Einrichtungen

BDOC
BDOC Bundesverband Deutscher Ophthalmochirurgen

LAOH e.V.
Landesverband ambulanter Operateure in Hessen

PKG e.V.
Deutsche Praxisklinikgesellschaft e.V., Kliniken für ambulante und kurzstationäre Operationen, Inhabergeführt

VAAO
Velener Arbeitskreis für ambulantes Operieren auf höchstem Niveau, niedergelassene Gynäkologen in Inhaber geführten Einrichtungen

VOP e.V.
Verband operativer Privatkliniken e.V., Fachärzte verschiedener Fachrichtungen


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Heft 99, Ausgabe 1 – Februar 2021
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