Struktur und Vergütung fachärztlich intersektoraler Leistungen der Zukunft

SpiFa legt Konzept zur Neuordnung der Sektorengrenze ambulant/stationär vor

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in meiner letzten Mitteilung vom August des Jahres hatte ich Ihnen dargelegt wie sehr es lohnt, sich mit dem MDK-Reformgesetz zu beschäftigen, welches ja nach dem Wunsch des Gesetzgebers auch direkt auf operative Leistungen ambulant und stationär einwirken wird.

In diesem Zusammenhang von weiterer großer Bedeutung ist die von der Bundesregierung eingesetzte Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die sich mit der Neuordnung der Sektorengrenze ambulant/stationär beschäftigt. Es liegt ein Eckpunktpapier dieser Arbeitsgruppe vor, das der Spitzenverband der Fachärzte Deutschlands (SpiFa) zum Anlass genommen hat, konkrete Vorschläge zur Struktur und zur Vergütung der ärztlichen Leistungen sektorübergreifend zu erstellen. Eine Arbeitsgruppe des SpiFa hat sich in den letzten Monaten unter Moderation des BAO intensiv mit dem Eckpunktepapier und der Zukunft auseinandergesetzt und ein weitgehendes, mutiges Konzept erstellt, das sich als zielführende Ergänzung des Eckpunktepapieres versteht.
Ziel unseres Vorschlages ist es, faktische, gesetzliche und bürokratische Hürden zu beseitigen, die einer fachärztlichen Tätigkeit innerhalb und außerhalb des Krankenhauses noch entgegenstehen. In unseren Beratungen haben wir uns vor allem die Aufgabe gestelllt, die „Augenhöhe“ zwischen qualifizierten niedergelassenen Fachärzten und den Krankenhäusern herzustellen - wenn die Leistungsanbieter zukünftig ambulant und intersektoral tätig werden sollen. Unter Federführung und Expertise von Andreas Köhler sind dabei nicht nur Vorschläge erarbeitet worden, die einen echten Umbruch des Systems vorsehen, sondern darüber hinaus ein kompletter Gesetzesentwurf zur Neuordnung des 4. Kapitels, 4. Abschnitt des SGB V. Er sieht im Zentrum eine vollständige Neufassung des §115 vor.

Der Schnittstellen-Ausschuss des SpiFa hat diese Vorschläge im vollständigen Konsens der Facharztgruppen erarbeitet, die Belegärzte eingeschlosssen.
In diesem Zusammenhang ist es erfreulich Ihnen mitzuteilen, dass unser Mitglied Dr. Helmut Weinhart, Vorstandsmitglied des BVOU und verantwortlich für das Ambulante Operieren in der KV Bayern zum vierten Vorstand des Spitzenverbandes gewählt worden ist – er ist einer von uns!

Ich möchte Ihnen die wesentlichen Punkte des Vorschlages des SpiFa`s zur Gesetzesänderung darlegen.

  • 1. § 115 neu intersektorale Leistungen: Die intersektorale fachärztliche Versorgung soll in der Zukunft die ambulant oder belegärztliche Behandlung und Diagnostik von allen Krankheiten umfassen, die nur bei Vorliegen allgemeiner Tatbestände stationär erbracht werden können. Dazu gehören alle Leistungen nach § 115, 116, 118, 119, 120, 121 und 122.
  • 2. Die intersektorale fachärztliche Versorgung soll zukünftig alle Krankheiten umfassen, die im G-DRG-System eine mittlere Verweildauer von weniger als vier Krankenhaustagen haben, wenn die Behandlung für diese Erkrankung mit diesen Leistungen innerhalb von 4 Wochen voraussichtlich abgeschlossen ist. Der Vorschlag zielt also auf genau die Leistungen, die auch schon bisher unter dem dringenden Wunsch der Kostenträger zur Verlagerung nach ambulant regelmäßig MDK-Prüfungen unterzogen wurden. Voraussetzung hierfür wird die vom Gesetzgeber gewünschte Neuordnung des MDK sein, dessen unabhängiger Prüfung in Zukunft sehr viel Bedeutung zukommen wird.
  • 3. Entsprechend der bisherigen stationären Behandlung soll für die intersektorale ambulante Leistung der Zukunft ausschließlich der Verbotsvorbehalt gelten. Eine Verschiebung von Leistungen von stationär nach ambulant wegen fehlender Abrechnungsziffern im EBM wird damit nicht mehr behindert.
  • 4. Der entsprechende Leistungskatalog soll vom G-BA ständig überprüft und bei Bedarf erweitert werden. Der Leistungskatalog wird zukünftig über Erkrankungen entsprechend dem DRG-System und nicht mehr über Leistungen (EBM) definiert.
  •   
  • 5. Der definierte Krankheitsbezug der intersektoralen Leistung wird es zukünftig erforderlich machen, dass – wie im Krankenhaus – immer mehrere Fachgebiete zusammenarbeiten. Zugelassene Kooperationen sind deshalb eine Voraussetzung für die Erbringung von intersektoralen Leistungen. Wir denken dabei primär an Praxisnetze, Berufsausübungs-gemeinschaften, MVZ`s, Praxiskliniken und seitherige Belegabteilungen.
  • 6. Die Vergütung soll zukünftig unmittelbar die Krankenkasse an den Leistungserbringer übernehmen. Sie soll dreiseitig nach einer einheitlichen Kalkulationssystematik vereinbart werden. In der Übergangsphase bis zu einer ernsthaft reformierten Vergütungsregelung schlagen wir vor, die intersektorale Leistungserbringung mit 90 Prozent und bei belegärztlicher Leistungserbringung mit 95 Prozent des DRG`s einer Hauptabteilung zu vergüten. Für die ambulante Leistungserbringung muss wie bisher gelten, dass Arznei- Heil- und Hilfsmittel gesondert in Rechnung gestellt werden können.
  • 7. Die Landesausschüsse sollen zukünftig festlegen, ob von den Bedarfsplanungsrichtlinien abgewichen werden muss, wenn soweit dies für die bedarfsgerechte Versorgung mit intersektoralen Leistungen notwendig ist.
  • 8. Wir hoffen, dass durch die Neuregelung des § 115 als intersektorale Leistung auch Belegärzte wieder eine gesicherte Arbeits- und Vergütungsgrundlage finden können.
  • 9. Diese Neuregelung ordnet jedoch nicht (Stand 11-2019) die honorarärztliche stationäre Versorgung durch am Krankenhaus tätige Vertragsärzte, für die unbedingt eine rechtssichere Lösung gefunden werden muss. Diese könnte sich nach Wasem zukünftig an den bisherigen Konsiliararztverträgen orientieren – die juristischen Rahmenbedingungen müssen jedoch unbedingt verbessert werden.
  • 10. Der Entwurf des SpiFa sieht in diesem Zusammenhang ausdrücklich vor, dass Krankenhäuser in Zukunft niedergelassene Vertragsärzte mit der Durchführung von intersektoralen Leistungen beauftragen können, ohne das Vertragsverhältnis festzulegen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen – wie Sie sofort erkennen können, hat der SpiFa mit diesem Entwurf zur Gesetzesänderung des § 115 alt einen ernsthaften Umbruch und eine tatsächliche Neuordnung der alten Verhältnisse vorgeschlagen. Das Papier zirkuliert aktuell in den Gremien der Entscheidungsträger in den Ministerien und bei den Kostenträgern.
Wir wünschen uns zusätzlich eine ideologiefreie, konzentrierte innerärztliche Diskussion über diese weitgehenden Vorschläge mit dem Ziel eines breiten Konsenses, der uns am Verhandlungstisch stärkt.
Aus unserer Sicht drängt hierzu die Zeit, da auch die weiteren Gesetzesvorhaben des BMG z. B. zur Notfallversorgung sich sehr ausführlich mit den Aufgaben der Zukunft für die Krankenhäuser beschäftigen und die Vertragsärzte scheinbar nur am Rande benennen!

Genau jetzt - bei der Lösung der Schnittstellenproblematik - haben wir die Chance fachärztliche Kompetenzen insbesondere im operativen und anästhesiologischen Bereich einzubringen und damit unsere Zukunft zu sichern – zweifelsohne werden wir dazu aber regional mit Krankenhäusern näher zusammen rücken müssen – und: wir sollten gleichzeitig unsere operativen Leistungen da wo es regional möglich ist in Praxiskliniken verlagern, um diese wertvollen vertragsärztlichen Strukturen in der intersektoralen Versorgung (neu) konkurrenzfähig zu machen !

Dies ist genau auch im Sinne der zu versorgenden Bevölkerung, die schon jetzt unter dem erheblichen Mangel angebotener fachärztlicher Leistung in den Krankenhäusern, aber auch teilweise in unseren Praxen leiden muss und deshalb besonders in das Blickfeld des Gesetzgebers geraten ist.
Wir wollen an dieser Stelle unter dem Dach der SpiFa erstmals ernsthaft gemeinsam agieren und dürfen uns an dieser Stelle insbesondere bei Andreas Köhler für seinen leidenschaftlichen Input und seine eingebrachte Expertise bedanken.

Wir werden diese Thematik auf dem gemeinsamen Kongress mit BNC und BDC, sowie anderen Fachverbänden im Februar gemeinsam diskutieren. Der BAO hat dazu kompetente Redner aus allen Fachbereichen eingeladen.
Samstag, 08. Februar 2020

Saal:
Seoul (13.00 - 16.30 Uhr)

SF 10   Symposium der ambulanten und praxisklinischen Operateure und Anästhesisten: Ambulantes Operieren im Schnittstellenbereich 


hier geht es zum konkreten Programmablauf unseres Symposiums
und hier können Sie sich direkt anmelden
http://www.bundeskongress-chirurgie.de/teilnehmerregistrierung.php?fksart=0

Ich verbleibe mit besten kollegialen Grüßen als Ihr

Axel Neumann

Chirurgen Magazin + BAO Depesche

Heft 93, Ausgabe 3 – August 2019
Wundbehandlung: Erfolgreiche Therapie chronischer Wunden im interdisziplinären Netzwerk
weiter

Bundeskongress Chirurgie 2020

Bundeskongress Chirurgie vom 07. – 08. Februar 2020 im NürnbergConvention Center. Anmeldung, Programm, Seminare/Kurse
weiter

Helmsauer Gruppe

Persönlicher Kontakt, Vertrauen und Stabilität stehen bei uns an erster Stelle, wenn es um die Betreuung unserer Kunden geht...
+ Kompetenz aus jahrzehntelanger Erfahrung + Spezialisierung auf Ihre Bedürfnisse + Mehrwerte über exklusive Rahmenverträge
weiter

autsch!

autsch! Wenn Politik weh tut Politik drängt ambulante OP-Praxen ins Abseits.
weiter

Partner PKG

Die Deutsche Praxisklinikgesellschaft (PKG) e.V. ist ein Zusammenschluss von Operationszentren, Tages- und Praxiskliniken und medizinischen Versorgungszentren, in denen ambulante und praxisklinische Operationen durchgeführt werden.
weiter

Partner AND

Das AND e.V. als Zusammenschluss regionaler Anästhesie-Netze und –Genossenschaften vertritt auf Bundesebene Interessen der freiberuflich tätigen und niedergelassenen Anästhesisten.
weiter

BVASK

Der Berufsverband für Arthroskopie e. V.
weiter