17.09.2012: BAO-Newsletter

BAO-Newsletter; Nr. 09/12, vom 17. September 2012
Nachrichten für Ambulante Operateure und Anästhesisten

BAO-Newsletter; Nr. 08/12, vom 24.August 2012
Nachrichten für Ambulante Operateure und Anästhesisten

Inhalt:
Mitteilungen des Präsidiums
Kommentierte Nachrichten
Nachrichten
Termine

Ergebnis der Umfrage zur Beteiligung an Protestaktionen unter den Mitgliedern des BAO:

Nr.
Frage
Ja %
Nein %
1
Sind Sie für Protestaktionen?
99,4
0,06
2
Würden Sie sich an Praxisschließungen beteiligen?
82,8
17,2
3
Würden Sie sich an regionalen Veranstaltungen
beteiligen?
94,7
5,3
4
Würden Sie sich an einer zentralen Veranstaltung
beteiligen?
75,8
24,2
5
Würden Sie Ihre Praxis auch eine längere Zeit streng nach WANZ-Kriterien führen?
(Die Krankenkassen erstatten Diagnostik und Therapien nach den Kriterien: wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig)
85,4
14,6

Mitteilungen des Präsidiums

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das haben selbst die "alten Hasen" unter uns in über zwanzig Jahren Berufspolitik noch nicht erlebt: Alle Ärztevertreter sind sich einig in ihrer Empörung über das Vorgehen des Spitzenverbandes der Krankenkassen (SpiBu) bei den Vertragsverhandlungen mit der KBV. Kein einziger Quertreiber - und selbst die viel beschimpften KdöRs (Körperschaften des öffentlichen Rechtes - für uns: die KVen) sind geschlossen dabei.
Warum? Was ist so anders als früher?
Wir sind es gewohnt, von Krankenkassen und Politik finanziell gedrückt zu werden, um unseren Solidaranteil mit den klammen Kassen und der Unterfinanzierung des Gesundheitssystems zu leisten. Nun sind die Kassen aktuell aber gar nicht klamm - ganz im Gegenteil! Und dennoch hat der SpiBu zunächst mehrere über das Jahr hinweg sorgfältig getaktete Diffamierungskampagnen gegen die Ärzte lanciert um abschließend die Forderung aufzustellen, den Orientierungspunktwert weiter abzuwerten. Mit einer solch unglaublichen Forderung hatte niemand gerechnet. Die Begründung dazu ist auch noch gesetzeswidrig: Die Abwertung sollte wegen einer vermehrten Inanspruchnahme der Ärzte (angebliche Verbesserung der Wirtschaftlichkeit bei den Ärzten) erfolgen, obwohl nach Gesetz das Morbiditätsrisiko bei den Kassen liegt.

Dieser SpiBu in Person von Frau Pfeiffer und Herrn von Stackelberg schreckt vor gar nichts zurück, um uns Vertragsärzte zu drangsalieren.

Eigentlich sollten die Krankenkassen an der medizinischen Versorgung ihrer Versicherten interessiert sein. Auch hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass die medizinische Versorgung in zahlreichen Flächen der Republik massiv leidet, allen Bereichen voran bei den öffentlich eigentlich besonders gewünschten Hausärzten. Aber dann solche Aktionen des SpiBu, die alle Bemühungen um die Motivation um Praxisnachfolgen zunichte macht. Angesichts der strategisch langfristigen Koordination des Vorgehens scheidet die Vermutung eines unbeabsichtigten Kollateralschadens aus. Das Ganze hat Ziel und Methode: Es führt zu einem weiteren Praxissterben durch das Abschrecken von Kollegen vor Praxisübernahmen! Damit finden Patienten langfristig weniger Ärzte, es wird weniger Inanspruchnahmen geben können. Die Zahl der Hausärzte sinkt weiter, die Fachärzte bleiben bzw. kehren an die Krankenhäuser zurück - ggf. auch als Honorarärzte. Perfides Ergebnis: Strategische Kostenreduktion durch Senkung der Ärztezahl und Abbau des Vertragsarztwesens zugunsten der Krankenhäuser.

Die Einschätzung aller Berufsverbände ist jedenfalls, dass wir jetzt einen Show-down erleben. Kann der SpiBu sich auch angesichts der völlig überzogenen und durch nichts mehr zu begründenden Forderungen gegen eine völlig geschlossene Ärzteschaft durchsetzen, wird der Kassenverband das deutsche Gesundheitswesen nach seinem Gutdünken umbauen. Dann sollten wir Operateure und Anästhesisten zügig über den Wechsel in das Angestelltenverhältnis nachdenken.

Davor stehen die Kämpfe der nächsten Wochen: es liegt in unserer Hand. Mit wehenden Fahnen unterzugehen - das mag angehen. Angesichts der Bedeutung dieser Wochen zu schweigen, das werden sie sich später nicht verzeihen.

Lassen Sie uns gemeinsamen mit allen anderen Kollegen für unseren wunderbaren Beruf und für die Versorgung unserer Patienten kämpfen!

Wie erfolgen die Ärzteproteste?
Die Aktionen der Ärzte haben eine ungewohnte und neue Qualität. Sie sind an das erfolgreiche Vorgehen der Gewerkschaften angelehnt. D. h. es werden kurzfristige Aktionen beschlossen, was für uns Ärzte sicher sehr ungewohnt ist. Diese intensivieren sich schrittweise. Bei Verhandlungsrunden werden die Aktionen ausgesetzt und bei neuen Angeboten werden die Ärzte neu befragt. Erstmalig entscheiden also nicht die Verbände über den Abschluss über Angebote, sondern die Ärzte selber. Das ist echte, gelebte Demokratie. Es bedeutet aber auch, dass alle Kollegen wirklich an der Entscheidung teilhaben und es extrem wichtig ist, dass Sie bei den Abstimmungen auch reagieren. Sonst entscheidet eine Minderheit der Ärzte über Ihr Schicksal.

Was steht konkret an?
Inzwischen erfolgte ein verbessertes Angebot des SpiBu mit der Aussicht auf weiteren Verhandlungsspielraum. Damit gilt bis zum 4. Oktober 2012 eine "Friedenspflicht". Wir bleiben angesichts der dargestellten, bisherigen Vorgeschichte extrem skeptisch. Informieren Sie sich daher bitte laufend und bereiten Sie sich auf die mögliche Intensivierung geistig vor. Die nächsten Schritte beinhalten ggf. einen Streik unserer Angestellten – eine Art Gesundheitswesen ohne Arzthelferinnen, falls wir die eines Tages nicht mehr bezahlen könnten. Details sind ihnen als Aussendungen am letzten Freitag zugegangen.

Hoffen wir auf eine Bekehrung des SpiBu zum Wohle unserer Patienten. Aber bereiten Sie sich auch auf den Fall des Scheiterns vor, ganz im Sinne des christlichen Grundsatzes des "Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott!"

Jörg Hennefründ

Kommentierte Nachrichten

Qualitätsdebatte um das Ambulante Operieren: Realitätsferne Vorwürfe des GKV-Spitzenverbandes (Pressemitteilung des Berufsverbandes Niedergelassener Chirurgen –BNC- vom 27. August 2012)
Auf die Vorwürfe des GKV-Spitzenverbandes, wonach es zu wenig Qualitätskontrollen beim Ambulanten Operieren gäbe, konterte der BNC-Präsident Dr. Dieter Haack: Die Qualitätskontrollen der ambulanten Operationen seien sehr umfassend und u.a. durch regelmäßige Begehungen durch Gesundheitsämter und regionale Strukturen wie Regierungspräsidien, TÜV oder vergleichbare Kontrollorgane gegeben; außerdem würden Infektionsschutzgesetze und die Prozess- und Ergebnisqualität der ärztlichen Arbeit überprüft. Gerade die hohe Qualität der ambulanten Operationen habe dazu geführt, dass das Ambulante Operieren mit weniger Komplikationen und kurzen Arbeitsunfähigkeitszeiten einhergeht.
Kommentar: Der Vorwurf ist schlicht ein weiterer Teil der Kampagne des Spitzenverbandes. Der Spitzenverband sollte sich auf seine Kernaufgabe als Verhandlungspartner konzentrieren. Eigene PR-Abteilungen zu führen, nur um permanent mit unbelegten Meinungen herumzustänkern ist schlicht unverantwortlich gegenüber der Bevölkerung.
J. H.

FDP-Politiker zum Honorarstreit - Kassen missachten politische Ziele (Ärzte Zeitung 29.08.2012)
Nach Meinung des FDP-Politikers Lars Lindemann missachten die gesetzlichen Krankenkassen mit ihrem Honorarkürzungs-Antrag den politischen Willen, durch Honorarsteigerungen der Ärzte die Versorgungsprobleme in der Fläche zu lösen.
Kommentar: So ist es! Leider ist es von der Meinung eines maßgeblichen Parteimitgliedes bis zur tatsächlichen, juristischen Reaktion seines Parteifreundes und Bundesministers offenbar noch eine deutliche Hürde. Schade. Aber immerhin gibt man uns schon einmal Recht. Das kann trotzdem helfen.
J. H.

Nachrichten (zusammengefasst von Jost Brökelmann)

Gesetzliche Krankenversicherung

Chirurgen - Schadenfreude über BVA-Rüge für Kassen (Ärzte Zeitung 21.08.2012)
Das Bundesversicherungsamt (BVA) hat die gesetzlichen Krankenkassen gerügt, weil sie den Ärzten vorgeworfen hatten, unnötig zu operieren und Patienten überflüssige Selbstzahlerleistungen aufzuschwatzen. Über diese Entscheidung können sich der Berufsverband der niedergelassenen Chirurgen und sein Präsident, Dr. Dieter Haack, nur freuen, denn sie hatten diese Praktiken der Krankenkassen angeprangert.

Honorarstreit - Auch die Ärzte steuern auf den nächsten Streik zu (Die Welt 28.08.2012)
Der letzte große Protest der niedergelassenen Ärzte fand vor sechs Jahren statt. Jetzt scheint es wieder soweit zu sein, denn die Krankenkassen verlangen nicht nur eine Nullrunde, sondern sogar eine Kürzung des Ärztehonorars.
"Offiziell streiken können Ärzte nicht, aber sie können ihre Praxis schließen. Mindestens 20 Stunden pro Woche müssen sie für ihre Patienten da sein. Den Rest der Zeit können sie protestieren", so die Welt. "Zum Streik aufrufen kann KBV-Chef Andreas Köhler zwar nicht, das ist ihm als Chef einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verboten." Trotzdem formuliert der KBV-Chef in klaren Worten, dass die niedergelassenen Ärzte einen Inflationsausgleich für die Preisanstiege der Jahre 2008 bis 2012 fordern.
s. auch http://www.welt.de/108843229

Vertragsärzte erhalten ein Honorarplus von 270 Millionen Euro (Ärzteblatt 30.08.2012)
Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat beschlossen, dass der Orientierungspunktwert vom 1. Januar 2013 an von derzeit 3,5048 auf 3,5363 Cent angehoben wird. Dieses ist eine Steigerung von 0,9 Prozent. Der unparteiische Vorsitzende des Erweiterten Bewertungsausschusses, der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem, hat sich bei der Abstimmung den Krankenkassen angeschlossen. Der Vorstandsvorsitzende der KBV Andreas Köhler protestierte vehement und forderte einen Inflationsausgleich und Ausgleich für die gestiegenen Praxiskosten ab 2008. Der jetzige Punktwert von etwa 3,5 Cent läge noch weit unter dem betriebswirtschaftlich kalkulierten Punktwert von 5,11 Cent.

GKV setzt unakzeptable Punktwertanpassung durch (Pressemitteilung des Hartmannbundes 30.08.2012)
Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Klaus Reinhardt, sprach von einem unannehmbaren Affront gegenüber den Ärzten und wies darauf hin "Es geht hier längst nicht mehr nur um Euro und Cent. Die Kassen planen grundsätzliche Weichenstellungen: Sie wollen die Gestaltungs- und Deutungshoheit im Gesundheitswesen."

Organspende - Ärzte wollen sich selbst beaufsichtigen (Ärzte Zeitung 9.08.2012)
Eine manipulationssichere Transplantationsmedizin sei das Ziel der ärztlichen Selbstverwaltung, so der Präsident der Bundesärztekammer Montgomery. Durch das Mehraugenprinzip und durch interdisziplinäre Konferenzen sowie ggfls. Entzug der Approbation solle das Ziel einer manipulationssicheren Transplantationsmedizin erreicht werden.
Zweifel an der Selbstkontrolle der Ärzte kamen von den Grünen, den Linken und der Patientenschutzorganisation Deutscher Hospizes-Stiftung, welche die Selbstkontrolle der Ärzte für unzureichend halten und eine staatliche Kontrolle wünschen. Diese wiederum wurde vom BÄK-Präsidenten Montgomery abgelehnt.

Kassen fordern Ausbau der sektorübergreifenden Qualitätssicherung (Ärzteblatt 22.08.2012)
Der GKV-Spitzenverband hat mehr Transparenz bei der Qualitätssicherung gefordert, und zwar in der stationären und in der ambulanten Versorgung. Der stationäre Bereich würde bislang durch das AQUA-Institut in Göttingen abgedeckt. Hingegen seien die niedergelassenen Ärzte bisher nicht verpflichtet, Qualitätsberichte zu veröffentlichen. Die Verantwortung für die Qualitätssicherung läge bei den Kassenärztlichen Vereinigungen. Diese wiederum meinen, die Verantwortung sei bei ihnen gut aufgehoben, denn in den KVen würden nur diejenigen Vertragsärzte tätig sein, die die notwendigen Qualifikationen nachweisen konnten.
Jetzt fordert der GKV-Spitzenverband eine sektorübergreifende Qualitätssicherung unter Einschluss der ambulanten Operationen. Auch die Wiederaufnahme nach stationärer Behandlung in ein und demselben Krankenhaus oder in einem anderen Krankenhaus soll dabei erfasst werden.

Kostenerstattung - NRW-Ärzte rühren Werbetrommel (Ärzte Zeitung 27.08.2012)
In Nordrhein-Westfalen haben sich verschiedene Ärztevereinigungen (Uro GmbH Nordrhein, GenoGyn, HNOnet NRW, Anästhesienetz NRW und orthonet-NRW) zum Aktionsbündnis Fachärztlicher Organisationen (AFO) zusammengeschlossen. Die AFO fordert ein Ende des Sachleistungssystems und eine praktikable Form der Kostenerstattung. Dazu sei Solidarität der Ärzte untereinander notwendig, so der Urologe Dr. Wolfgang Rulf, Ärztlicher Geschäftsführer der Uro GmbH Nordrhein.

SPD dringt auf Ende der Praxisgebühr (Ärzteblatt 29.08.2012)
Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Karl Lauterbach, fordert ein sofortiges Ende der Praxisgebühr. Denn diese habe keine gesundheitspolitische Funktion; außerdem würde sie die Ärmsten der Bevölkerung belasten, während die Krankenkassen gleichzeitig Überschüsse in großem Umfang anhäuften.
Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) plädiert für die Abschaffung der Praxisgebühr. Nur die Union hält noch an ihr fest.

Bedarfsplanung - Grenze zwischen Nordstaaten fällt (Ärzte Zeitung 22.08.2012)
Nach dem Willen der Vertreter der KVen von Hamburg und Schleswig-Holstein soll in Zukunft eine Bedarfsplanung nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Schon jetzt stamme jeder dritte Patient in einer Hamburger Arztpraxis nicht aus der Hansestadt. Auf der anderen Seite können Praxen in Hamburg nicht mehr nachbesetzt werden. Auch die Frage der Einrichtung von Zweigpraxen befindet sich unter den Forderungen der KVen.

Gutachten: Leistungsorientierte Vergütung von Ärzten stößt auf Skepsis (Ärzte Zeitung 21.08.2012)
Ein neues Gutachten der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) über das Instrument Pay for Performance (P4P) wird auf der Homepage des Bundesgesundheitsministerium (BMG) vorgestellt. Danach habe sich dieses Instrument nur in wenigen Nischen bewährt. Ein eindeutiger Beleg für die Wirksamkeit isolierter finanzieller Anreize stehe noch aus. In diese Richtung urteilt auch eine große Studie um Dr. Stephen Soumerai von der Harvard-Universität, der 470.000 Hypertonie-Patienten in 358 Praxen britischer Allgemeinärzte ausgewertet hatte. Dort konnte keine Qualitätssteigerung nachgewiesen werden.

Mehr Bürger stationär im Krankenhaus behandelt (Ärzteblatt 24.08.2012)
Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat die Daten für 2011 veröffentlicht: 2011 sind insgesamt 18,3 Millionen Patienten stationär behandelt worden, das waren etwa 300.000 Fälle mehr als im Jahr zuvor. Die Liegedauer betrug durchschnittlich 7,7 Tage, im Jahre 2010 noch 7,9 Tage. In den 2.041 Krankenhäusern wurden 502.000 Betten angeboten, davon 48,6 Prozent in Krankenhäusern eines öffentlichen Trägers.
Die Bettenauslastung betrug 77,3 Prozent und war damit etwas geringer als im Vorjahr (77,4 Prozent).

Privatversicherer

Erst wenn sich PKV und Ärzte einigen, will sich Regierung mit GOÄ befassen (Ärzteblatt 22.08.2012)
Der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn, erläuterte, dass die Koalition eine Einigung der Privaten Krankenversicherung (PKV) und der Ärzteschaft auf gemeinsame Grundsätze abwartet, bevor sie intensiver in die Neugestaltung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) einsteigt. Spahn verdeutlichte, dass sich das aktuelle System von PKV und Gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) ändern müsse. Falls hier keine Änderungen stattfinden, würde eine linke Mehrheit, die es in Deutschland wieder geben könnte, eine Einheitskasse einführen. Deshalb plädierte Spahn für Wettbewerb um Versorgungsangebote, um die Qualität der Versorgung und auch um den Preis.

Kabinettsentwurf: Mehr Rechte für privat Krankenversicherte (Ärzteblatt 29.08.2012)
Das Bundeskabinett hat einen Gesetzesentwurf verabschiedet, das privat Krankenversicherte mehr Rechte gegenüber ihren Krankenversicherungen erhalten sollen.
So müsse die Krankenversicherung bei Anträgen auf mindestens 2.000 Euro teure Heilbehandlung innerhalb von 4 Wochen entscheiden; in dringenden Fällen muss dieses sogar schon innerhalb von zwei Wochen geschehen.
Des Weiteren sollen die Privatversicherten Einsicht in ihre Krankenunterlagen auch bei den Krankenversicherern erhalten. Zum Beispiel sollen sie Zugang zu den Gutachten erhalten, die zur Prüfung einer Leistungspflicht von der Versicherung eingeholt wurden.
Außerdem wurde das Kündigungsrecht verbessert: Nach einer Beitragserhöhung kann der Versicherte innerhalb von zwei Monaten

Rechtliches

MVZ im Vorteil - Medi will notfalls bis zum EuGH (Ärzte Zeitung 6.08.2012)
Das Landgericht Mosbach hatte vor einiger Zeit geurteilt, dass eine Partnergesellschaft von Ärzten nicht gegen das Verbot der Zuweisung gegen Entgelt verstoße. Dieses Urteil wurde vom Oberlandesgericht Karlsruhe am 20. Juni kassiert. Gegen dieses Urteil will nun Medi klagen, entweder vor dem Bundesverfassungsgericht oder dem EUGH.
Der Ärztebund Medi und sein Vorsitzender Dr. Werner Baumgärtner fordern jetzt gleiche Rahmenbedingungen für die Honorarverteilung in Praxen wie in Kliniken und MVZs. Das Berufsrecht passe nicht mehr zu einem MVZ, aber die Bundesärztekammer wolle das nicht sehen. Der Medi-Chef sieht die eigentlichen Bremser bei den Zusammenschlüssen von Vertragsärzten in der Landesärztekammer und auch in der Bundesärztekammer.

Bundessozialgericht - Einzelpraxis nicht als GmbH (Ärzte Zeitung 15.08.2012)
Laut Urteil des Bundessozialgerichtes darf eine Einzelpraxis weder als GmbH noch als Limited oder andere Kapitalgesellschaft geführt werden (Az.: B 6 KA 47/11 R). Eine Praxis könne laut Sozialgesetzbuch nur eine natürliche Person sein, die Mitglied einer KV ist und deren "Disziplinargewalt" unterliegt.
Geklagt hatte ein Psychotherapeut, der mit seiner Frau eine Kapitalgesellschaft in Form einer britischen Limited gegründet hatte. Er argumentierte, dass ihm in der Einzelpraxis die gleichen Rechte wie einem MVZ zugestanden werden müssen. Dem widersprach das Bundessozialgericht.

Praxisgemeinschaften - Gemeinsame Patienten in Grenzen erlaubt (Ärzte Zeitung 15.08.2012)
Ein hoher Anteil gemeinsamer Patienten ist für Gemeinschaftspraxen typisch. Anders ist dies in einer Praxisgemeinschaft: Eine Patientenidentität von 50 Prozent könne laut dem Landessozialgericht (LSG) Niedersachsen-Bremen in Celle auf einen Missbrauch hinweisen; zwischen 20 und 50 Prozent müsse näher hingeschaut werden (Az.: L 3 KA 103/08).
Im vorliegenden Fall konnte die Ärztin darlegen, dass von 709 gemeinsamen Patienten 426 berechtigte Vertretungen und 28 "Bereitschaftsdienstfälle" waren; nur 255 Doppelungen (entsprechend 16 Prozent) könnten darauf hinweisen, dass Fehltage aufeinander abgestimmt waren.

Arzt aus Hessen zeigt Rabbiner wegen Beschneidungen an (Ärzteblatt 22.08.2012)
Ein Arzt aus Hessen hat jetzt einen Rabbiner wegen Beschneidung jüdischer Jungen und damit Körperverletzung bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Die Anzeige bezieht sich auf das umstrittene Urteil des Kölner Landgerichts.

Ethikrat: Beschneidung soll erlaubt sein - unter Vorbehalt (Ärzte Zeitung 23.08.2012)
Der Nationale Ethikrat hat sich darauf geeinigt: Religiöse Beschneidungen von Jungen sollen in Deutschland erlaubt sein - aber nur unter gewissen Bedingungen. Zu diesen Bedingungen gehöre die Aufklärung und Einwilligung der Eltern, die fachgerechte Durchführung und die Schmerzbekämpfung.
Die Vorsitzende des Ethikrates, Frau Professor Christiane Woopen, sprach sich für weitere Forschungen auf diesem Gebiet aus, denn die Datenlage zu Komplikationen der Beschneidung sei völlig unzureichend.

Praxisgebühr nicht als Sonderausgabe von Steuer absetzbar (Ärzteblatt 22.08.2012)
Der Bundesfinanzhof (BFH) hat entschieden, dass die Praxisgebühr nicht als Sonderausgabe von der Steuer abgesetzt werden könne (Az: X R 41/11). Es blieb offen, ob die Praxisgebühren als sogenannte außergewöhnliche Belastung in Form von Krankheitskosten geltend gemacht werden können.

BSG - Einmal-Instrumente nicht gesondert abzurechnen (Ärzte Zeitung 22.08.2012)
Das Bundessozialgericht (BSG) hat entschieden, dass in der entsprechenden Gebührenposition – hier Koloskopie – die Verwendung einer Mehrfachschlinge abgegolten sei. Deshalb sei es nicht zulässig, Einmalinstrumente zusätzlich abzurechnen.

BSG-Urteil - Richter verweisen GKV-Patient auf reguläre Chemotherapie (Ärzte Zeitung 26.08.2012)
Nach einem Urteil des Bundessozialgerichtes haben gesetzlich versicherte Patienten nur Anspruch auf eine reguläre Chemotherapie, es sei denn, der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hätte eine andere Methode empfohlen (Az.: B 1 KR 6/11 R).
Im vorliegenden Fall hatte der Ehemann der zwischenzeitlich verstorbenen Patientin die gesetzliche Krankenkasse zur Übernahme der Behandlungskosten von 77.700 Euro für eine Laserinduzierte Interstitielle Thermotherapie (LITT) sowie einer lokalen Chemotherapie (Transarterielle Chemoperfusion - TACP) verklagt. Die Patientin war vor der Behandlung aufgeklärt worden, dass die Krankenkasse die Behandlung nicht bezahlen würde.

Praxismanagement

So wird das iPhone zum Diktiergerät (Ärzte Zeitung 16.08.2012)
Der Philips SpeechExec Recorder erlaubt es iPhone-Benutzern, unterwegs aufgenommene Diktate als verschlüsselte Datei an eine automatisch generierte E-Mail anzuhängen und zu versenden.

Europa

Großbritannien - NHS-Gesundheitssystem soll exportiert werden (Ärzte Zeitung 21.08.2012)
Der staatliche National Health Service (NHS) will Teile des Dienstes in Zweigstellen, z. B. im Nahen Osten und den USA, exportieren. Dort sollen die entsprechenden Kliniken für Investitionen nur Geld verwenden dürfen, wenn sie es mit Privatpatienten verdient haben.

Allgemeines

Gegenentwurf zum Gelehrtenturm (Ärzte Zeitung 29.08.2012)
Die European Medical School (EMS) in Oldenburg öffnet im Oktober zu einer neuen Art von Uni-Medizin. Ein Verband von drei Oldenburger Krankenhäusern und mehreren Arztpraxen der Umgebung werden die neuen EMS-Professoren stellen, die überwiegend viel Erfahrung in der praktischen Medizin mitbringen. Dieses entspricht auch den Zielen der neuen Medizinschule, Medizin direkt und praxisnah zu lernen.

Termine

NARKA
21. – 23. September 2012, Aachen
Technologiezentrum am Europaplatz, Dennewartstraße 25 – 27, 52068 Aachen

Mitgliederversammlung des BAO
Am Sonntag, 23. 9. 2012, 11:30 Uhr, findet dort die Mitgliederversammlung des BAO statt.
Außerdem ist eine Sitzung zum fairen Verhältnis zwischen Operateur und Narkosearzt geplant.
Programm siehe http://www.narka.de/programm2012.php

BAO-Veranstaltung
Honorarärzte im Krankenhaus
3. November 2012, 10 Uhr
KV Berlin, Masurenallee 6, 14057 Berlin
näheres: http://www.operieren.de/content/e3472/e7507/e37715/

10th International Congress on Ambulatory Surgery
5-8 May, 2013
Budapest, Hungary
http://www.iaas2013congress.com/

Dr. Jörg Hennefründ, Prof. Dr. Jost Brökelmann, Redakteure BAO-Newsletter
Bundesverband für Ambulantes Operieren e.V. – BAO
Präsident Dr. med. Axel Neumann
Vereinsregister: Amtsgericht Bonn VR 6346
Sterntorbrücke 1, D-53111 Bonn
Tel.: 0228-692423, Fax: 0228-631715
E-Mail: baobonn@t-online.de
Internet: http://www.operieren.de

Helmsauer & Kollegen...
Der Spezialist für das Gesundheitswesen
Persönlicher Kontakt, Vertrauen und Stabilität stehen bei uns an erster Stelle, wenn es um die Beratung im Bereich der Versicherung, Betriebswirtschaft sowie der Abrechnung geht.
http://www.helmsauer-gruppe.de/

Die Helmsauer Gruppe führt auch Praxisbewertungen durch. Auf diesem Gebiet hat sie mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung.
Für BAO-Mitglieder wird derzeit ein Rabatt in Höhe von 20 % auf das Bewertungshonorar eingeräumt.
Tel. 0911-929203

Chirurgen Magazin + BAO Depesche

Heft 87, Ausgabe 1 – Februar 2018
Jubiläumskongress Ein nostalgischer Streifzug durch zwei Jahrzehnte Bundeskongress in Nürnberg
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Helmsauer Gruppe

Persönlicher Kontakt, Vertrauen und Stabilität stehen bei uns an erster Stelle, wenn es um die Betreuung unserer Kunden geht...
+ Kompetenz aus jahrzehntelanger Erfahrung + Spezialisierung auf Ihre Bedürfnisse + Mehrwerte über exklusive Rahmenverträge
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autsch!

autsch! Wenn Politik weh tut Politik drängt ambulante OP-Praxen ins Abseits.
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Partner PKG

Die Deutsche Praxisklinikgesellschaft (PKG) e.V. ist ein Zusammenschluss von Operationszentren, Tages- und Praxiskliniken und medizinischen Versorgungszentren, in denen ambulante und praxisklinische Operationen durchgeführt werden.
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Partner AND

Das AND e.V. als Zusammenschluss regionaler Anästhesie-Netze und –Genossenschaften vertritt auf Bundesebene Interessen der freiberuflich tätigen und niedergelassenen Anästhesisten.
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BVASK

Der Berufsverband für Arthroskopie e. V.
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