25.01.2012: BAO-Newsletter

Gesundheitspolitischer Newsletter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
vom 25. Januar 2012

Inhalt:
Mitteilungen des Präsidiums
Kommentierte Nachrichten
Nachrichten
Termine

Mitteilungen des Präsidiums

Einladung zum Jubiläumskongress vom 2. – 4. März 2012 in Nürnberg. Dort können wird das 20jährige Bestehen des BAO feiern.
Das Programm finden Sie online unter: http://www.operieren.de/content/e3472/e7507/e29521/

Die Anmeldung können Sie unter dem nachfolgenden Link vornehmen: https://217.7.28.19/Cosy-Online/BNC2012SO/Default.aspx

Besonders möchten wir Sie auf die vom BAO gestaltete Sitzung am Samstag 3.03.2012, 8:30 bis 10:30 Uhr unter dem Titel "20 Jahre BAO – Chirurgie und Anästhesie im Spannungsfeld ambulant/stationär" aufmerksam machen.

Samstagmittag, um 13.00 Uhr findet dann ein Empfang an unserem Stand statt. Treffen Sie alte Weggefährten, lassen Sie heroische Zeiten wieder aufleben, in denen wir - kritisiert und argwöhnisch beäugt - Pionierarbeit geleistet haben. Tauschen Sie neue Ideen aus und lassen Sie sich für die Zukunft neu motivieren!

Zu diesem Empfang können Sie sich anmelden unter:
http://www.operieren.de/content/e3472/e7507/e29961/

Jörg Hennefründ

Kommentierte Nachrichten

Arzt haftet nicht, wenn der Patient die Aufklärung nicht versteht (Arzt & Wirtschaft 1.12.2011)
Eine Patientin hatte gegen einen Arzt geklagt mit der Begründung, sie habe die Aufklärung nicht verstanden bzw. nicht richtig verstanden. Sie klagte deswegen auf Schadensersatz. Dem folgte das Oberlandesgericht (OLG) Koblenz nicht (Az.: 5 U 713/11). Die Patientin hätte bei der Aufklärung nachfragen müssen, wenn sie die Aufklärung nicht richtig verstanden hätte.
A&W Tipp: Aufklärungsgespräche sauber dokumentieren und ebenfalls dokumentieren, dass die Patientin die Möglichkeit hatte, Fragen zu stellen.
Kommentar RA Dr. Großbölting:
Der Tipp zur Dokumentation der individualisierten Aufklärung vor dem Hintergrund der diesbezüglichen Beweislast des Arztes im Streitfall gilt auch und insbesondere bei ausländischen Patienten. Denn Ausländer, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, müssen besonders sorgfältig aufgeklärt werden; notfalls unter Hinzuziehung eines anerkannten Dolmetschers (Kammergericht Berlin, Urteil vom 08.05.2008, Az.: 20 U 202/06). Weigert sich der ausländische Patient den Dolmetscher zu bezahlen, so bleibt die Informationspflicht des Arztes bestehen, d. h. die Aufklärung des ausländischen Patienten hat auf andere Art und Weise in verständlicher Form zu erfolgen.
Es besteht aber keine Verpflichtung sich mit ausländischen Patienten immer nur per Dolmetscher zu verständigen (Bundesgerichtshof Beschluss vom 18.09.2001, Az.: VI ZR 389/00). Es muss die (dokumentierte) Sicherheit gegeben sein, dass bei dem ausländischen Patienten ein ausreichendes Verständnis der deutschen Sprache vorhanden ist. Dies kann beispielsweise durch Kontrollfragen geschehen.

Anspruch und Ausbildung. Das, was von Chefärzten in Stellenanzeigen verlangt wird, findet man kaum in den Studien- und Weiterbildungsordnungen (Deutsches Ärzteblatt 108/49, 9.12.2011)
Eine Auswertung von Stellenanzeigen für Chefärzte zeigte, dass zukünftige Chefärzte nicht nur fachliche Expertise aufweisen sollen, sondern auch betriebswirtschaftliches Denken, Führungsfähigkeiten und soziale Kompetenz ausstrahlen sollen. In den Weiterbildungsordnungen sind letztere Qualifikationen nicht erwähnt.
Kommentar: Was für Chefärzte gilt, gilt ebenso für niedergelassene Ärzte, die ihr eigenes Unternehmen führen. Diese Kompetenzen in Betriebswirtschaft, Management und sozialem Engagement sollten nicht erst in der Weiterbildungsordnung, sondern schon während des Studiums im Ausbildungsplan stehen. Beim betriebswirtschaftlichen Denken wäre sogar zu überlegen, ob Haushaltsführung nicht schon während der Schulzeit gelehrt und geübt werden sollte. J.B

40 Prozent aller Krebserkrankungen vermeidbar (Ärzteblatt 7.12.2011)
Die Epidemiologen der Stiftung Cancer Research UK von der Universität London haben errechnet, dass sich etwa 40 % aller Krebserkrankungen auf einen ungesunden Lebensstil oder Umweltfaktoren zurückführen lassen.
Krebsverursacher Numero 1 ist Tabak, der für 23 % aller Krebserkrankungen bei Männern und 16 % aller Krebserkrankungen bei Frauen verantwortlich ist. An zweiter Stelle folgen häufig Ernährungsfehler, nämlich Mangel an Obst und Gemüse (um 6 % aller Krebserkrankungen). Es folgen Krebsrisiken am Arbeitsplatz (um 4 %), Alkoholkonsum (um 4 %), Übergewicht und Fettleibigkeit (etwas weniger als 4 %), exzessive Lichtexposition und Sonnenstudios (3,5 %) und weiter Infektionen (HPV, Hepatitis B und C), Verzehr rohen Fleisches, radioaktive Strahlung (Medizin, Flugreisen), eine ballaststoffarme Kost, Bewegungsmangel, der Verzicht auf das Stillen, Salz und die Hormonersatztherapie.

Wer im Alter lange schläft, ist weniger fit (Ärzte Zeitung 8.12.2011)
Die InCHIANTI-Studie mit Probanden über 65 Jahren kam zu dem Schluss, dass Langschläfer über die Zeit den stärksten körperlichen Abbau hatten (Sleep 34, 11, 2011, 1583). Verglichen wurden die Langschläfer mit Senioren, die maximal sieben bis acht Stunden schliefen. Kriterien für die Fitness waren Gehgeschwindigkeit und die Fähigkeit, 400 Meter zu gehen und Treppen zu steigen.
Kommentar:
Obwohl es gesicherte Erkenntnis ist, dass sich der eigene Lebensstil massiv auf die Krankheitshäufigkeit auswirkt, wird die gesellschaftliche Debatte um die Eigenverantwortlichkeit nicht zu Ende geführt. Konsequenterweise müssten Sonderabgaben auf schädliche Stoffe (Alkohol/Zigaretten) auch klar dem Gesundheitswesen und nicht der Rente zukommen. Auch Rabatte auf Krankenkassenbeiträge für gesundheitsbewusstes Verhalten müssten erweitert werden. Das Beispiel der Zahnpflege ist doch durchaus ermutigend, weil erfolgreich.
Leider passt die Forderung nach Eigenverantwortung immer noch nicht in dieses Land. Das hat nicht einmal etwas mit arm oder reich zu tun: Auch die Verluste aus Spekulationen der Reichen werden sozialisiert – siehe Subprime-Krise etc. Dabei lernt der Mensch nur, wenn er auch zu Rechenschaft gezogen wird – d.- h. für eingegangene Risiken auch wirklich selber haftet.
J. H.

Nachrichten (zusammengefasst von Jost Brökelmann)

Gesetzliche Krankenversicherung

Fachärzte jubeln: Ambulante Op ohne Deckel (Ärzte Zeitung 9.12.2011)
Nachdem Anfang 2011 durch das GKV-Finanzierungsgesetz eine Begrenzung des Mengenzuwachses bei ambulanten Operationen eingeführt wurde, wird dieses zum 1.1.2012 wieder rückgängig gemacht werden. Damit können ambulante Operationen wieder ungedeckelt und extrabudgetär durchgeführt werden.

Vereinbarung von Qualitätssicherungsmaßnahmen nach § 135 Abs. 2 SGB V zum ambulanten Operieren (Qualitätssicherungsvereinbarungen Ambulantes Operieren) vom 28.11.2011 (Deutsches Ärzteblatt vom 9.12.2011)
Dieses ist die Fortführung der Qualitätssicherungsvereinbarung vom 1.10.2006, die solange zur Anwendung kommen sollen, bis der G-BA für diesen Bereich Regelungen getroffen hat.

Chirurgen: Geringe Lebensqualität im Beruf (Schütze-Brief 1.12.2011)
96 % der deutschen Chirurgen lieben ihren Beruf und 77 % würden ihn auch wiederwählen. Dieses ist das Ergebnis einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), die in den Jahren 2008 und 2009 fast 3.000 Chirurgen befragt hat. Gleichzeitig klagen die Chirurgen aber auch über eine hohe Arbeitsbelastung und Arbeitsverdichtung und einen zu großen Anteil an Verwaltungsaufgaben. Für 95 % der Chirurgen ist das Privatleben von großer Bedeutung. Für Prof. Dr. Hartwig Bauer, DGCH-Generalsekretär, ist das Ergebnis eine Aufforderung an Ärzte, Verwaltungen, Krankenkassen und Krankenhausträger, die Arbeitsbedingungen für Chirurgen zu verbessern.

Krankenkassen fast vier Milliarden Euro im Plus (Ärzteblatt 6.12.2011)
Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) haben die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) in den ersten neun Monaten 2011 einen Überschuss von rund 3,9 Milliarden Euro erzielt. An diesem Überschuss sei hauptsächlich der Rückgang der Arzneimittelausgaben durch Rabattvereinbarungen und Festbeträge beteiligt.
Die Ausgaben für ambulante Behandlungen stiegen um 2,3 Prozent, diejenigen für Krankenhausbehandlungen um 4,2 Prozent. Laut Angaben des BMG hätten Zuwächse bei den Leistungsmengen zu diesem deutlichen Anstieg der Ausgaben der Krankenkassen geführt.

Köhler: Wir sollten eigene Konzepte entwickeln (Ärzteblatt 9.12.2011)
In einer Grundsatzrede hat Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), vor der Vertreterversammlung bekräftigt, dass die KVen trotz Sparrunden, Schuldenbremse und Haushaltssperren die ambulante Versorgung sicher durch die Krise gebracht haben. Die ambulante Versorgung habe sogar an Bedeutung hinzugewonnen, da mehr ältere und häufig chronisch kranke Menschen ärztliche Betreuung gebrauchten. Köhler betonte, dass im neuen GKV-Versorgungsstrukturgesetz (VStG) die Kassenärztlichen Vereinigungen als aktive Gestalter der Versorgung eingesetzt sind und damit an Bedeutung gewonnen haben. Deshalb müssten die KVen jetzt auch eigene Konzepte entwickeln, z. B. zu Finanzierungsgrundlagen des Gesundheitssystems. Hier wies Köhler darauf hin, dass private Krankenversicherungskonzerne sich bereits vom Geschäftsmodell einer Vollversicherung verabschiedet haben.
Köhler forderte die KVen auf, über eine stärkere Lenkung der Ausgaben u. a. über einen Katalog von Grund- und Wahlleistungen nachzudenken. Er sieht außerdem, dass die einheitliche Gebührenordnung, wie sie die SPD fordert, "die leidige Diskussion um angeblich Versicherte erster und zweiter Klasse obsolet" werden lassen könnte.

SPD will Bürgerversicherung (Ärzteblatt 6.12.2011)
Mit großer Mehrheit wurde vom Berliner SPD-Parteitag das Konzept einer Bürgerversicherung verabschiedet. Es soll in Zukunft nur noch die Bürgerversicherung als Krankenvollversicherung geben. Die Bürgerversicherung solle auch in der Pflege eingeführt werden. Es soll eine einheitliche Gebührenordnung für Ärzte geben, und Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung sollen abgeschafft werden.

SPD stimmt für Bürgerversicherung 2.0 (Deutsches Ärzteblatt Jg. 108, Heft 50)
Als Kernstück der Bürgerversicherung soll die Behandlung von Privatpatienten und gesetzlich Versicherten gleich vergütet werden. Dazu soll ein einheitliches Vergütungssystem geschaffen werden, das aus Elementen des einheitlichen Bewertungsmaßstabes und der Gebührenordnung für Ärzte erstellt werden soll.
Laut Karl Lauterbach, Gesundheitspolitischer Sprecher der SPD, soll das Gesamthonorarvolumen gleich bleiben. Dadurch müsste die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) bis zu drei Milliarden Euro mehr zahlen, was im Gegenzug zu Einsparungen bei der Privaten Krankenversicherung (PKV) führen würde.

Bürgerversicherung würde "Zwei-Klassen-Medizin" fördern (Arzt & Wirtschaft 9.12.2011)
Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Theodor Windhorst, glaubt, dass eine Bürgerversicherung à la SPD die "Zwei-Klassen-Medizin" eher fördern würde. Denn die Bürgerversicherung würde über die geplanten Budgetierungen den medizinischen Fortschritt behindern. Alle, die es sich leisten können, würden sich besondere medizinische Leistungen im zweiten Gesundheitsmarkt kaufen. Dieser würde schon heute jährlich 50 bis 60 Milliarden Euro groß sein. Auch für Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) gäben Patienten heute rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr aus.

Der Standpunkt: Wirklich solidarisch? (Ärzte Zeitung 9.12.2011)
Helmut Laschet, stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Gesundheitspolitik bei der Ärzte Zeitung, hält die Bürgerversicherung der SPD für "nicht-konsequent, schlimmstenfalls eine Missgeburt oder schlicht Populismus".
Zur Egalisierung von GOÄ und EBM: Grundsätzlich könne eine solche Egalisierung befürwortet werden, dann müssten aber auch alle Unterschiede zwischen dem GKV-Leistungssystem und dem GKV-Kostenerstattungssystem beseitigt werden. Die PKV müsste sich an den GKV-Spitzenverband als Vertragspartner der KBV anhängen. Es müssten alle Mengenbegrenzungen und Abstaffelungen auch für die Behandlung von Privatpatienten gelten und die Abrechnung der Privathonorare über die KVen laufen.
Zum solidarischen Arbeitgeberbeitrag: Dies sei eine Missgeburt, denn sie belastet diejenigen Arbeitgeber, die viele hochqualifizierte Arbeitskräfte beschäftigen, so z. B. auch Betriebe des Gesundheitswesens wie Krankenhäuser, Medizintechnik, pharmazeutische Industrie.
Zum Verweis auf Finanz- und Energiewirtschaft als tatsächlich oder vermeintlich kapitalintensive Branchen: Dies sei Populismus, denn die Energie- und Wasserwirtschaft sowie der Finanzsektor würden noch nicht einmal drei Prozent aller Erwerbstätigen beschäftigen. So sei in den Augen von Laschet kein tragfähiges Solidaritätsmodell aus.

Selbstverwaltung soll sich an eigene Nase fassen (Ärzte Zeitung 30.11.2011)
Der Kammerpräsident von Schleswig-Holstein, Franz-Joseph Bartmann, sieht die Bewältigung des Ärztemangels in erster Linie als eine Aufgabe der Selbstverwaltung: "Wenn wir nicht bessere Lösungen anbieten als die Politik, haben wir unseren Auftrag als Selbstverwaltung verfehlt", so der Kammerpräsident. Als mögliche Lösung schlug er arbeitsteiligere Kooperationsformen, Telemedizin und Aufkauf von Praxen durch die KVen vor.

Zweitmeinung ja, aber bitte nicht online (Ärzte Zeitung 7.12.2011)
Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) möchte Zweitmeinungen weiter ausbauen, aber nicht über Online-Portale. Diese seien ungeeignet, weil diese Zweitmeinungen ohne Begutachtung des Patienten erstellt werden.

Neues Anästhesie-Portal für Patienten gestartet (Ärzte Zeitung 7.12.2011)
Der Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA) hat eine neue Online-Patienteninformation gestartet (http://www.sichere-narkose.de). Dort werden Anästhesieverfahren und der Ablauf einer Narkose verständlich erklärt und Hinweise gegeben, wie sich ein Patient vor einer Anästhesie verhalten soll.

4,8 Millionen Beschäftigte im Gesundheitswesen (Ärzteblatt 15.12.2011)
Im Jahre 2010 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 4,8 Millionen Menschen im Gesundheitswesen beschäftigt. Das waren 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Die zusätzliche Arbeitsplätze verteilten sich folgendermaßen: um 8.000 Ärztinnen/Ärzte, um 14.000 Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger, 11.000 Beschäftigte in der Altenpflege und 25.000 zusätzliche Arbeitsplätze in den anderen Berufen des Gesundheitswesens (beispielsweise Verwaltungsfachleute und Reinigungskräfte).
In der ambulanten Gesundheitsversorgung arbeiteten 2010 rund 2,1 Millionen Beschäftigte und etwas weniger (1,9 Millionen) in der (teil-)stationären Gesundheitsversorgung.

Privatversicherer

Bahr fordert Kompromisse bei der GOÄ (Ärzte Zeitung 9.12.2011)
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr sagte den Ärzten bei einem Treffen der Ärztekammer Westfalen-Lippe, sie müssten zu Kompromissen bereit sein, wenn Sie noch in dieser Legislaturperiode eine Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) haben wollten. Käme ein Regierungswechsel, würde die SPD eine Einheitsgebührenordnung durchsetzen. "Wer glaubt, dass man mit einer Einheitsvergütung der Versorgung gerecht werden könne, der täuscht sich", so Bahr. Die Bürgerversicherung sei keine gute Zukunftsperspektive.

Rechtliches

Ärzte können auf eine stationäre Op bestehen (Ärzte Zeitung 5.12.2011)
Das Amtsgericht München hat entschieden, dass Ärzte nicht ambulant operieren müssen, wenn die heimische Nachsorge nicht sichergestellt ist (Az.: 273 C 9085/11).
Im vorliegenden Fall hat ein Arzt eine als ambulant geplante Operation abgesagt, weil der Patient keine Kontaktperson zu Hause habe; nach eigenen Angaben, würde er nicht mehr mit seiner Frau reden. Stationär wollte der Patient nicht bleiben. Nach der abgesagten Operation erhob der Patient Schadenersatz (1.200 Euro) für zwei Tage, an denen er als Selbständiger nicht arbeiten konnte. Diese Klage wurde vom Amtsgericht abschlägig beschieden.

Lauschangriff: Montgomery kritisiert Verfassungsgerichtsbeschluss (Ärzteblatt 7.12.2011)
Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), hat den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts scharf kritisiert, dass die Ermittlungsbehörden bei schweren Straftaten die Telefongespräche zwischen Ärzten und Patienten abhören dürfen (Az.: 2 BvR 236/08). Die Ärzte würden so höchstrichterlich zu Berufsgeheimnisträgern zweiter Klasse degradiert. Die in der Strafprozessordnung festgelegte Neuregelung der Telefonüberwachung gilt seit 2008. Danach dürfen Strafverteidiger, Geistliche, Abgeordnete und Rechtsanwälte generell niemals abgehört werden; Ärzte dagegen ja.

Praxismanagement

Chirurgen verordnen sich Zertifikate (Ärzte Zeitung 7.12.2011)
Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) hat jetzt Ergebnisse der Zertifizierung der letzten vier Jahre herausgegeben. 230 Kliniken haben das Zertifikat erhalten, 11 % bislang nicht. Das Zertifizierungsprogramm der DGAV setzt nicht auf Mindestmengen, sondern auf die Prozess- und Ergebnisqualität. So müssen z. B. bei der Rektumchirurgie Grenzwerte für Komplikationsraten oder Anastomosen-Heilungsstörungen erreicht werden.
Näheres s. http://www.dgav.de/zertifizierung.html

20.000 Ärzte nutzen KV-SafeNet (Ärzteblatt 14.12.2011)
KV-SafeNet ist ein von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) entwickeltes Sicherheitskonzept, um medizinische Daten elektronisch zu übermitteln. Dieses funktioniert zurzeit bei der Abrechnung an die Kassenärztliche Vereinigung und die Formularbestellung. Ab nächstem Jahr sollen auch Arztbriefe und der elektronische Austausch von Befunddaten mit Kollegen aus den Krankenhäusern vereinfacht werden. Es sei künftig auch möglich, KV-SafeNet als Infrastruktur für die elektronische Kommunikation im Rahmen von Selektivverträgen zu nutzen.

Trickfilme können Kindern OP-Angst nehmen (Ärzteblatt 21.12.2011)
Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) verweist auf eine Studie, nach der Trickfilme auch schwierige Kinder erfolgreich ablenken können und ihnen die Angst vor einer Operation und Narkose nehmen können ("Anästhesiologie Intensivmedizin Notfallmedizin Schmerztherapie" - AINS 2011; 46: 618-619). Noch bevor sich die Eltern verabschieden, kann das Kind einen beliebten Trickfilm auf einem Smartphone oder Tablet-PC sehen, dann wird auch die Trennung von den Eltern nicht so schwierig gesehen.

Europa

Europäischer Berufsausweis soll Arbeit im Ausland erleichtern (Ärzteblatt 14.12.2011)
EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier will einen Gesetzentwurf einbringen, wodurch die Mobilität von Fachkräften in der EU mithilfe von elektronischen Berufsausweisen gefördert werden soll. Solche Berufsausweise sollen das behördeninterne Anerkennungsverfahren vereinfachen und transparenter gestalten. Es soll Daten über die beruflichen Qualifikationen der Träger des Ausweises beinhalten. Die Berufsausweise werden auf freiwilliger Basis ausgestellt.

Slowakischer Ärztestreik zu Ende (kma 7.12.2011)
Der größte Ärztestreik in der Geschichte der Slowakei ist mit einem Kompromiss beendet worden. Die Regierung hat zugestimmt, die Ärztegehälter in drei Etappen um insgesamt ca. 500 Euro anzuheben. Ende November hatten 2.400 Ärzte gekündigt. Daraufhin musste die Regierung den Notstand ausrufen.

Slowakei übernimmt deutsches Fallpauschalensystem (Ärzteblatt 14.12.2011)
Die slowakische Regierung hat sich jetzt für das deutsche Fallpauschalen-System (G-DRG-System) als pauschalierendes Vergütungssystem im Krankenhaus entschieden. Dieses berichtete das InEK-Institut, das in Deutschland für die Einführung, Weiterentwicklung und Pflege des pauschalierenden Vergütungssystems im Krankenhaus verantwortlich ist.

Ein Thema - Zwei Meinungen - Videokonferenz statt Arztbesuch? (Apotheker plus 16.12.2011)
2012 soll in der Schweiz ein Modell erprobt werden, in dem eine virtuelle Kontaktaufnahme des Patienten zum Arzt unter Einbeziehung der Apotheken stattfindet. Dieses Modell soll eine bessere Gesundheitsversorgung in dünn besiedelten Gebieten ergeben. Im US-Bundesstaat Hawaii wird eine solche telemedizinische Plattforum mit Webcam und Sprachchat schon seit 2009 angeboten. Videokonferenzen finden auch bei uns schon in Kliniken zwischen behandelnden Ärzten statt, z. B. beim Austausch über Röntgenbilder oder medizinische Untersuchungsergebnisse. Bei dem neuen Modell ist ein Apotheker der Gatekeeper und muss sich deshalb eine Videokonferenzanlage anschaffen und eine gesonderte Qualifizierung durchlaufen.
Dieses Modell, bei dem der Apotheker der Gatekeeper ist, unterscheidet sich vom "Hausapothekenmodell", bei dem das Dispensierrecht auf niedergelassene Ärztinnen und Ärzte übertragen wird. Dieses Modell funktioniert bereits in Österreich und in der Schweiz.

Termine

Jahrestagung des BAO 2012 unter dem Motto 20 Jahre BAO!
2. – 4.03.2012 in Nürnberg
http://www.operieren.de/content/e3472/e7507/e29521/

Dr. Jörg Hennefründ, Prof. Dr. Jost Brökelmann, Redakteure BAO-Newsletter
Bundesverband für Ambulantes Operieren e.V. – BAO
Präsident Dr. med. Axel Neumann
Vereinsregister: Amtsgericht Bonn VR 6346
Sterntorbrücke 1, D-53111 Bonn
Tel.: 0228-692423, Fax: 0228-631715
E-Mail: baobonn@t-online.de
Internet: http://www.operieren.de

Helmsauer & Kollegen...
Der Spezialist für das Gesundheitswesen
Persönlicher Kontakt, Vertrauen und Stabilität stehen bei uns an erster Stelle, wenn es um die Beratung im Bereich der Versicherung, Betriebswirtschaft sowie der Abrechnung geht.
http://www.helmsauer-gruppe.de/

Chirurgen Magazin + BAO Depesche

Heft 88, Ausgabe 2 – Mai 2018
121. Deutscher Ärztetag Aufgewertet: Der Facharzt für Allgemeinchirurgie behält seinen Platz in der Versorgung
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Helmsauer Gruppe

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autsch!

autsch! Wenn Politik weh tut Politik drängt ambulante OP-Praxen ins Abseits.
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Partner PKG

Die Deutsche Praxisklinikgesellschaft (PKG) e.V. ist ein Zusammenschluss von Operationszentren, Tages- und Praxiskliniken und medizinischen Versorgungszentren, in denen ambulante und praxisklinische Operationen durchgeführt werden.
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Partner AND

Das AND e.V. als Zusammenschluss regionaler Anästhesie-Netze und –Genossenschaften vertritt auf Bundesebene Interessen der freiberuflich tätigen und niedergelassenen Anästhesisten.
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BVASK

Der Berufsverband für Arthroskopie e. V.
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