25.03.2009: BAO-MAO-Aktuell

BAO-MAO-Aktuell; Nr. 15/09, vom 25. März 2009
Nachrichten für Ambulante Operateure und Anästhesisten

Gesetzliche Krankenversicherung

Ärzteschaft: Bayerische Fachärzte protestieren gegen Honorarreform
Rund 8.000 bayerische Fachärzte haben am Dienstag aus Protest gegen die Honorarreform gestreikt. Damit waren im Freistaat etwa 80 Prozent der Facharztpraxen geschlossen, wie der Vorsitzende der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB), Thomas Scharmann, am Rande der zentralen Protestveranstaltung auf dem Münchner Marienplatz sagte. An der Kundgebung nahmen rund 500 Mediziner teil. Auf Plakaten beklagten sie erhebliche Einkommensverluste.
- Bei der derzeitigen Honorarregelung könnten nur noch solche Praxen überleben, die ausreichend Privatpatienten hätten, sagte Scharmann. Deshalb werde mit diesem Protesttag dafür gekämpft, "dass Kassenpatienten nicht zu Patienten zweiter Klasse werden". Derzeit bekämen Fachärzte teilweise pro Kassenpatient und Monat nur sechs Euro.
- Vor allem Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) stand in der Kritik.
- Der Kritik schloss sich auch Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) an, der als Redner auftrat. "Es muss klar sein, dass keiner weniger haben darf als vor der Reform", sagte Söder. Er forderte einen "Neustart im System statt einer sozialistischen Planwirtschaft", wie es Schmidt wolle.
Quelle: ddp/aerzteblatt.de Dienstag, 24. März 2009

Ärzteschaft: KV-Vorstände sind sozialversicherungspflichtig
Die Kassenärztlichen Vereinigungen müssen Sozialbeiträge für ihre Vorstände abführen. Das entschied am Donnerstag das Sozialgericht (SG) Berlin zur Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin. Sie seien weisungsgebunden und daher wie Arbeitnehmer zu behandeln, erklärte das Gericht zur Begründung (Az: S 72 KR 1620/07).
- Das Sozialgericht (...): Die KVen seien keine Unternehmen, sondern Körperschaften des öffentlichen Rechts. Ihre Vorstände seien weisungsgebunden und trügen keinerlei Unternehmerrisiko. Wie bei anderen Arbeitnehmern würden daher auch für sie die Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung fällig.
Quelle: afp/aerzteblatt.de Donnerstag, 19. März 2009

Hartmannbund: Teile der Körperschaften mit Situation überfordert
Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Prof. Dr. Kuno Winn, sieht die verfasste Ärzteschaft an einem toten Punkt. "Keine Abstimmung, keine Orientierung, kein Konzept", fasste Winn heute in Berlin das augenblickliche Erscheinungsbild zusammen. Es dränge sich mehr und mehr der Eindruck auf, als seien Teile der Körperschaften mit der von der Politik geschaffenen Situation überfordert. Scharf ging Winn auch mit Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigungen zu Gericht. "Statt die Ärmel hochzukrempeln und das von ihnen mit zu verantwortende Desaster anzupacken, gefallen sich Teile des Systems in Selbstauflösungserscheinungen", sagte Winn. Wer sich allerdings selber in Frage stelle, der werde – berechtigter Weise – auch von anderen in Frage gestellt.
- Der Hartmannbund-Vorsitzende kritisierte auch die in den letzten Wochen zu Tage getretene mangelhafte Abstimmung zwischen Kammer- und KV-System.
- Winn forderte die Ärzteschaft auf, sich zusammenzuraufen und sich endlich wieder gemeinsam gegen verheerende Entwicklungen in der Gesundheitspolitik zu stemmen. Auch diejenigen, die sich momentan als die Gewinner der aktuellen Situation sähen, würden schon bald merken, dass nur eine geeinte Ärzteschaft auf Dauer die Interessen des Berufsstandes wahren könne.
Quelle: Pressemitteilung des HB vom 17. März 2009 http://www.hartmannbund.de

"Wettbewerb: Politiker haben kein klares Konzept!"
Die Körperschaft Kassenärztliche Vereinigung befindet sich zurzeit in einem politisch bedingten Dilemma, beklagt der Vorsitzende der KV Nordrhein (KVNo) Dr. Leonhard Hansen.
"Sie verliert sukzessive ihre Zuständigkeiten, bleibt aber für alles verantwortlich", sagte Hansen auf dem "Gesundheitskongress des Westens" in Essen. Dieser Widerspruch zeige sich auch im Verhalten einiger Bundestagsabgeordneter, mit denen er als KV-Chef zu tun habe. Sie plädierten als Parteipolitiker in Berlin mit Nachdruck für die Stärkung des Vertragswettbewerbs und damit für eine Schwächung der KVen. "Als Abgeordnete für ihren Wahlkreis fordern sie von der KV, und nur von ihr, die schnellstmögliche Schließung lokaler Versorgungslücken."
Die Letztverantwortung für die flächendeckende Sicherstellung werde mehr denn je explizit von den KVen eingefordert, sagte Hansen. Das Problem dabei sei, dass sich das Honorar bereinigen lasse, der Sicherstellungsauftrag aber nicht.
- Den Widersprüchen liegt nach Hansens Einschätzung ein grundsätzliches Problem zugrunde: "Die Politik hat diffuse Erwartungen, aber kein stringentes Konzept zur Rolle des Wettbewerbs im Gesundheitswesen."
Quelle: Ärzte Zeitung, 18.03.2009

Länder blasen zum Frontalangriff auf Paragraf 73b
Acht Bundesländer haben sich im Bundesrat für eine Abschaffung des Quasi-Vertragsmonopols des Deutschen Hausärzteverbandes nach Paragraf 73b ausgesprochen.
Nach Informationen der "Ärzte Zeitung" stimmten am Mittwoch sechs Länder im Gesundheitsausschuss des Bundesrates einem entsprechenden Antrag aus Hessen und Baden-Württemberg zu.
- Nach geltendem Recht müssen die Kassen bis zum 30. Juni Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung aushandeln.
Quelle: Ärzte Zeitung, 18.03.2009

Hausarztzentrierte Versorgung: Monopol ohne öffentlichen Auftrag und Kontrolle
Hausarztverträge nach den Vorgaben des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Organisationsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-OrgWG) gibt es bisher nur in Bayern und Baden-Württemberg. Es handelt sich hier um "Vollverträge" mit dem Ausstieg der Hausärzte aus dem Kollektivvertragssystem.
- Diese Verträge haben im AOK-System nördlich der Main-Linie und bei den übrigen Kassenarten in Deutschland nur wenig Befürworter. Die Verdoppelung der Vergütung der Hausärzte wird hier nicht für finanzierbar gehalten. Zugleich sträuben sich die Krankenkassen gegen die Übertragung der Versorgungsaufgabe auf einen Ärzteverband.
- "Die Begleitumstände beim § 73b SGB V sehen wir nicht mit Begeisterung", zitiert die "Ärztezeitung" Franz Knieps, Leiter der Abteilung "Gesundheitsversorgung" im Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Knieps bezweifelt, dass "ein Monopol ohne öffentlichen Auftrag und Kontrolle" auf Dauer hinnehmbar sei.
Quelle: Schütze-Brief • Gesundheitspolitischer Info-Dienst 16.03.2009 Nr. 21/2009, 4-5

Barmer-Chef übt scharfe Kritik an Ärzteprotesten
Die Barmer-Ersatzkasse hat die Proteste der Ärzte gegen die neue Honorarregelung scharf kritisiert. "Ich verstehe die Proteste nicht", sagte Barmer-Chef Johannes Voecking der "Berliner Zeitung" vom Montag. "Im Jahr 2007 haben die Ärzte 25,5 Milliarden Euro bekommen, im Jahr 2009 werden es rund 30,5 Milliarden sein. Das sind 20 Prozent mehr." Solche Steigerungen habe es in keiner Branche in Deutschland gegeben.
- Inakzeptabel sei auch das Verhalten von Ärzten, die von ihren Versicherten Vorkasse verlangt haben. "Dieses Verhalten ist vertrags- und rechtswidrig", kritisierte der Barmer-Chef. "Da müssen disziplinarische Schritte eingeleitet werden. Bei massiven Verstößen bis zum Entzug der Kassenzulassung."
Quelle: ddp/aerzteblatt.de Montag, 23. März 2009

KV Niedersachsen: Sinkende RLV sind kein "Untergang"
"Die Ärztegenossenschaft ignoriert die Fakten", sagte ein Sprecher der KV Niedersachsen der "Ärzte Zeitung". Die Genossenschaft Niedersachsen Bremen (ägnw) hatte bei mehreren Arztgruppen einen Rückgang der Regelleistungsvolumen von bis zu 15 Prozent festgestellt und für Ende April Proteststreiks angekündigt.
- "Die im RLV zugrunde gelegten Fallwerte sind nicht mit den Fallwerten aus der alten Honorarwelt zu vergleichen", erklärte dazu die KVN.
- Die RLV machen nur einen Teil des Praxishonorars aus, betonte die KV und erinnerte an extrabudgetäre Leistungen ohne Mengenbeschränkungen. Das rechnerische Vergütungsvolumen einer Fachgruppe auf Basis des Jahres 2007 werde wegen der Verschiebung bei den Osterferien durch eine untypisch hohe Fallzahl im Jahr 2008 dividiert - so ergäben sich die sinkenden RLV-Fallwerte.
Quelle: Ärzte Zeitung, 23.03.2009

Saarland fordert Denkpause bei E-Card
Die Ärztekammer Nordrhein bekommt für ihre Forderung nach "Denkpause" bei der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) jetzt auch Unterstützung aus dem Saarland.
- Nach Einschätzung der Vorsitzenden des Gesundheitsforums Saar, Dr. Els Glatz-Noll, sind die bisherigen Ergebnisse aus der Testphase mit der neuen Karte "katastrophal". "Der bürokratische Aufwand in den Praxen wurde nicht reduziert, sondern dramatisch erhöht", erklärte sie. Hauptgrund dafür sei, dass Arzt und Patient bei der Anmeldung jeweils PIN-Nummern eingeben müssen, um die Sicherheit des Systems zu gewährleisten. Beim Test in Schleswig-Holstein seien aber binnen drei Monaten 75 Prozent der Karten wegen falscher PIN -Eingaben gesperrt worden.
Quelle: Ärzte Zeitung, 20.03.2009

Auch bei Defizit - Ärzte sind vor der Krise geschützt
Die Wirtschaftskrise tangiert möglicherweise auch das Gesundheitswesen. Staatliche Liquiditätsgarantien schützen allerdings die Krankenkassen effektiv vor Einnahmenausfällen. - Völlig geschützt vor konjunkturellen Risiken sind die Vertragsärzte. Anders als in der bis Ende vergangenen Jahres geltenden Honorarsystematik, bei der sich Steigerungen nach der Veränderung der Grundlohnsumme richteten, haben die Ärzte nun Anspruch auf eine morbiditätsbedingte Gesamtvergütung sowie zusätzlich weitere Einzelleistungs-Vergütungen. Das gilt auch für die Zukunft.
Quelle: Ärzte Zeitung, 24.03.2009

Weniger Leistungen, aber höhere Beiträge
Vom Gesundheitsfonds erwarten die meisten gesetzlich Versicherten nichts Gutes: eine eher schlechtere Versorgung, die aber mehr kosten wird.
82 Prozent der GKV-Versicherten gehen davon aus, dass der Fonds zu höheren Zuzahlungen für die Patienten führen wird, 75 Prozent rechnen mit steigenden Beitragssätzen und 74 Prozent mit einer im Vergleich zu Privatpatienten zunehmend schlechteren medizinischen Versorgung. Die größte Skepsis gibt es dabei bei den über 60-Jährigen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der DAK in Nordrhein-Westfalen. Einbezogen waren 1.003 Personen über 18 Jahren.
Insgesamt 65 Prozent der Befragten glauben, dass durch den Gesundheitsfonds Leistungen der Krankenkassen gestrichen werden. 59 Prozent gehen davon aus, dass sich die Wartezeiten auf einen Termin beim Arzt oder bei Operationen verlängern werden. Mit einer Verschlechterung der Behandlungsqualität rechnen 52 Prozent.
Quelle: Ärzte Zeitung, 24.03.2009

Neuer Rekord: Generikaquote erreicht 87 Prozent
Die Generikaquote im generikafähigen Markt hat im Januar einen neuen Rekord erreicht. In 87 von 100 Fällen gaben Apotheker statt des Originals ein Generikum ab, teilte der Branchenverband Progenerika am Freitag mit.
- Im Januar dieses Jahres beliefen sich die Einsparungen durch Generika laut Verband auf eine Milliarde Euro. Für das Gesamtjahr 2008 hat Progenerika durch die Substitution von Originalen eine Ersparnis von elf Milliarden Euro errechnet.
Quelle: Ärzte Zeitung, 23.03.2009

Gesundheitsfonds wird für Arztpraxen zur substanziellen Bedrohung
Der zu Anfang des Jahres gestartete Gesundheitsfonds bedroht jede dritte Arztpraxis in ihrer Existenz. Das sagen 54 Prozent der Medizinexperten, die von der Privatärztlichen VerrechnungsStelle Baden-Württemberg (PVS-BW) für die Studie "Wirtschaftliche Lage der Ärzte und medizinische Versorgung der Patienten nach der Einführung des Gesundheitsfonds" befragt wurden.
- Für Dr. Peter Weinert, Hauptgeschäftsführer der PVS-BW, zeigen die Ergebnisse der Studie, wie ernst die Lage auch für Patienten ist. "Mit der Ökonomisierung des Gesundheitswesens laufen wir sehenden Auges in einen Ärztemangel hinein, den auch die Patienten zu spüren bekommen. Denn ist die flächendeckende Versorgung mit Haus- und Fachärzten nicht mehr gegeben, müssen sich viele Patienten von der wohnortnahen Versorgung und der freien Arztwahl verabschieden und eine lange Fahrt in das nächste medizinische Versorgungszentrum in Kauf nehmen", so Weinert.
Quelle: Ärzte Zeitung online, 12.03.2009

Privatversicherer

GOÄ: Die Vorbereitungen gehen weiter
"Wir begrüßen den Stopp der GOZ-Novelle ausdrücklich", so der Vorsitzende des Ausschusses "Gebührenordnung" der BÄK, Dr. Franz Godomski, nach dem (vorläufigen) Scheitern der Verhandlungen zwischen dem BMG und der Bundeszahnärztekammer (BZÄK).
- Im Zentrum der Kritik steht bei den Ärzten und den Zahnärzten die für die Privatgebührenordnungen geplante "Öffnungsklausel" für Verhandlungen mit den Unternehmen der privaten Krankenversicherung (PKV).
Die BÄK geht davon aus, dass das Projekt der Erarbeitung eines GOÄ-Entwurfs noch im Laufe dieses Jahres - spätestens 2010 - abgeschlossen werden kann. Die BÄK strebt an, die GOÄ im Sinne einer robusten Referenzgebührenordnung weiterzuentwickeln - mit einer systemübergreifenden Orientierungsfunktion für die Vergütung ärztlicher Leistungen.
Die neue GOÄ wäre damit eine Alternative zum Bewertungsmaßstab für die ärztlichen Leistungen, sofern es dem Bewertungsausschuss bei den anstehenden Reparaturarbeiten nicht gelingen sollte, allgemeine Akzeptanz für die GKV-Gebührenordnung bei Ärzten und Krankenkassen zu finden.
Quelle: Schütze-Brief • Gesundheitspolitischer Info-Dienst 23.03.2009 Nr. 23/2009, 11

Rechtliches

Ärzte dürfen von GKV-Patienten keine Zuzahlung verlangen
Ein Arzt darf von einem gesetzlich Versicherten keine Zusatzzahlung für die Behandlung verlangen. Dies hat das Bundessozialgericht (BSG) in verschiedenen Urteilen (Az.: B 6 KA 54/00 R; 36/00 R; 67/00 R) eindeutig unterstrichen.
- Nach Auffassung des BSG dürfen Ärzte abgesehen von gesetzlichen Ausnahmen bei Massagen, Bädern und Krankengymnastik keine Zuzahlung verlangen. Auch dürfen gesetzlich Versicherte nicht von Leistungen ausgeschlossen werden, die ausschließlich für Privatpatienten entwickelt wurden. Der derzeitige Aufruf, gesetzlich Versicherte nur gegen Vorkasse zu behandeln, ist demnach ein Aufruf, sich vertrags- und damit rechtswidrig zu verhalten.
Der gesetzlich Versicherte hat einen Anspruch auf die ihm vertraglich zugesicherte Leistung. Die freiwillige Teilnahme des Arztes am Versorgungsvertrag verpflichtet ihn, die vereinbarten Leistungen zu erbringen. Es steht ihm jederzeit frei, den vertragsärztlichen Bereich zu verlassen und durch Rückgabe seiner Kassenzulassung den Vertrag zu kündigen. Jedes andere Verhalten ist eine Vertragsverletzung im Sinne der gesetzlichen Regelungen.
Quelle: A&W-Newsletter - 23. März 2009

Verfassungsgericht: Sterilität ist keine Krankheit
Krankenkassen müssen für künstliche Befruchtungen nur die Hälfte der Kosten tragen. Sterile Paare haben keinen Anspruch auf einen höheren Zuschuss, entschied das Bundesverfassungsgericht in einem am Donnerstag in Karlsruhe veröffentlichten Beschluss. Zur Begründung erklärte das Gericht, Sterilität sei keine Krankheit (AZ: 1 BvR 2982/07).
Quelle: afp/aerzteblatt.de Donnerstag, 19. März 2009

Magenband-Op als Kassenleistung möglich
Solange keine entsprechende Empfehlung des Gemeinsamen Bundesausschusses vorliegt, dürfen gesetzliche Krankenkassen Kosten, die durch eine ambulante Magenband-Operation entstanden sind, nicht übernehmen.
- Die Krankenkasse darf allerdings stationär vorgenommene Operationen dieser Art nicht generell ablehnen. Dies geht aus einem Urteil des Bundessozialgerichts hervor. Da es Krankenhäusern "nicht generell verboten ist, neue Behandlungsmethoden auf Kosten der Krankenkassen anzuwenden, solange der Bundesausschuss keine negative Beurteilung abgegeben hat".
Die Methoden müssen aber dem "allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse genügen, und Krankenhausbehandlung muss erforderlich sein".
Az.: B 1 KR 2/08 R
Quelle: Ärzte Zeitung, 23.03.2009

Aufhebungsvertrag statt Kündigung
Statt einem Praxismitarbeiter wegen dessen Verfehlungen zu kündigen, kann diesem auch vorgeschlagen werden, einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben. Diesen Vorschlag dürfen Praxischefs mit dem Hinweis verbinden, dass dem Angestellten andernfalls gekündigt wird. Nach einem Urteil des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz handelt es sich in diesem Fall nicht um eine widerrechtliche Drohung.
Unterschreibt der Praxismitarbeiter den Aufhebungsvertrag, kann er später also nicht darauf drängen, dass dieser Vertrag wegen arglistiger Täuschung wieder aufgehoben wird. Selbst dann nicht, wenn der Arbeitgeber zusätzlich angemerkt hat, dass sich der Aufhebungsvertrag im Lebenslauf des Mitarbeiters besser als eine arbeitgeberseitige Kündigung mache, so das Gericht.
Az.: 2 Sa 448/08
Quelle: Ärzte Zeitung, 19.03.2009

LSG bestätigt Zertifizierungspflicht für Arzt-EDV
Das Landessozialgericht (LSG) Berlin-Brandenburg hat die Zertifizierungspflicht für Praxissoftware bestätigt. Sie sei im Interesse des Gemeinwohls gerechtfertigt, heißt es in einem kürzlich in Potsdam bekannt gegebenen Eilbeschluss.
- Krankenkassen und Ärzte haben sich auf ein Anforderungsprofil für die von den Ärzten verwendeten Programme geeinigt. Unter anderem darf danach hinter einer Werbung keine Funktion liegen, die unmittelbar zu einem Eintag auf dem Rezept führt. Die Verwendung nicht-zertifizierter Programme kann nach KBV-Angaben von der jeweiligen KV sanktioniert werden.
Az.: L 7 B 57/08 KA ER, L 7 B 115 KA ER
Quelle: Ärzte Zeitung, 23.03.2009

Praxismanagement

In immer mehr MVZ arbeiten nur noch angestellte Ärzte
Mehr als 5.000 Ärzte arbeiten inzwischen in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Das geht aus der neuesten MVZ-Statistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hervor.
Zu Beginn des dritten Quartals 2008 waren 5.183 Ärzte in MVZ tätig, davon inzwischen mehr als drei Viertel (76 Prozent) im Angestelltenverhältnis. Immer häufiger entscheiden sich MVZ, nur mit angestellten Ärzten oder mit angestellten und Vertragsärzten zu arbeiten. Die Zahl der MVZ, in denen ausschließlich Vertragsärzte tätig sind, stagnierte zuletzt.
Mehr als die Hälfte der insgesamt 1.152 MVZ werden von Vertragsärzten getragen (54,6 Prozent). Ein gutes Drittel ist in der Trägerschaft von Krankenhäusern (37,2 Prozent). Erneut gab es 64 Neugründungen. Das entspricht ungefähr dem bisherigen Durchschnitt. Kaum geändert hat sich die durchschnittliche Größe der MVZ mit 4,5 Ärzten pro Einrichtung. Quelle: Angela Misslbeck. Ärzte Zeitung, 19.03.2009

Ärztenetze: Das Geheimnis des Erfolgs
Vernetzung ist das Zukunftsthema für Ärzte. Doch der Erfolg eines Ärztenetzes stellt sich nicht von alleine ein. Vier Praktiker - vom Hausarzt bis zum Kassenvertreter - verraten, worauf zu achten ist.
Endlich wieder Zeit haben, um wirklich als Arzt tätig zu sein. Den Patienten eine bessere medizinische Versorgung bieten zu können. Und eine bessere Vergütung für die eigene Leistung zu erhalten. Nur ein paar Gründe, weshalb gerade niedergelassene Ärzte zunehmend erkennen, dass die Vernetzung mit Kollegen und auch anderen Leistungserbringern im Gesundheitswesen wichtiger wird. Zumal die Bereitschaft der Krankenkassen, direkt Verträge mit Ärztenetzen abzuschließen, steigt.
Der Hausarzt
Ziel eines erfolgreichen Netzes ist aus Sicht des Hausarztes Dr. Franz-Joachim Weyers eine verbesserte Patientenversorgung bei verbesserter Vergütung der einzelnen ärztlichen Leistung. Damit die Einzelleistung besser bezahlt wird, muss "bei gleich bleibender Behandlungsqualität die Anzahl der ärztlichen Leistungen sektorenübergreifend reduziert werden", so Weyers, der dem Vorstand des Ärztenetzes Doc-net Wesel vorsitzt. Der Facharzt
"Netze brauchen eine professionell gestaltete Marke." Dr. Alwin Weber Geschäftsführer UNO, Michelstadt
Damit Ärzte mit einer Netzidee Erfolg haben, sind laut Dr. Alwin Weber, Geschäftsführer der 2006 gegründeten UNO - Urologische Netzwerk Organisation - drei Faktoren wichtig: Dachmarkenbildung, Außendarstellung und Marktführerschaft. Deshalb setzt UNO auf eine professionell gestaltete Marke. "Definierte Inhalte, Qualitätssicherung, Verbindlichkeit und Vernetzung sind die Grundvoraussetzungen, damit ein Netz wahrgenommen wird." Darauf hat das Kernnetz von UNO aus acht Urologie-Praxen mit elf Ärzten vier Jahre lang hingearbeitet. Sie arbeiten mit Gynäkologen, Chirurgen und einem Beckenbodenzentrum zusammen. Um eine hohe Verbindlichkeit zu erreichen, hat UNO als Organisationsform eine Partnerschaftsgesellschaft gewählt, bei der gegenseitige Haftung ausgeschlossen ist. Inhaltlich strebt das Netz eine flächendeckende Kontinenzversorgung in der Region Michelstadt/Odenwald an. Die Zusammenarbeit mit Kostenträgern soll in Verträgen nach §73c geregelt werden.
Der Manager
Ein erfolgreiches Netz außerhalb der Medizin ist aus Sicht von Dr. Felix Cornelius, Stratege in der Geschäftsführung der Polikum MVZ Gruppe Berlin, der Zusammenschluss verschiedener Fluglinien in der Star Alliance. Der Grund für den Erfolg sei der Mehrwert für den Kunden. "Aus meiner Sicht sind die meisten Netze auf Vorteile der Ärzte und der Krankenkassen gegründet." Entscheidend seien aber die Vorteile für Patienten. Als Beispiele nennt er gemeinsame Kernsprechzeiten aller Ärzte und eine abgestimmte Versorgung. Der Erfolg eines Netzes bemesse sich für den Arzt an verbesserter Wirtschaftlichkeit, Arbeitsteilung und Zukunftssicherheit. Für den Patienten erscheine ein Netz dann erfolgreich, wenn es Qualität, Service und Einsparungen biete. Die Krankenkassen würden vor allem erwarten, dass die Kosten der Versorgung unter den Zuweisungen aus dem Risikostrukturausgleich bleiben. Ein solches Modell will das Polikum nun in Kooperation mit Arztpraxen als "Care Alliance" aufbauen.
Der Kassenvertreter
Fünf "Hygienefaktoren" für erfolgreiche Netze aus Sicht der Krankenkassen hat Matthias Grün, Abteilungsleiter Integrierte Versorgung der AOK Hessen, ausfindig gemacht. An erster Stelle steht dabei ein sinnvolles medizinisches Konzept.
- Ein erfolgreiches Netzprojekt muss aus Kassensicht zudem für die Versicherten attraktiv sein.
Quelle: Ärzte Zeitung, 19.03.2009

Manager fürs Gesundheitswesen
An der Bergischen Universität Wuppertal werden in Zukunft Manager für das Gesundheitswesen ausgebildet. Das hat vor kurzem der nordrhein-westfälische Wissenschaftsminister Professor Andreas Pinkwart angekündigt.
Ein interdisziplinäres Zentrum für Gesundheitsmanagement und Public Health, das Bergische Kompetenzzentrum für Gesundheit, wird Bachelor- und Masterstudiengänge anbieten.
Quelle: Ärzte Zeitung, 24.03.2009

apoBank rät Niedergelassenen zu Kooperationen
Eine Kreditklemme gibt es bei der Ärzte- und Apothekerbank (apoBank) nicht. Die Zukunft besonders der fachärztlichen Einzelpraxen sieht die Genossenschaftsbank aber unter keinem guten Stern. Sie rät Ärzten deshalb zur Kooperation mit Kollegen.
- Für niedergelassene Ärzte werde es immer wichtiger, Kosten zu senken und Einnahmen zu generieren. Dafür böten sich zum Beispiel die räumliche Konzentration und Kooperation mit Kollegen in einem Arztzentrum an. Erfahrungen zeigten, dass sich in einem solchen Ärztehaus gegenüber der Einzelpraxis Kosten von 30 Prozent einsparen ließen. Diese Synergieeffekte seien durch die gemeinsame Gerätenutzung und Personalplanung möglich.
Quelle: Ärzte Zeitung, 18.03.2009

Europa

EDV-Vernetzung sorgt bei britischen Ärzten für Probleme
Immer neuer EDV-Ärger für britische Hausarztpraxen und Krankenhäuser: Wie kürzlich bekannt wurde, stürzt das neue Computerdatenverarbeitungs-System des staatlichen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) offenbar regelmäßig ab. Allein 2008 crashte das System laut Medienberichten "ein dutzend Mal".
Der "NHS Super-Computer", wie er vom Londoner Gesundheitsministerium genannt wird, soll alle staatlichen Primärarztpraxen, Kliniken und ambulanten Versorgungsstellen elektronisch verbinden.
Allerdings kritisieren die Ärzte die Unzuverlässigkeit des Systems. Zahlreiche große Kliniken wie das Royal Free Hospital (London) und das Ipswich Hospital (Suffolk) mussten in jüngster Zeit "dutzende Operationen kurzfristig absagen", da der NHS-Computer wieder einmal abgestürzt war.
Quelle: Ärzte Zeitung, 24.03.2009

Allgemeines

Einkommen blieben 2008 hinter Inflation zurück
Arbeitnehmer in Deutschland mussten auch 2008 Verluste beim Realeinkommen verkraften. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes stiegen die Bruttoverdienste 2008 um 2,3 Prozent, die Inflation betrug 2,6 Prozent.
Den im Vergleich zu den höheren Tarifabschlüssen (2,8 Prozent) geringeren Anstieg begründeten die Statistiker mit dem Abbau von Überstunden und mehr Kurzarbeit seit Einsetzen der Wirtschaftskrise.
Quelle: Ärzte Zeitung, 20.03.2009

Archiv: Alle früheren Ausgaben des BAO-MAO-Aktuell können Sie unter
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Prof. Dr. Jost Brökelmann, Redakteur BAO-MAO-Aktuell
Bundesverband für Ambulantes Operieren e.V. – BAO
Präsident Dr. med. Jörg-A. Rüggeberg
Vereinsregister VR 6346
Managementgesellschaft Ambulantes Operieren – MAO
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Chirurgen Magazin + BAO Depesche

Heft 88, Ausgabe 2 – Mai 2018
121. Deutscher Ärztetag Aufgewertet: Der Facharzt für Allgemeinchirurgie behält seinen Platz in der Versorgung
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Helmsauer Gruppe

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autsch!

autsch! Wenn Politik weh tut Politik drängt ambulante OP-Praxen ins Abseits.
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Partner PKG

Die Deutsche Praxisklinikgesellschaft (PKG) e.V. ist ein Zusammenschluss von Operationszentren, Tages- und Praxiskliniken und medizinischen Versorgungszentren, in denen ambulante und praxisklinische Operationen durchgeführt werden.
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Partner AND

Das AND e.V. als Zusammenschluss regionaler Anästhesie-Netze und –Genossenschaften vertritt auf Bundesebene Interessen der freiberuflich tätigen und niedergelassenen Anästhesisten.
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BVASK

Der Berufsverband für Arthroskopie e. V.
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