Die Auswirkung von Ärzte-Kooperationen auf das Kreditrating

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Zum 1.1.2007 sind die Vorschriften von Basel II für die Banken verpflichtend geworden. Folge ist eine restriktivere Kreditvergabepolitik und die Notwendigkeit, die Bank mit detaillierten Informationen im Kreditvergabeprozess zu unterstützen, um eine positive Auswirkung auf die Kreditkonditionen zu erzielen.
Zur Beurteilung der Auswirkung von Kooperationen zwischen Ärzten (Berufsausübungsgemeinschaft, MVZ usw.) auf das Kreditrating, ist zwischen den Einflüssen auf das qualitative und das quantitative Rating zu unterscheiden, aus denen das Gesamtrating besteht. Das quantitative Rating umfasst dabei die Analyse von Kennzahlen zur Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Praxis. Das qualitative Rating bildet dagegen das interne und externe Umfeld der Praxis in Bezug auf Kontoführung, Managementqualtität, Leistungsangebot, Standort, Branchenbeurteilung sowie Organisationsstrukturen, Risikomanagement u.ä. ab.

Das quantitative Rating

Beim quantitativen Rating wirkt sich eine durch die Kooperation gestärkte Kapitalbasis positiv aus. Zur Verbesserung der Eigenkapitalquote sollten Gewinne in der Praxis belassen werden und die Verlagerung von Gewinnen in den Privatbereich vermieden werden. Gegenüber Einzelpraxen besteht der Vorteil einer prozentualen Absenkung der Fixkosten, der Implementierung effizienterer Strukturen sowie der Nutzung von Synergien.
Diese erhöhte Rentabilität und Effizienz hat auf das Rating entscheidenden Einfluss.

Das qualitative Rating

Die sogenannten weichen Ratingfaktoren zielen darauf ab, die langfristige Kapitaldienstfähigkeit der Praxis anhand des organisatorischen Umfeldes, der Marktstellung und –aussichten sowie der Managementqualität zu analysieren.

Zur Verbesserung des qualitativen Ratings sollte die Gründung der Berufsausübungsgemeinschaft dazu genutzt werden, um die Organisationsstrukturen in der Arztpraxis zu überdenken, anzupassen, zu dokumentieren und Schwachstellen aufzudecken. In diesem Rahmen ist auch das Qualitätsmanagement eine hilfreiche Basis. Qualitätsmanagement ist somit nicht nur lästig, sonder wirkt sich durch ein besseres Kreditrating auch auf die Kreditkonditionen aus.
Mit der Größe der Praxis wachsen die Anforderungen an die Strukturierung von Arbeitsabläufen. Standardisierte Strukturen führen neben einer unmittelbaren Kostenersparnis auch zu einem geringeren Fehler- und Haftungsrisiko, mit positivem Einfluss auf das Rating.

Der Gründungsprozess der Kooperation sollte mit der Entwicklung einer Praxisstrategie und deren Überwachung einhergehen, die in einem Businessplan dokumentiert wird.
Durch Kooperation wird die Stellung der Praxis im lokalen Gesundheitsmarkt gestärkt. Eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit verbessert die Zukunftsaussichten der Praxis und beeinflusst die Kreditwürdigkeit positiv.
Durch Kooperationen ergibt sich die Möglichkeit eine komplettere Leistungspalette anzubieten und sich regional besser zu etablieren. Die dadurch verbesserte Sicherung der Umsatzbasis bzw. von Umsatzausweitungsmöglichkeiten führt zu einer positiven Beeinflussung des qualitativen Ratings.

Der Gesetzgeber zielt in den letzen Jahren durch seine Maßnahmen auf die Bildung von größeren Behandlungseinheiten ab. Die Einzelpraxis wird in vielen Bereichen als Auslaufmodell gesehen. Die Kooperation trägt somit zur Zukunftssicherung der Praxis bei und beeinflusst durch die bessere Prognose der zukünftigen Kapitaldienstfähigkeit, das Rating aus Sicht der Bank positiv.

Eine gravierende Negativauswirkung auf das Rating besitzt eine fehlende Nachfolgeregelung. Im Todesfall ist mit starken Patientenverlusten bei Einzelpraxen zu rechnen, da die kurzfristige Aufrechterhaltung des Praxisbetriebs zu einem Problem wird. Durch das Eingehen einer Kooperation kann der Praxisbetrieb durch die beteiligten Kollegen aufrecht erhalten werden und die Fortbestehensprognose der Praxis verbessert sich. Aus Sicht der Bank ist somit ein Aufrechterhaltung der Kapitaldienstfähigkeit deutlich verbessert.

Haftungsrisiken und deren Absicherung sind für das Rating von großer Bedeutung. Da Berufsausübungsgemeinschaften häufig als GbR betrieben werden, ist für den eintretenden Gesellschafter eine Haftung für bereits bestehende Verbindlichkeiten der Gesellschaft mit dem Privatvermögen analog § 130 HGB gegeben. Für diese Fälle sollte neben einer Haftungsfreistellung im Innenverhältnis eine Besicherung für den Freistellungsanspruch erfolgen, da eine bloße Haftungsfreistellung häufig wertlos sein dürfte.
Eine weitere Möglichkeit wäre die Umwandlung der Altpraxis in eine Partnerschaftsgesellschaft in die der neu aufzunehmende Arzt sodann eintritt. Nach § 8 (2) PartGG erfolgt nun keine Haftung mehr für eventuelle Kunstfehler der Altgesellschafter. Für sonstige Verbindlichkeiten außer Berufshaftungsfällen erfolgt jedoch auf diesem Wege keine Haftungsbegrenzung.

Fazit

Basel II führt durch einen erschwerten Kreditvergabeprozess zur Notwendigkeit das eigene Kreditrating aktiv zu beeinflussen. Die Veränderungen im Gesundheitsmarkt sind auch mit der Frage der Kreditwürdigkeit und Kapitaldienstfähigkeit verknüpft. Die Kooperation im ärztlichen Bereich muss als Chance begriffen werden auf den Druck der Banken und die veränderte Marktsituation reagieren zu können. Die erreichten Verbesserungen in der Praxis müssen den Banken offensiv kommuniziert werden.

Lars Stuhlmüller
Steuerberater
Stuhlmüller & Partner
Steuerberater- und Rechtsanwaltssozietät
Hauptstraße 33
70809 Gerlingen
07156/436220

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zzz