Neubauer: DRG bringen ambulante Operateure an die Krankenhäuser
Niedergelassene Operateure sollten den vorhersehbaren Bettenabbau in vielen Kliniken der Grund- und Regelversorgung als Chance begreifen und rasch in das krankenhaus-ambulante Operieren einsteigen, forderte Professor Günter Neubauer beim BAO-Kongress in Mainz.
Niedergelassene Operateure sollten die Einführung der Diagnosis-related-Groups (DRG) im Krankenhaussektor als Chance und nicht als Bedrohung begreifen, forderte der Münchener Volkswirtschaftler Professor Günter Neubauer beim Kongress des Bundesverbandes Ambulantes Operieren (BAO) am 7. September 2002 in Mainz.
Aktuelle Berechnungen hätten ergeben, dass 30 bis 40 Prozent aller Krankenhauspatienten in Deutschland nach der australischen DRG-Systematik als Tagesfälle eingestuft werden müssten, berichtete Neubauer. Die Folgen für Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung wären dramatisch: Sie müssten zirka 100 ihrer durchschnittlich 250 Betten abbauen und würden damit auf eine völlig unrentable Größe schrumpfen.
Die Schließung ganzer Kliniken sei jedoch nicht im Interesse der öffentlichen Hand. Niedergelassene Operateure könnten daher mit politischer Unterstützung der Kommunen rechnen, wenn sie jetzt aktiv an Krankenhäuser herantreten und ihnen eine Kooperation beim ambulanten Operieren anbieten, die zum Erhalt der Infrastruktur in den Krankenhäusern beiträgt, erklärte Neubauer.
Auf lange Sicht führe kein Weg daran vorbei, dass ambulante Operationen überwiegend in Krankenhäusern und spezialisierten Praxiskliniken angeboten werden, sagte Neubauer. Die klassische Einzelpraxis, in der ein Operateur nur ein- bis zweimal pro Tag am OP-Tisch stehe, werde mit gutem Grund bald aussterben.
Für funktionierende Kooperationen zwischen niedergelassenen Operateuren und Krankenhäusern müssten beide Seiten zunächst ihre jeweiligen Feindbilder über Bord werfen: „Die Klinik ist der Freund ambulanter Operateure, nicht der Vertragsarzt aus der anderen Fachrichtung“, erklärte Neubauer. Schließlich sei es für den Hausarzt oder den Facharztkollegen einer anderen Fachrichtung weiterhin bequemer, Patienten zur Operation an das Krankenhaus zu überweisen.
Gelänge es nicht rasch, entsprechende Kooperationen zu etablieren, würden private Krankenhäuser und Krankenhausketten in diese Nische eindringen, die über ausreichend Rücklagen für den Neubau ganzer ambulanter OP-Zentren verfügen, warnte Neubauer. Neubauer ist seit 1976 Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität der Bundeswehr, München. Er ist Mitglied verschiedener Schiedsämter in Bayern, seit 1997 externes Mitglied des Verwaltungsrates des Klinikums Magdeburg und war von 1991bis 1998 Mitglied des Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen.






